Pressemeldungen  | 26.01.2016

Bioökonomie als Schlüssel zur sicheren Welternährung?

DBV und Bioökonomierat diskutieren über die globalen Herausforderungen

Mit ihren vielfältigen Möglichkeiten kann die Bioökonomie einen wichtigen Beitrag zur Lösung globaler Probleme leisten. Darunter fallen die Gesundheit und Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung, deren nachhaltige Versorgung mit Energie, Wasser und Rohstoffen sowie der Boden-, Klima- und Umweltschutz. Die Forschungspolitik ist konsequent darauf auszurichten. Dies war das Ergebnis einer vom Bioökonomierat und Deutschen Bauernverband (DBV) durchgeführten Veranstaltung auf der Grünen Woche. 

 

In der Podiumsdiskussion mit Folkhard Isermeyer, Mitglied des Bioökonomierates und Präsident des Thünen-Institutes, Gunther Beger, Abteilungsleiter im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken wurde aber auch klar, dass die globalen Herausforderungen der Ernährungssicherung nur sektorübergreifend und gemeinsam gelöst werden können. Europas Agrarwirtschaft und -forschung kommt dabei eine zentrale Rolle zu.

 

Auch wenn sich die Zahl der hungernden Menschen auf der Welt in den letzten Jahren deutlich reduziert hat, leiden immer noch fast 800 Millionen Menschen an Hunger. Eine noch größere Zahl leidet unter Mangelernährung. Die Hungerbekämpfung bleibe auch in Zukunft das Thema Nummer Eins auf der Agenda der Weltgemeinschaft, so der entwicklungspolitische Experte Beger. Gleichzeitig steige die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen weltweit.

 

Bis 2050 wird eine Verdopplung der globalen Nachfrage nach Nahrungsmitteln erwartet, erklärte Isermeyer als Vertreter des Bioökonomierates. Erneuerbare Rohstoffe würden verstärkt in der Energiewirtschaft und der Industrie eingesetzt. Die Sicherstellung einer ausreichenden Welternährung hat aus Sicht aller Diskussionsteilnehmer zwar absolute Priorität. Aus klima- und umweltpolitischen Gründen müsse aber auch die Erzeugung von Nachwachsenden Rohstoffen für Energie- und Rohstoffzwecke weiter fest im Blick bleiben. Auf dem Weg einer Verringerung des Einsatzes fossiler Rohstoffe hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft wachse die Bedeutung der bioökonomischen Forschung und der daraus nutzbaren Innovationen. Im Mittelpunkt dabei stehe die Verbesserung der technologischen Effizienz der Erzeugung und Verarbeitung von Agrarrohstoffen. DBV-Generalsekretär Krüsken brachte es mit der Formel „aus weniger mehr machen“ auf den Punkt und forderte ebenso wie Isermeyer eine Intensivierung der Forschungsförderung. Dabei werde auch die Akzeptanz der Bevölkerung für die Forschung wichtig. Angesichts des großen Spektrums von weiteren Optimierungspotentialen zur Verbesserung der Ressourceneffizienz sei die Frage „Teller oder Tank eine Diskussion von gestern", stellte Krüsken fest. Die Zukunft gelte der interdisziplinären Bioökonomie.

 

Alle Diskussionsteilnehmer waren sich auch darin einig, dass eine Lösung des Hungerproblems vor allem in einer guten Regierungsführung und in der Beilegung von kriegerischen Auseinandersetzungen liege. Bodeneigentum, Zugang zu Ausbildung, Märkten, Kapital und Betriebsmitteln ebenso wie unternehmerische Freiräume und die Möglichkeit der Landwirte, sich politisch und wirtschaftlich unabhängig zu organisieren, seien wichtige Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Land- und Agrarwirtschaft. Das BMZ unterstützt derzeit in einer Reihe von Entwicklungsländern den Aufbau von bäuerlichen Selbsthilfeorganisationen. Auch der Deutsche Bauernverband und die Andreas Hermes Akademie bringen dabei ihr Know-how ein.

 

Bei der Bioökonomie geht es darum, biologische Ressourcen wie Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen zu entwickeln, zu produzieren, zu ver- und bearbeiten oder in irgendeiner Form zu nutzen. Sie erreicht damit eine Vielzahl von Branchen wie Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau, Fischerei und Aquakulturen, Pflanzen- und Tierzüchtung, Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sowie die Holz-, Papier-, Leder-, Textil-, Chemie- und Pharmaindustrie bis hin zu Teilen der Energiewirtschaft. Der ganzheitliche interdisziplinäre Ansatz der Bioökonomie ist ein neuer Blickwinkel, der auch in der Forschungspolitik immer mehr zum Gegenstand von Förderung wird. Der Bioökonomierat ist ein unabhängiges Beratungsgremium, das die Bundesregierung in ihrer forschungspolitischen Ausrichtung auf eine sektorübergreifende biobasierte Wirtschaft berät.