Pressemeldungen  | 26.06.2014

UN-Sonderbotschafter Sonnleitner: „Familienlandwirtschaft ist der Schlüssel“

Panel „Verantwortung leben in Familienbetrieben“ auf dem Deutschen Bauerntag

„Nur eine nachhaltig produktive Landwirtschaft ist in der Lage, ausreichend Lebensmittel für eine anhaltend wachsende Weltbevölkerung bereitzustellen. Die familienbäuerliche Landwirtschaft ist der Schlüssel, das zu erreichen". Dies erklärte der Sonderbotschafter für das UN-Jahr der familienbetriebenen Landwirtschaft und Ehrenpräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, auf dem Deutschen Bauerntag in Bad Dürkheim. Mit einem Anteil von über 90 Prozent seien bäuerliche Familienbetriebe weltweit die vorherrschende Betriebsform bei der nachhaltigen Landbewirtschaftung und Lebensmittelerzeugung.
 
„Maßstäbe für die familienbetriebene Landwirtschaft lassen sich nicht an der Zahl der Hektare oder der Anzahl der Tiere in einem Betrieb festmachen“, hob Sonnleitner hervor. Entscheidend sei, dass die Verbindung von Eigentum und Arbeit sowie von Erfolg und Risiko in den Händen der Bauernfamilien liege. „Aus dieser Kombination ergeben sich unternehmerische Verantwortung und Nachhaltigkeit mit Blick auf die nächste Generation“, so Sonnleitner. Das langfristige unternehmerische und generationsübergreifende Denken sei in keinem anderen Wirtschaftsbereich so ausgeprägt wie in der Landwirtschaft.
 
„Wer Hunger und Armut bekämpfen will, muss zuerst verlässliche politische Rahmenbedingungen in den betroffenen Ländern einfordern und schaffen", forderte Sonnleitner. Die Förderung der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern sei daher ein zentraler Ansatzpunkt. Die strukturelle Vielfalt der Landwirtschaft schaffe stabile ländliche Räume. Dementsprechend habe sich in Deutschland auch eine überwiegend  mittelständische Ernährungsindustrie und eine vielfältige Zulieferindustrie entwickelt. „Dieses Modell ist im Vergleich zu vielen europäischen Nachbarländern eine Stärke der deutschen Agrarwirtschaft", stellte der UN-Sonderbotschafter fest. Ebenso verkörpere kein Wirtschaftszweig Heimat und Regionalität so stark wie die Landwirtschaft.

„Hunger und Mangelernährung sind in vielen Teilen der Welt noch bittere Realität. Dies ist ein Skandal. Dagegen haben Wohlstand und Überfluss an vielfältigen und gesunden Lebensmitteln in den Ländern der Nordhalbkugel oft den Blick für die Leistungen der Landwirte verstellt", bemängelt Sonnleitner. Die Bauernfamilien und landwirtschaftlichen Organisationen müssten deshalb „die Brücke schlagen zwischen den Erfolgen und Leistungen  in Deutschland und Europa und den Defiziten in anderen Ländern." Es gelte, sich in die politische und mediale Kritik an der modernen und produktiven Landwirtschaft  einzumischen. Sonnleitner unterstrich, dass er deshalb das Amt des Sonderbotschafters für das UN-Jahr angenommen habe. „Ich möchte dazu beitragen, die Landwirtschaft unter einem realistischen und nicht mit einem ideologisch verstellten Blick zu bewerten."