Pressemeldungen  | 18.01.2018

Rukwied: „Deutschland droht Abstieg aus Champions League in die Kreisliga“

Campaigning mit Wissenschaftskritik gefährdet Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit

„Die Bauernfamilien stellen sich ihrer Verantwortung für Nachhaltigkeit, für einen sorgfältigen und effizienten Umgang mit den natürlichen Ressourcen, für den Schutz von Nutztieren, für Natur und Umwelt sowie für gute Arbeits- und Lebensbedingungen ihrer Mitarbeiter und für die Anliegen der Verbraucher. Die zunehmenden Angstkampagnen gegen wissenschaftliche Beurteilungen über die moderne Landwirtschaft und die Leistungen der Bauernfamilien werden dazu führen, dass Deutschland von der Champions League in die Kreisklasse C absteigen wird.“ Das erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, bei der Eröffnung der Internationalen Grünen Woche 2018 in Berlin.

 

Als Beleg für diese Verantwortung nannte der Bauernpräsident exemplarisch die jüngst vorgestellte DBV-Klimastrategie mit ambitionierten Zielen zum Klimaschutz. „Die Aufgabe der Ernährungssicherung lässt nicht zu, dass die Landwirtschaft genauso behandelt wird wie andere Branchen. Sie ist aber vor allem gleichzeitig Teil der Lösung, wenn es um Erneuerbare Energien, Dekarbonisierung und CO2-Bindung geht. Bei unserer Klimastrategie geht es uns um praktikable und machbare Maßnahmen. Das ist ein nachhaltigerer Weg als die Festlegung unrealistischer Ziele, die kurz vor der geplanten Erreichung zurückgenommen werden müssen“, betonte Rukwied. Auch in der Tierhaltung stellen sich die Landwirte ihrer Verantwortung. „Die Initiative Tierwohl bezieht mittlerweile ein Viertel der in Deutschland gemästeten Schweine und etwa die Hälfte des Mastgeflügels ein. Gemeinsam mit dem Lebensmittelhandel haben wir eine flächendeckende Präsenz in der Theke realisiert. So weit ist noch kein Programm gekommen. Trotzdem werden wir die Initiative weiterentwickeln, denn hier gilt: Der Weg ist das Ziel“, erklärte Rukwied.

 

Die Liste der positiven Entwicklungen der Landwirtschaft ließe sich fortführen. Agrarumweltmaßnahmen auf jedem dritten Hektar, 1,4 Mio. Hektar ökologische Vorrangflächen, Senkung des Arzneimitteleinsatzes, Verbesserung der Effizienz von Düngung und Pflanzenschutzmitteln und vieles mehr könnten die Landwirte für sich verbuchen. Man könne trefflich über die wünschenswerte Geschwindigkeit dieser Entwicklungen streiten, aber sie seien Fakt. „Landwirtschaft ist in Bewegung! „Veränderung gestalten“ ist das Leitmotiv dazu“, so Rukwied. Landwirtschaft benötige aber auch die richtigen Rahmenbedingungen, um diese Entwicklungen weiterführen zu können. So müssten auch Politik, Gesellschaft und Verbraucher zu ihrer Verantwortung stehen. „Deutschland ist keine agrarpolitische Puppenstube, die man ohne Rücksicht auf Märkte und Nachfrage umbauen kann. Unser europäischer Binnenmarkt und immer stärker der internationale Markt setzen wirtschaftliche Realitäten, die die Politik nicht ausblenden darf,“ forderte Rukwied.

 

Die Landwirte seien bereit, jeglichem Verbraucherwunsch zu folgen. „Aber mit einer Situation, in der der Verbraucher in Umfragen eine Forderung erhebt und anschließend etwas völlig anderes kauft, können wir alle nicht vernünftig umgehen“, konstatierte Rukwied. „Vor allem brauchen wir eines: ein anderes Diskussionsklima. Die buchstäblich vergiftete Diskussion um Glyphosat hat einen neuen Negativrekord gesetzt. Es geht uns nicht um diesen Wirkstoff, sondern vielmehr um die Mechanismen, mit denen einige Kampagnen gearbeitet haben. Es geht auch um bewusst falsch wiedergegebene Ergebnisse von wissenschaftlichen Studien, um Plagiatsvorwürfe, die bei näherem Hinsehen haltlos sind“, resümierte Rukwied. „Auf anderen Feldern haben Politik und Gesellschaft den Anspruch, innovativ und wissensbasiert zu arbeiten, Deutschland fit für die Digitalisierung und die Herausforderungen der Wissensgesellschaft zu machen – für die Landwirtschaft tolerieren wir dagegen plumpe antiwissenschaftliche Ressentiments. Auf diese Weise lässt sich keine zukunftsfähige Politik gestalten.“

 

Wenn in diesen Tagen von einem „neuen Gesellschaftsvertrag“ gesprochen werde, würden die Bauernfamilien dies gern beim Wort nehmen. Glaubwürdig sei diese Idee aber nur, wenn ein ehrlicher Umgang und eine andere Diskussionskultur gewährleistet werde. Ein „Gesellschaftsvertrag“, der die Landwirtschaft nur als Gegenpol zur Umweltpolitik darstelle, als ideologische Projektionsfläche sehe oder nur als Steinbruch für die Finanzierung anderer Aufgaben wahrnehme, sei eine Mogelpackung, betonte Rukwied.