©
1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.1 Wirtschaftliche Bedeutung des Agrarsektors

Hohe wirtschaftliche Leistung der Landwirtschaft
Die Land-, Forstwirtschaft und Fischerei ist als Teil der Volkswirtschaft in Deutschland nach wie vor ein bedeutender Wirtschaftsbereich. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung macht heute (2014) zwar nur 0,7 Prozent und an den Erwerbstätigen rund 1,5 Prozent aus, doch ist die volkswirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft wesentlich größer. Die deutsche Land-, Forstwirtschaft und Fischerei erzielte 2014 einen Produktionswert von 52,7 Milliarden Euro. Das ist erheblich mehr als der Produktionswert des gesamten deutschen Textil-, Bekleidungs- und Schuhgewerbes mit 22,1 Milliarden Euro, des Papiergewerbes mit 37,7 Milliarden Euro oder der pharmazeutischen Industrie mit 45,1 Milliarden Euro.

Einkäufe der Landwirtschaft stützen die übrige Wirtschaft
Landwirte fragen viele Betriebsmittel, Investitionsgüter und Dienstleistungen nach. Es sind vor allem kleinere und mittlere Betriebe aus Handel, Handwerk und Gewerbe, die wirtschaftlich stark mit der Landwirtschaft verbunden sind. Viele Höfe nutzen darüber hinaus eine breite Palette von Dienstleistungen. Diese reichen von der Beratung in betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und produktionstechnischen Fragen, über Wartungsarbeiten bis hin zur Tiergesundheits- und Qualitätsüberwachung. Die  produktionsbedingten Ausgaben der deutschen Landwirtschaft betrugen im Jahr 2014 44,7 Milliarden Euro, wovon 9,8 Milliarden Euro auf Investitionen in Bauten und Maschinen entfallen. Zu den betriebsbedingten Ausgaben kommen u. a. die privaten Konsumausgaben der Land- und Forstwirte, die sich 2014 auf 7,5 Milliarden Euro beliefen.

Jeder 9. Arbeitsplatz steht mit dem Agribusiness in Verbindung
Das Agribusiness umfasst die gesamte Lebensmittelkette und damit alle Schritte von der Urproduktion bis zum Verbraucher: Die Landwirtschaft gewinnt mit Produktionsmitteln aus den vorgelagerten Wirtschaftsbereichen die pflanzlichen und tierischen Rohstoffe, die
vom Ernährungsgewerbe, also dem Handwerk und der Industrie, weiterverarbeitet werden. Hinzu kommen der Lebensmittelgroß- und -einzelhandel sowie die Gastronomie.
 
Das Agribusiness ist einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige
Das Agribusiness hatte in 2014 in rund 750.000 Betrieben insgesamt 4,5 Millionen Beschäftigte. Damit sind rund 11 Prozent aller Erwerbstätigen direkt oder indirekt damit beschäftigt, Menschen mit Essen und Trinken zu versorgen bzw. pflanzliche Rohstoffe für Nicht-Nahrungsmittelzwecke zu erzeugen. Ein Großteil dieser Arbeitsplätze – vor allem in Landwirtschaft, Gastronomie, Handwerk und Einzelhandel – ist im ländlichen Raum angesiedelt. Mit zahlreichen attraktiven Ausbildungsberufen und -plätzen stellt das Agribusiness jeden 10. Ausbildungsplatz in Deutschland. So starten jedes Jahr rund 270.000 junge Menschen im Agribusiness in ihr Berufsleben.

Landwirtschaft als Schlüsselbranche für die Wirtschaft
Der Erwerbstätigenanteil der Landwirtschaft am gesamten Agribusiness beträgt knapp 14 Prozent. Das heißt: Einem landwirtschaftlichen Arbeitsplatz stehen sieben weitere Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen gegenüber. Das gesamte Agribusiness erbrachte 2014 einen Produktionswert von geschätzten 433 Milliarden Euro oder gut 8 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Produktionswertes. Gemessen an der volkswirtschaftlichen Bruttowertschöpfung beträgt der Anteil des Agribusiness gut 6 Prozent.
 
Landwirtschaftlicher Erwerbstätigenanteil bei 1,5 Prozent
In Deutschland übten im Jahr 2014 651.000 Personen oder 1,5 Prozent aller Erwerbstätigen ihre überwiegende Erwerbstätigkeit in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei aus. 47 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft sind als eigenständige Unternehmer tätig. Ihr Anteil an den Selbständigen in Deutschland beläuft sich auf 7,0 Prozent. Gemessen am gesamten Arbeitsvolumen der deutschen Wirtschaft beträgt der Anteil der Land- und Forstwirtschaft 1,8 Prozent.

Selbständige arbeiten länger
Ein Erwerbstätiger in Deutschland arbeitete im Jahr 2014 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Durchschnitt 1.366 Stunden. Überdurchschnittlich hoch fällt die Stundenzahl in der Land- und Forstwirtschaft mit 1.641 Stunden aus. Grund dafür ist vor allem der mit 47 Prozent hohe Anteil der Selbständigen in der Land- und Forstwirtschaft. Mit 1.997 Stunden liegen die Arbeitszeiten von Selbständigen in der Land- und Forstwirtschaft nahezu gleich hoch wie bei den Selbständigen in der übrigen Wirtschaft mit 1.961 Stunden. Der Einsatz moderner Technik hat maßgebend dazu beitragen, dass körperliche Arbeit und Arbeitszeiten in der Landwirtschaft deutlich zurückgegangen sind. Der Umgang mit Natur, Umwelt und Tieren erfordert allerdings eine relativ hohe zeitliche Flexibilität.
 
Arbeitsproduktivität der Landwirtschaft relativ stark gestiegen
Gemessen an der Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen hat der Agrarsektor in Deutschland seine Produktivität in den letzten 20 Jahren stark gesteigert (+72 Prozent). Zum Vergleich: Im Durchschnitt der deutschen Wirtschaft stieg die Produktivität um 44 Prozent. In absoluten Zahlen bleibt jedoch ein Abstand zu anderen Wirtschaftsbereichen.

Moderne Landtechnik
Die Landtechnik-Industrie ist ein wichtiger Vorlieferant der Landwirtschaft. In der Branche sind über 200 Unternehmen mit rund 31.500 Beschäftigten tätig. 2014 wurde in Deutschland Landtechnik im Wert von 5,5 Mrd. Euro verkauft. Schwerpunkte der Produktion in den deutschen Fabriken sind Traktoren (2014: 3,5 Mrd. Euro) und Erntemaschinen (2,1 Mrd. Euro). Ein Fokus der gegenwärtigen technologischen Entwicklung liegt auf der Vernetzung von Arbeitsprozessen mittels elektronischer Steuerung und dem Einsatz von Datenmanagementsystemen. Nach einer dynamischen dreijährigen Wachstumsphase, die 2013 in einem Rekordumsatz von 8,4 Milliarden Euro gipfelte, hat die deutsche Landtechnik-Industrie rückläufige Umsätze zu verzeichnen, vor allem im Export.  So sank das Umsatzvolumen der Branche 2014 um gut 8 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro. Für 2015 wird mit einem Umsatz von 7,2 Milliarden Euro gerechnet.
 
Umsätze von Landtechnik Handwerk und -Handel weiter auf hohem Niveau
Die rund 5.600 in den Handwerksrollen eingetragenen Landmaschinen-Fachbetriebe machten mit ihren knapp 43.000 Mitarbeitern 2014 einen Umsatz von rund 9,3 Milliarden Euro (gegenüber Vorjahr plus 2 Prozent). Für 2015 rechnen Landtechnik-Handwerk und -Handel nach einem guten Start mit einem Umsatzrückgang von um die zwei Prozent.

Lohnunternehmen und Maschinenringe senken die Technikkosten
Lohnunternehmen sind landtechnische Dienstleister der Landwirte. 3.400 Lohnunternehmer mit 18.500 fest angestellten Mitarbeitern und gut 15.000 saisonalen Aushilfen erzielten 2014 einen Umsatz von etwa 3,5 Milliarden Euro, davon 2,28 Milliarden Euro im Einsatz für Land- und Forstwirte. Die Aufgaben werden anspruchsvoller, zum Beispiel im Bereich Biogasanlagen,
bei der Gülleausbringung, in der Komplettbewirtschaftung, aber auch in der Bodenbearbeitung oder Düngung mit Spezialtechnik. Die von Landwirten gegründeten 251 Maschinenringe mit 191.000 landwirtschaftlichen Mitgliedsbetrieben erwirtschafteten 2014 mit ihren rund 3.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von gut 1,15 Milliarden Euro. Mit dem Ziel, vorhandene Maschinen besser auszulasten und zusätzliche Erwerbsquellen zu erschließen, haben sich die Maschinenringe in vielen Regionen zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt.

Landwirtschaft und ländliche Räume sind untrennbar miteinander verbunden
Etwa 90 Prozent der Fläche Deutschlands zählen zu den ländlichen Räumen. Mehr als die Hälfte der Einwohner Deutschlands lebt in Dörfern, Gemeinden und Städten auf dem Land. Ländliche Räume sind Lebensraum und Wirtschaftsstandort. Sie umfassen land- und forstwirtschaftliche Nutzräume ebenso wie Natur- und Erholungsräume.

Umfrage: Auf dem Land werden Traditionen gelebt
Familienleben statt Single-Dasein, nachbarschaftliches Miteinander statt anonymes Nebeneinander: Auf dem Land haben diese traditionellen Werte eine große Wertschätzung. Dieser Meinung sind 73 Prozent der vom Medienforschungsinstitut TNS Infratest in 2014 befragten Bewohner ländlicher Regionen. Im Vergleich: Nur 45 Prozent der Städter denken, dass traditionelle Werte ihr urbanes Umfeld besonders prägen. Gut zwei Drittel der Deutschen schätzen laut einer Emnid Umfrage von Ende 2014 ländliche Regionen für ihre hohe Lebensqualität. Noch häufiger werden die Regionen abseits der Städte als ideale Erholungsorte angesehen.

Bevölkerungsgewinne und -verluste
Viele Gebiete stehen angesichts der demografischen Entwicklung, der Abwanderung vor allem junger Menschen vor der Aufgabe, eine selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung und eine ausreichende Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Auch für die landwirtschaftlichen Betriebe wird es vor allem in Regionen mit rückläufigem Arbeitskräftepotential schwieriger, Berufsnachwuchs zu finden.

Feld und Wald sind auch wertvoll für Freizeit und Tourismus
Auf der Skala der Erholungsaktivitäten rangieren die landschaftsbezogenen Freizeitaktivitäten vorn, wie Spazierengehen, Spielen im Freien, Wandern und Radfahren. Die Land- und Forstwirtschaft erhält und pflegt 29,6 Millionen Hektar Acker, Wiesen und Wald. Das sind 82 Prozent der Fläche. Deutschland ist damit als Kulturlandschaft geprägt.

Landtourismus liegt voll im Trend
Sechs von zehn Deutschen verbringen ihren Urlaub im eigenen Land – jeder Vierte verreist sogar nur innerhalb seiner Region, in der er lebt. Dabei sind der Urlaub auf dem Bauernhof und der Urlaub auf dem Land besonders beliebt. Etwa 20.000 landwirtschaftliche Betriebe bieten Urlaub auf dem Bauernhof an. Circa 4,5 Millionen Gäste jährlich suchen das Erleben von intakter Natur und Ruhe, die persönliche Betreuung der Gastgeber und authentische Einblicke in die Landwirtschaft.

Steigende Auslastung
Die Anbieter von Bauernhof- und Landurlaub vermelden seit Jahren steigende Übernachtungszahlen, vor allem in den Reisezeiträumen Ostern und Pfingsten und bei den Kurzurlauben in der Nebensaison. Dementsprechend geben 92 Prozent der Ferienhöfe, die in der Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus in Deutschland organisiert sind, an, mit der wirtschaftlichen Entwicklung des touristischen Betriebszweiges in den letzten 5 Jahren sehr zufrieden oder zufrieden zu sein. Der Landtourismus bietet landwirtschaftlichen Betrieben ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein mit einem Umsatz von etwa 1,1 Milliarden Euro.

Landwirtschaft genießt hohes Ansehen
Nach einer in 2013 durchgeführten repräsentativen Umfrage von Infratest-dimap sehen 91 Prozent der Bevölkerung die Stärken der deutschen Landwirtschaft in der Erzeugung qualitativ hochwertiger Lebensmittel. 82 Prozent sehen die deutsche Landwirtschaft als „Bestandteil von Heimat und Brauchtum“, nach Meinung von 78 Prozent leistet sie „einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege“. 68 Prozent der Bundesbürger sehen die „Arbeitsplätze auf dem Land“ als wichtigen Faktor. Für 57 Prozent ist auch die Sicherung der Ernährung außerhalb Deutschlands ein wichtiger Aspekt.

Starkes Interesse an landwirtschaftlichen Themen
Fast 60 Prozent der Bundesbürger sind nach einer Emnid-Umfrage aus 2014 der Auffassung, dass derzeit an den Schulen kein realistisches Bild der Landwirtschaft vermittelt wird. Sie wollen der schulischen Vermittlung von Wissen über das Leben in der Landwirtschaft und deren Bedeutung für die Gesellschaft einen höheren Stellenwert beimessen. In den Medien vorherrschende Themen wie „Massentierhaltung“, „Subventionen“ oder „Antibiotika“ stehen dagegen nicht im Vordergrund. Lediglich 1 bis 5 Prozent der Befragten sind der Ansicht, derartige Themen gehörten in den Unterricht.

Hohe Verbraucheransprüche an die Landwirte
Die Lebensmittelerzeugung steht seitens der Verbraucher unter einem hohen Erwartungsdruck. Nach einer TNS Emnid-Befragung von Ende 2014 gehört die Produktion von einerseits qualitativ hochwertigen, andererseits auch sicheren Lebensmitteln zu den wichtigsten Verbraucherforderungen an die Lebensmittelerzeuger. Praktisch genauso bedeutsam ist den Verbrauchern die Einhaltung von Tier- und Umweltschutz. Zudem ist der Verzicht auf Gentechnik für viele ein relevantes Thema. Erst am Ende der Rangliste
findet sich hingegen die Produktion preiswerter Lebensmittel.

Image: Landwirtschaft produziert gute, sichere und preiswerte Lebensmittel
Im Hinblick auf die Qualität und Sicherheit der produzierten Lebensmittel decken sich die hohen Erwartungen mit dem Bild der Verbraucher von der Landwirtschaft. Rund drei Viertel der Befragten sind der Ansicht, dass die Landwirtschaft qualitativ hochwertige und sichere Lebensmittel produziert. Die Erwartungen zum Image der Landwirtschaft zeigen auch, dass
fast ebenso viele Verbraucher der Ansicht sind, die Landwirtschaft würde auch preiswerte Lebensmittel produzieren.