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6 Erzeugung und Märkte

6.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte

Erheblich niedrigere Agrarpreise, aber auch niedrigere Betriebsmittelpreise
Die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte sind im Jahr 2014 gegenüber 2013 durchschnittlich um 7,4 Prozent (Vorjahr: +1,5 Prozent) gefallen. Landwirtschaftliche Betriebsmittel wurden im gleichen Zeitraum um 3,4 Prozent günstiger. Bei Betrachtung des Wirtschaftsjahres 2014/15 (Juli 2014 bis Juni 2015) ist die Erlös-/Kostenschere noch stärker auseinandergegangen. Der Index der Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte in Deutschland lag im Wirtschaftsjahr 2014/15 um 11,9 Prozent unter dem Stand des Vorjahres, der Index der Betriebsmittelpreise um entsprechend 2,8 Prozent darunter. Auf der Erzeugerpreisseite gingen vor allem die Preise für Kartoffeln, Obst, Milch, Schweine, Getreide und Raps zurück, während die Eier- und Gemüsepreise leicht zulegten. Auf der Betriebsmittelseite sanken die Einkaufspreise für Treibstoffe und Futtermittel besonders stark.

Zu Beginn der Wirtschaftsjahres 2015/16 weiterer Preisdruck
Im ersten Quartal des laufenden Wirtschaftsjahres 2015/16 standen die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise für Produkte wie Milch, Schweine und Obst weiter unter starkem Druck. Der Index der Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte lag im Zeitraum Juli bis September 2015 um 5,4 Prozent unter dem Stand des Vorjahres. Die Betriebsmittelpreise dagegen blieben im Jahresvergleich nahezu unverändert (-0,8 Prozent).

AMI-Agrarrohstoff-Index auf niedrigem Niveau
Weltweit große Ernten, die russische Einfuhrsperre und eine schwache Nachfrage aus Schwellenländern wie China setzten die Preise für Agrarrohstoffe 2014 und 2015 unter Druck. Der Agrarrohstoff-Index der Agrarmarkt Informations-GmbH für die 13 wichtigsten in Deutschland erzeugten Agrarprodukte ist vom Frühjahr bis Ende 2014 stark gefallen und konnte sich in 2015 nicht erholen. Im Oktober 2015 lag der Index mit 118,4 Punkten um 0,7 Prozent über den Tiefststand vom Vormonat September. Grund war eine festere Preistendenz bei Getreide und Ölsaaten. Während sich die Erzeugerpreise für Rinder in der 2. Jahreshälfte 2015 festigten, standen die Schweinepreise weiter unter Druck. An den Märkten für Milchprodukte zeigte sich eine Tendenz zur Festigung. Für Anfang 2016 gehen die Marktbeteiligten von einer insgesamt wieder etwas festeren Entwicklung der Erzeugerpreise aus.

Wieder steigende Preistendenz für wichtige Agrarrohstoffe?
Die internationalen Preise für Agrarrohstoffe stehen seit dem Frühjahr 2014 unter Druck. Der FAO-Preisindex für die wichtigsten weltweit gehandelten Agrarrohstoffe fiel im August 2015 auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren. Im September und Oktober erholte sich der FAO-Index wieder etwas und kletterte gegenüber August um fast 5 Prozent nach oben. Damit lag er allerdings immer noch um rund 16 Prozent unter dem vergleichbaren Vorjahresstand. Es erholten sich insbesondere die Preise für Zucker, Milch und Pflanzenöle. Die Fleischpreise sind seit dem Frühjahr 2015 relativ stabil geblieben, während die Preise für Getreide bis August einem starken Abwärtstrend folgten, um sich danach wieder leicht zu erholen.

El Niño kann Agrarmärkte stark beeinflussen
Die Gründe für die im Oktober 2015 verzeichneten deutlichen Preissteigerungen bei Zucker, Milch und Pflanzenölen sieht die FAO mittelbar oder unmittelbar in den bereits erkennbaren bzw. befürchteten Auswirkungen des El Niño. Dabei handelt es sich um ein Wetterphänomen, das im Pazifikraum bis tief nach Afrika in einigen Regionen zu Dürren und Wassermangel und in anderen Regionen zu massiven Stürmen und dramatischen Regenfällen führt. Beides hat ein geringeres Angebot an Agrarrohstoffen und damit steigende Preise für Lebensmittel zur Folge, und zwar weltweit. Steigt die Temperatur über dem Pazifik auf 0,8 Grad über dem Normalwert, sprechen Forscher von einem heraufziehenden El Niño. Im Oktober 2015 ermittelten sie einen um 2,4 Grad höheren Wert. Am stärksten sind die Auswirkungen zur Weihnachtszeit (El Niño = Christuskind) bzw. in den Wochen und Monaten davor und danach. Die Folgen dürften jedoch bis in den Sommer 2016 spürbar sein. Landwirte in Europa, das vom El Niño kaum betroffen ist, könnten von weltweit möglicherweise steigenden Erzeugerpreisen profitieren.

Nominal steigende Agrarpreise erwartet

Unabhängig von den aktuellen Wetterbedingungen und der relativ guten Versorgung mit Agrarrohstoffen in 2014/2015 deuten die globalen Fundamentaldaten darauf hin, dass sich an einer relativ knappen globalen Versorgungssituation mit Agrarrohstoffen in den nächsten Jahren wenig ändern wird. Die FAO geht in ihren Projektionen bis zum Jahre 2024 davon aus, dass sich das globale Agrarpreisniveau tendenziell nominal erhöhen und unter Berücksichtigung der Inflation (real) leicht sinken wird. Als Gründe für die eher stabilen Aussichten werden Produktivitätszuwächse und niedrigere Gestehungskosten genannt, insbesondere infolge eines preisdämpfenden Effekts niedriger Ölpreise auf die Energie- und Düngemittelkosten. Prognostizierte niedrige Ölpreise haben allerdings auch einen produktionsdämpfenden Effekt auf Biotreibstoffe.

Globale Rohstoffmärkte zunächst weiter unter Druck
Die weltweiten Rohstoffpreise für Metalle und Energie haben sich von 2011 bis Anfang 2014 auf einem relativ hohen Niveau bewegt, ähnlich wie die globalen Preise für Nahrungsmittel, die der Entwicklung der Rohstoffpreise für Metalle und Energie folgten und mit ihnen seit Mitte 2014 deutlich rückläufig sind. Allerdings fallen ihre Preisschwankungen nicht so stark aus.

Volatilere Agrarpreise in der EU
Seit dem Abbau der EU-Agrarpreisstützung werden die heimischen Erzeugerpreise immer mehr von der Situation auf den internationalen Agrarmärkten geprägt. Infolgedessen haben sich die Preisschwankungen (Volatilitäten) an den europäischen Agrarmärkten in den letzten Jahren deutlich erhöht. Angesichts dieser zunehmenden Volatilitäten auf den Agrarrohstoffmärkten gewinnen Preisabsicherungsin-
strumente wie Warenterminmärkte für Anbieter und Nachfrager dieser Rohstoffe an Bedeutung. Landwirte sichern sich dabei vor allem über Vorkontrakte ab, denen Warentermingeschäfte des Handels zugrunde liegen.

Einfluss der Finanzmärkte auf die Agrarmärkte
Kapitalanleger suchen auch auf den Rohstoffmärkten nach rentierlichen Anlagemöglichkeiten. Begünstigt wird diese Entwicklung durch ein niedriges Zinsniveau bzw. eine lockere Geldpolitik der Notenbanken in vielen Industrieländern, die die Konjunktur ankurbeln soll. Wie zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, können spekulative „Blasen“ an den Terminmärkten („Preisübertreibungen“) in der Regel nur dann entstehen, wenn in den von Angebot und Nachfrage bestimmten Börsenplätzen Markttransparenz nicht oder nur teilweise gegeben ist. Bislang konnten derartige Marktverzerrungen an den Agrarterminmärkten aber nicht nachgewiesen werden.

Dollarkurs beflügelt den EU-Agrarexport in Drittländer
Der globale Handel mit Agrarprodukten wird nicht nur durch Angebot und Nachfrage beeinflusst. Erhebliche Bedeutung haben auch die Wechselkurse. Der internationale Rohstoffhandel wird überwiegend auf US-Dollar-Basis abgewickelt. Der seit Anfang 2014 schwächer gewordene Euro wirkt sich positiv auf die deutschen Exportgeschäfte aus, da die Unternehmen günstiger auf dem Weltmarkt anbieten können. Andererseits verteuern sich Importe von Rohstoffen und Gütern, was sich belastend auf die Produktionskosten auswirkt. Mitte November 2015 gab es für einen Euro 1,09 US-Dollar. Gegenüber Mitte November 2014 sind das rund 17 US-Cent weniger.

Enger Zusammenhang zwischen Energie- und Agrarpreisen
Die Entwicklung der Getreide-, Ölsaaten- und Zuckerpreise steht in einer Wechselbeziehung zu der kaufkräftigen Nachfrage nach Nahrungsmitteln und der Nachfrage nach Bioenergie, die wiederum vor allem vom Rohölpreis abhängt. Hohe Energiepreise stützen also die Weltagrarpreise, besonders bei Getreide, anderen pflanzlichen Rohstoffen und auch bei Holz. Niedrige Energiepreise führen zu einem Druck auf die Agrarpreise.

Nahrungsmittelmärkte an Energie-Märkte gekoppelt
Der Ausbau der Bioenergie bzw. der nachwachsenden Rohstoffe bietet den Landwirten Chancen für eine alternative Vermarktung ihrer Erzeugnisse. Die Preise am Energiemarkt bilden grundsätzlich die Preisuntergrenze für landwirtschaftliche Produkte. Durch die Koppelproduktion, z.B. bei Raps für Biodiesel und für Rapsschrot-Futtermittel, wird die Anfälligkeit der Verarbeitungskette gegen Preisschwankungen gemindert.

5 Prozent der Weltackerfläche für Biokraftstoffe
Von der gesamten weltweiten Landfläche sind 1,5 Milliarden Hektar Ackerland. 5 Prozent davon oder 77 Millionen Hektar wurden nach FAO-Schätzungen für 2015 für den Anbau von Energiepflanzen wie Getreide, Ölpflanzen und Zuckerrohr/Zuckerrüben genutzt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei der Biokraftstofferzeugung zu einem hohen Anteil pflanzliche Nebenprodukte (Getreide: circa 40 Prozent Schlempe; Raps: circa 60 Prozent Schrot) anfallen, die als Futtermittel Verwendung finden und damit die Netto-Inanspruchnahme von Flächen für Energiezwecke etwa um die Hälfte kleiner ausfallen lassen.

Wachstum vor allem bei Pflanzenöl und Zucker
Prognosen von OECD/FAO zufolge ist mit einem weiteren, begrenzten Wachstum der Biokraftstoffproduktion zu rechnen. Danach dürfte die Erzeugung von Bioethanol und Biodiesel bis 2024 auf knapp 39 Milliarden Liter Biodiesel (gegenüber 2015 + 22 Prozent) bzw. 134 Milliarden Liter Bioethanol (+ 16 Prozent) anwachsen. Produktivitätssteigerungen dürften dazu führen, dass für die Mehrerzeugung kaum zusätzliche Flächen beansprucht werden. Nicht Getreide, sondern Zucker und auch Pflanzenöle sind nach dieser Prognose die Träger des Wachstums auf den Biokraftstoffmärkten.

Zwei Drittel aller Biokraftstoffe stammen aus den USA und Brasilien
Von der globalen Biokraftstofferzeugung (Bioethanol und Biodiesel) des Jahres 2015 entfallen 41 Prozent auf die USA und 23 Prozent auf Brasilien. Auf diese beiden Länder entfallen damit zwei Drittel des globalen Energiepflanzenanbaus. Weitere 14 Prozent entfallen auf die EU und 5 Prozent auf China. Eine deutsche Besonderheit ist die mittelbare Förderung des Anbaus von Bioenergiepflanzen für Biogasanlagen durch das EEG.

8 Prozent des Weltgetreides für Biokraftstoffe
Vom Weltgetreideverbrauch werden 2015/16 voraussichtlich 157 Millionen Tonnen oder knapp 8 Prozent für Biokraftstoffe genutzt. Vom globalen Pflanzenölvorkommen fließen etwa 13 Prozent in die Biodieselherstellung. Bei Zucker dienen 19 Prozent der Welterzeugung der Ethanolherstellung. Dabei handelt es sich zu 96 Prozent um Rohrzucker. Prognosen der FAO zufolge wird der Biokraftstoffanteil von Getreide bis 2024 auf gut 7 Prozent zurückgehen, während der Anteil besonders bei Zucker ansteigen wird, und zwar von heute rund 19 Prozent auf dann 22 Prozent.

Biokraftstoffe und Spekulation verantwortlich für Hunger in der Welt?
Wissenschaftliche Analysen kommen zu dem Schluss, dass Biokraftstoffe und „Spekulation“ nicht den oft behaupteten Einfluss auf das Preisgeschehen am Weltmarkt haben. Entscheidend sind die fundamentalen Nachfragetrends bei Agrarrohstoffen. Die Agrarmärkte in den ärmeren Ländern sind oft wenig funktionsfähig. Hunger und Armut sind vor allem der abgekoppelten Preissituation in Entwicklungsländern selbst geschuldet und häufig Folge von schlechter Regierungsführung, Korruption, Bürgerkriegen, Wetterextremen, staatlicher Markteinflussnahme und unzureichenden Eigentums- und Nutzungsrechten.

Hunger auf der Welt rückläufig, aber immer noch groß
Nach einem Bericht der FAO von Mitte 2015 hungern auf der Welt etwa 795 Millionen Menschen, 98 Prozent davon leben in Entwicklungsländern. Gegenüber 1990 sind das 216 Millionen weniger hungernde Menschen, obwohl die Weltbevölkerung in der gleichen Zeit von 5,3 auf 7,3 Milliarden Menschen angewachsen ist und die landwirtschaftliche Fläche kaum zugenommen hat. Der Anteil der Menschen, die längere Zeit unter Hunger leiden, ging demnach seit Anfang der 90er Jahre von 19 Prozent auf 11 Prozent zurück. Dennoch bleibt die Zahl von Menschen, die nicht genügend Kalorien zu sich nehmen können, immer noch sehr hoch. Rund 800 Millionen unterernährten Menschen stehen 1,4 Milliarden Menschen gegenüber, die als übergewichtig gelten.

Hungerbekämpfung durch höhere Produktivität der Landwirtschaft
Als Gründe für die Verbesserung der Welternährungssituation sieht die FAO vor allem eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft und den wachsenden Handel mit Agrarprodukten. Das Wachstum der Weltwirtschaft habe dazu geführt, dass sich die Menschen mehr Lebensmittel leisten und Landwirte mehr Geld in moderne Agrartechnik investieren können. Große Fortschritte gab es insbesondere in Südostasien, Lateinamerika sowie in Teilen Afrikas. Die seit 2008 stark gestiegenen Lebensmittelpreise haben nach FAO-Angaben dazu beigetragen, dass der Hunger sinkt. Um mehr Nahrungsmittel bei geringerem Ressourcenverbrauch zu produzieren, wird eine weitere Modernisierung und Professionalisierung der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern gefordert. Gleichzeitig geht es darum, die massiven Nachernteverluste zu reduzieren und vor allem in eine bessere Lagerhaltung zu investieren. Nicht zuletzt setzt eine erfolgreiche Landwirtschaft Boden-
eigentum, Zugang zu Ausbildung, Märkten, Kapital und Betriebsmitteln ebenso voraus wie unternehmerische Freiräume und die Möglichkeit der Landwirte, sich politisch und wirtschaftlich unabhängig zu organisieren.

Europa bleibt ein global wichtiger Versorger mit Agrarrohstoffen
Der Anteil der Entwicklungs- und Schwellenländer an der Weltagrarerzeugung und am Weltagrarhandel wird nach FAO-Einschätzung künftig weiter wachsen. Für die Industrieländer wie die Länder der EU dagegen wird eine weitere, wenn auch verlangsamte Steigerung der Agrarerzeugung erwartet. Mit ihrer hohen Produktivität und Effizienz werden sie nach Prognosen der FAO weiter bedeutende Versorger der Weltagrarmärkte bleiben. Angesichts stagnierender Bevölkerung und weitgehend gesättigter Nahrungsmittelmärkte können die Produktionspotentiale der europäischen Landwirtschaft zunehmend für den Export und auch die Energieversorgung genutzt werden.

Notwendig sind weitere Produktivitätssteigerungen
Da die produktiven landwirtschaftlichen Flächen kaum zunehmen werden, sind weitere Produktivitätssteigerungen erforderlich. Diese aber haben nach Analysen der FAO in den letzten Jahren deutlich nachgelassen. Gleichzeitig ist eine effizientere Nutzung der knapper werdenden Ressource Wasser angezeigt. Die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen diese Knappheit.

Herausforderung einer effizienteren Nutzung der Ressource Wasser
Nur weniger als 1 Prozent oder 13.000 km3 sind zugängliche erneuerbare Süßwasserreserven. Der globale Wasserverbrauch wird auf etwa 4.200 km3 im Jahr geschätzt. Allerdings sind die Süßwasserressourcen auf der Erde nicht gleichmäßig verteilt. In vielen Regionen der Welt ist das nutzbare Wasser schon heute limitierend für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft und wichtiger Wirtschaftszweige wie der Landwirtschaft. Besonders verschärft sich der Wassermangel in den heutigen Trockenregionen. Weitere Regionen stehen vor der Herausforderung zunehmender Wasserknappheit.

„Wasserstress“ nimmt zu
Nach dem Weltwasserbericht 2014 der UNESCO ist der Wasserverbrauch in den vergangenen 50 Jahren etwa doppelt so schnell gestiegen wie die Weltbevölkerung. Nach dem aktuellen UNESCO-Bericht haben auf der Erde schätzungsweise 768 Millionen Menschen keinen Zugang zu guter Wasserversorgung. 2,5 Milliarden können keine geeigneten sanitären Anlagen nutzen. Der globale Bedarf an Wasser wird bis 2050 nach Einschätzung der UNESCO um gut die Hälfte ansteigen. Als Gründe dafür werden die wachsende Weltbevölkerung und verbrauchs-
intensivere Lebensstile angeführt. Schließlich kommt die UNESCO zu dem Schluss, dass bis 2050 mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung in Gebieten mit starkem Wasserstress leben werden.

Kann die Ernährung der Weltbevölkerung sichergestellt werden?
Inwieweit die Versorgung mit der globalen Nachfrage Schritt halten kann, hängt insbesondere mit dem globalen Bevölkerungswachstum zusammen. Nach neuesten Projektionen der Vereinten Nationen (UN) wird die Weltbevölkerung von derzeit 7,3 auf 9,7 Milliarden Menschen in 2050 ansteigen. Die globale Nachfrage wird ebenso durch eine höhere Kaufkraft und geänderte Ernährungsgewohnheiten geprägt. In den Schwellenländern ist mit einem weiter steigenden Konsum von höherwertigen Lebensmitteln wie Fleisch- und Milchprodukten sowie Obst und Gemüse zu rechnen. Hinzu kommt die wachsende Verwendung von Agrarrohstoffen für energetische und industrielle Zwecke.

Bislang hielt Getreideproduktion mit Bevölkerungswachstum Schritt
Die Weltgetreideproduktion (ohne Reis) ist in den letzten Jahrzehnten in etwa so stark gewachsen wie die Weltbevölkerung. Allerdings schwanken die Ernten von Jahr zu Jahr. Während sich die Anbaufläche für Weizen und Futtergetreide in den letzten 30 Jahren insgesamt nur wenig verändert hat, sind die Hektarerträge um mehr als 70 Prozent gestiegen. Etwa die Hälfte der Weltproduktion an pflanzlichen Erzeugnissen kommt durch den gezielten Einsatz von Düngemitteln zustande.