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7 Agrarhandel

7.2 Agraraußenhandel

EU-Außenhandel

Die EU ist der größte Exporteur der Welt
Die Europäische Union (EU-28) ist mit 506,9 Millionen Menschen nicht nur der größte Binnenmarkt, sondern auch die größte Handelsmacht der Welt; der Anteil der EU-28 am Welthandel (bezogen auf den Export und ohne Berücksichtigung des EU-Binnenhandels) betrug 2014 15,9 Prozent. Nach zuletzt für das Jahr 2013 vorliegenden Angaben lagen der Anteil Chinas am Welthandel bei 15,6 Prozent und der Anteil der USA bei entsprechend 11,1 Prozent. Die EU-Importe hatten 2014 einen Anteil am Welthandel von 15,4 Prozent (USA 16,0 Prozent, China 13,4 Prozent).

Plus in der EU-Handelsbilanz 2014 kleiner geworden
Aus- und Einfuhren der EU mit Drittländern konnten 2014 an die positive Aufwärtsentwicklung der Vorjahre nicht anknüpfen. Während die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozent geringer ausfielen, blieben die Einfuhren nahezu unverändert. Dadurch verringerte sich das Plus in der Außenhandelsbilanz von 52 Milliarden Euro in 2013 auf 18 Milliarden Euro in 2014.

USA, China und Russland sind die wichtigsten Handelspartner
Die EU-Handelsbilanz fällt mit den jeweiligen Handelspartnern unterschiedlich aus. Im Handel mit den USA überschritten 2014 die Ausfuhren die Einfuhren um 105 Milliarden Euro. Negativ ist dagegen die Handelsbilanz mit den Entwicklungs- und Schwellenländern. Mit China hatte die EU 2014 ein Handelsdefizit von 137 Milliarden Euro. Drittwichtigster Handelspartner ist Russland. Bedingt durch hohe Energieeinfuhren betrug das Handelsdefizit der EU mit Russland 78 Milliarden Euro.

EU-Agrarhandelsbilanz ist ausgeglichen
Die EU-Außenhandelsbilanz bei Agrar- und Ernährungsgütern war 2014 ebenso wie im Vorjahr nahezu ausgeglichen. Agrarein- und ausfuhren betrugen 2014 jeweils rund 118 Milliarden Euro. Ein- und Ausfuhren nahmen gegenüber dem Vorjahr jeweils um rund 3 Prozent zu. Ohne Fisch und Fischwaren, die die Europäische Kommission bei ihrer Darstellung des Agraraußenhandels außen vor lässt, besteht ein beträchtlicher Ausfuhrüberschuss (2014 18 Milliarden Euro). Die EU-Agrarimporte in der vorliegenden Darstellung beruhen vor allem auf beträchtlichen Einfuhren an Gemüse, Obst, Fisch (jeweils einschließlich Verarbeitungserzeugnissen) sowie an Futtermitteln, Ölsaaten und Ölsaatenprodukten. Hinzu kommen umfangreiche Importe an Kaffee, Tee, Fleischwaren, Tabak und Kakao. Die EU ist bedeutender Exporteur vor allem bei Getreide, Milch, Fleisch (jeweils einschließlich Verarbeitungserzeugnissen), aber auch von Bier, Wein und Spirituosen.

EU für Entwicklungsländer ein wichtiger und offener Absatzmarkt
Für die Entwicklungs- und Schwellenländer ist die EU im internationalen Vergleich der offenste Absatzmarkt. Sie liefern in die EU zollfrei oder zu niedrigen Zollsätzen mehr Agrarprodukte als in die USA, Kanada, Japan, Australien und Neuseeland zusammen. Rund 69 Prozent der EU-Agrarimporte und etwa 53 Prozent der EU-Agrarexporte werden mit den Entwicklungs- und Schwellenländern getätigt. Aus diesen Ländern importierte die EU auch im Jahre 2014 wesentlich mehr Agrargüter (81,8 Milliarden Euro, gegenüber Vorjahr + 2 Prozent) als sie dorthin exportierte (62,8 Milliarden Euro, gegenüber Vorjahr + 8 Prozent). Ein großer Teil der Einfuhren entfällt auf Erzeugnisse, die nicht oder kaum mit EU-Produkten konkurrieren. Dazu gehören vor allem südländisches Obst und Gemüse sowie Kaffee, Kakao und Tee.

EU-Agrarhandel in 2015 mit weiterem Zuwachs
Nach Ergebnissen für die ersten neun Monate des Jahres 2015 (Januar bis September) sind die Exporte der EU gegenüber dem entsprechenden Vorjahresstand um etwa 6 Prozent und die EU-Importe um rund 2 Prozent angestiegen. Der darin enthaltene EU-Handel mit Nahrungsmitteln nahm auf der Ausfuhrseite ebenfalls um 6 Prozent und auf der Einfuhrseite sogar um rund 10 Prozent zu.

Außenhandel Deutschland

Deutscher Außenhandel wächst
Sowohl auf der Einfuhr- als auch der Ausfuhrseite konnte der deutsche Außenhandel 2014 an das Vorjahresergebnis anknüpfen. Mit einem wertmäßigen Umfang von 1.124 Milliarden Euro fielen die Ausfuhren gegenüber 2013 um rund 36 Milliarden Euro oder gut 3 Prozent höher aus. Die Einfuhren stiegen um rund 20 Milliarden Euro oder gut 2 Prozent auf 910 Milliarden Euro. Der positive Handelsbilanzsaldo verbesserte sich um 16 Milliarden Euro auf 214 Milliarden Euro. In 2015 zeichnet sich ein stärkeres Wachstum des Außenhandels ab. Im Zeitraum Januar bis September legten die Ausfuhren um 7 Prozent und die Einfuhren um gut 4 Prozent zu.

Agrarhandel nur mit leichter Zunahme
Der deutsche Außenhandel mit Gütern der Land- und Ernährungswirtschaft hatte in 2014 eine etwas schwächere Dynamik als die übrige Wirtschaft. Im Vergleich zum Jahr 2013 stiegen die Agrarausfuhren um ein Prozent auf 66,7 Milliarden Euro und die Agrareinfuhren ebenfalls um 1 Prozent auf 75,5 Milliarden Euro. Im Ergebnis schloss die Agrarhandelsbilanz mit einem Defizit von 8,8 Milliarden Euro ab. Das waren 0,2 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Wesentliche Ursachen für die relativ schwache Dynamik des Agrarhandels liegen in niedrigeren Preisen für Agrarrohstoffe sowie im Russland-Embargo. Gemessen am deutschen Außenhandel insgesamt hatten die Agrarausfuhren einen Anteil von 5,9 Prozent und die Agrareinfuhren einen Anteil von 8,3 Prozent.

Neue Rekorde im Agraraußenhandel
Nach vorläufigen Angaben für den Zeitraum Januar bis September 2015 sind die Exporte von Agrar- und Ernährungsgütern um fast 3 Prozent und die Importe um entsprechend fast 6 Prozent angestiegen. Gestützt wird diese Entwicklung vor allem durch den Außenhandel mit EU-Drittländern. Schätzungen zufolge dürften die deutschen Agrarexporte in 2015 auf den neuen Rekordwert von fast 69 Milliarden Euro ansteigen. Die Agrareinfuhren dürften einen Wert fast 80 Milliarden Euro erreichen.

Deutscher Agrarexport steht für Ausfuhr von Qualitätsprodukten
Charakteristisch für den deutschen Agrarexport ist die Ausfuhr von hochwertigen Veredlungserzeugnissen. So sind Milch und Milcherzeugnisse, darunter vor allem Käse, sowie Fleisch und Fleischwaren die wichtigsten Produkte des deutschen Agrarexportes. Qualität und Sicherheit sind wichtige Faktoren im Export.

Deutscher Agrarhandel überwiegend mit EU-Partnerstaaten
Deutschlands wichtigste Kunden im Agrarhandel sind die EU-Länder. 77 Prozent der gesamten Agrarausfuhren gingen 2014 in EU-Partnerstaaten und knapp 23 Prozent in Drittländer. Beim Drittlandexport sind Russland, die USA und die Schweiz die wichtigsten Abnehmer. Bei den Drittlandimporten ist Brasilien der mit Abstand wichtigste Lieferant vor den USA und China.

Export- und Importsteigerungen besonders gegenüber Drittländern
Der deutsche Agrarexport mit Drittländern ist mit knapp einem Prozent 2014 etwas weniger stark gewachsen als der Agrarexport innerhalb der EU mit gut 1 Prozent. Anders sieht es bei den Agrarimporten aus. Während die Agrareinfuhren aus den EU-Partnerstaaten nahezu unverändert blieben, stiegen Agrareinfuhren aus den Drittländern um gut 3 Prozent. Im Zeitraum von Januar bis September 2015 sind die Exporte in EU-Drittländer wesentlich stärker gewachsen als die Exporte in EU-Partnerstaaten. Ähnlich verhält es sich bei den Agrarimporten.

Handel mit Entwicklungsländern: Viel Import, wenig Export
73 Prozent der deutschen Agrarimporte aus Drittländern stammen aus den Entwicklungs- und Schwellenländern, insgesamt 16,9 Milliarden Euro (gegenüber Vorjahr + 6 Prozent). Importiert werden in erster Linie Kaffee, Ölsaaten sowie Obst und Südfrüchte. Die Exporte in die Entwicklungs- und Schwellenländer stiegen 2014 um gut 8 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro. Das sind 12 Prozent der gesamten deutschen Agrarexporte. Der traditionelle Einfuhrüberschuss mit den Entwicklungs- und Schwellenländern stieg 2015 damit von 8,6 auf 9,0 Milliarden Euro.

EU-Erweiterung hat deutschen Agrarhandel beflügelt
Der EU-Beitritt der elf osteuropäischen Länder sowie von Malta und Zypern hat den deutschen Agrarhandel deutlich belebt. Deutschland führte 2014 aus den EU-Beitrittsländern Agrar- und Ernährungsgüter im Wert von 7,9 Milliarden Euro ein. Entsprechend ausgeführt wurden Waren im Wert von 9,1 Milliarden Euro. Bei den Agrarimporten aus den 13 Beitrittsländern entfielen 2014 4,5 Milliarden Euro auf Polen. Etwas niedriger fielen die deutschen Agrarexporte nach Polen aus (3,9 Milliarden Euro).

Exportgeschäft nach Russland massiv eingebrochen
Mit rund 1,59 Milliarden Euro gingen die deutschen Agrarexporte nach Russland bereits in 2013 stark zurück. Nach Einführung des Import-Embargos im August 2014 sanken die deutschen Agrarausfuhren nach Russland in 2014 um weitere 28 Prozent. Ausgehend von einem vergleichsweise niedrigen Niveau stiegen die Agrarimporte dagegen um fast 5 Prozent auf 0,22 Milliarden Euro an. In 2015 zeigt das Importembargo seine volle Geltung. Für den Zeitraum Januar bis September 2015 lagen sowohl die EU-Agrarexporte als auch die Gesamtexporte nach Russland um nochmals 28 Prozent unter dem Vorjahresstand.

Mehr Agrarexporte in die USA
Bedeutendster Lieferant im Drittlandhandel mit Agrar- und Ernährungsgütern sind die USA. Die deutschen Agrarimporte von dort sanken 2014 wertmäßig um knapp 2 Prozent auf 2,30 Milliarden Euro. Die deutschen Agrarausfuhren in die USA nahmen dagegen um 3 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro zu.

Deutschland im Welthandel die Nummer drei
Deutschland nimmt beim globalen Handel von Agrarprodukten und Nahrungsmitteln eine Spitzenposition ein. Von den im Jahr 2014 weltweit exportierten Agrargütern im Gesamtwert von 1.765 Milliarden US-Dollar stammten 4,9 Prozent aus Deutschland. Mehr Agrarprodukte außerhalb ihrer Grenzen vermarkteten 2014 nur die USA und die Niederlande.

Brasilien mit weltweit größtem Exportüberschuss
Deutschland ist auch die Nummer drei in der Rangliste der Agrarimportländer. Verrechnet man Exporte und Importe miteinander, ergibt sich für Deutschland ein Agrarhandelsdefizit von 12 Milliarden US-Dollar. Damit steht Deutschland auf Platz 9 der größten Nettoimporteure von Agrarprodukten. Japan, China und das Vereinigte Königreich haben weitaus größere Nettoimporte.
Der bei weitem größte Nettoexporteur ist Brasilien. Dieses Land exportierte 2014 für 68 Milliarden US-Dollar mehr Agrargüter als es importierte. Mit großem Abstand folgen in der Rangliste der weltgrößten Agrar-Nettoexporteure Argentinien und die Niederlande.