dbk-Monatsmagazin

dbk 03/11

Thema des Monats: 
"Wertvolles Land"
weitere Themen:
Flächenverbrauch: Asphalt oder Getreide?
Landwirtschaftszählung 2010
Wie geht es weiter mit der GAP?
DBV-Perspektivforum bei der BioFach
 
 
Asphalt oder Getreide
Deutsche Bauern Korrespondenz thematisiert Flächenverbrauch
 
„Das Problem ist seit Jahren bekannt – es ist Zeit zu handeln. Das allgemein anerkannte Ziel der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, den Flächenverbrauch auf täglich 30 Hektar zu reduzieren, ist in weiter Ferne. Eine Entkopplung des Flächenverbrauchs vom Wirtschaftswachstum ist bisher nicht in Sicht. Vor Ort bleibt die Reduzierung des Flächenverbrauchs ein Lippenbekenntnis, wenn ein Investor die Schaffung von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen für die Region in Aussicht stellt.“ Das kritisierte der Umweltbeauftragte des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes, Friedhelm Decker, in einem Kommentar zum Themenschwerpunkt „Flächenverbrauch - Wertvolles Land“ in der Märzausgabe der Deutschen Bauern Korrespondenz (dbk). Gesamtgesellschaftlich offenbare dieser oft gleichgültige Umgang mit der Fläche (Statistisches Bundesamt: Täglicher Flächenverbrauch auch zwischen 2006 bis 2009 94 Hektar), „dass die zukünftigen Herausforderungen der Ernährungssicherung und der stärkeren Unabhängigkeit von Öl- und Gasimporten ignoriert oder zumindest nicht ernst genommen werden“, so Decker. Der DBV-Umweltbeauftragte forderte ferner, auch alle übrigen Flächennutzungsansprüche auf den Prüfstand zu stellen. Das reiche von der stärkeren Fokussierung auf die Verwertung von Gülle in Biogasanlagen zur Vermeidung von Flächennutzungskonflikten zwischen Biomasseerzeugung und Nahrungsmittelerzeugung bis hin zu einer Abkehr vom flächenhaften Naturschutz hin zu gezielten, kooperativen und flächenschonenden Naturschutzmaßnahmen.
 
DBV-Umweltreferent Steffen Pingen verdeutlichte die Größenordnungen des Flächenverlustes, der nach den Daten des Statistischen Bundesamtes zwischen 1992 und 2009 über 780.000 Hektar betrug. Dies entspricht nach Aussage Pingens einem Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen für rund 7.400 durchschnittliche Ackerbaubetriebe mit einer Betriebsgröße von 106 Hektar. Das Produktionspotenzial dieser verloren gegangenen Flächen betrage rund 5,5 Millionen Tonnen Getreide pro Jahr und damit über 11 Prozent einer durchschnittlichen jährlichen Getreideernte in Deutschland - bei einem Durchschnittsertrag von rund 70 Doppelzentnern Getreide pro Hektar. Kritisch merkte DBV-Umweltreferent Pingen an, dass Deutschland dadurch - ohne Produktivitätssteigerungen auf der bestehenden landwirtschaftlichen Nutzfläche - abhängiger von Importen wurde und damit die Produktion ins Ausland verlagerte.
 
Ein weiterer Vergleich mache deutlich, dass der Flächenverbrauch durch Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen nach wie vor in Deutschland nicht die notwendige Aufmerksamkeit hat, so Pingen: Während die Anbaufläche in Deutschland für Silomais und andere Kulturen zur Erzeugung von Biogas in Höhe von rund 650.000 Hektar Anlass für erhebliche öffentliche Kritik sei, fehle der Aufschrei über den dauerhaften Verlust von landwirtschaftlichen Nutzflächen in einer noch größeren Dimension durch Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen.
 
Weitere Schwerpunktbeiträge befassen sich mit den Entschädigungsgrundsätzen bei Energieleitungstrassen, Branchenvereinbarungen beim Thema Bauen, der Landwirtschaftszählung und dem Strukturwandel sowie verschiedenen Möglichkeiten des Flächenmanagements.
 
 
Ausgewählte Artikel zum Download:
Von ausgewählten Artikeln der dbk-März-Ausgabe erhalten Sie hier eine Leseprobe:
 
Asphalt oder Getreide?
Und täglich grüßt das Murmeltier! Der Flächenverbrauch in Deutschland ist nach wie vor
alarmierend, und Deutschland ist weit davon entfernt, das Ziel der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie zu erreichen, den Flächenverbrauch auf täglich 30 Hektar zu reduzieren. Täglich werden fast 100 Hektar Flächen für Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen umgewidmet. Bisher fehlt immer noch eine tragfähige Strategie zur Reduzierung des Verlustes
landwirtschaftlicher Flächen durch Bebauung. Die Bundesregierung sieht – wie auch die
letzten Bundesregierungen – im Koalitionsvertrag einen Maßnahmenkatalog zur Reduzierung
des Verlustes landwirtschaftlicher Flächen vor.
 
 
Strukturwandel geht weiter
Landwirtschaftszählungen liefern eine umfassende und aktuelle Situationsaufnahme in
der Landwirtschaft und sind in der Regel sehr aufwendig. Sie finden nur etwa alle 10 Jahre
statt, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten EU und über die Initiative
der Welternährungsorganisation FAO in vielen anderen Staaten der Welt. In Deutschland
waren zur Landwirtschaftszählung im ersten Halbjahr 2010 mehr als 300.000 Landwirte
aufgerufen, über ihre Betriebe Auskunft zu geben. Sie machten unter anderem Angaben
zur Bodennutzung, Tierhaltung, Arbeitskräftestruktur und Hofnachfolge. Von knapp
80.000 Landwirten wurden darüber hinaus Angaben zur Bodenbearbeitung und Tierhaltung
erfragt. Um die Landwirte von statistischen Auskunftspflichten zu entlasten, wurden
für einen Teil die bereits in Förderanträgen und in der Rinderdatenbank gemachten Angaben
über Flächen und Tierbestände übernommen.
 
 
Landwirt und Banker:
Zukunftsorientiert zusammenarbeiten
Der landwirtschaftliche Bodenmarkt besitzt für Agrarfinanzierungen seit jeher eine
zentrale Bedeutung: Eigentumsflächen und ihre Verkehrswerte dienen zur Ableitung von
Beleihungsgrenzen aus der Sicht der Sicherheiten. Pachtflächen und ihre Preise determinieren die Beleihung aus der Sicht der Kapitaldienstfähigkeit. Wesentlich sind deren zugehörige derzeitige Niveaus und zukünftige Entwicklungen. Beide sind in erster Linie abhängig von der Art (Ackerland, Grünland etc.), Qualität (Boden, Form, Lage etc.) und vor allem von Angebot und Nachfrage an den jeweiligen Märkten. Ihre Einflüsse auf Kreditfinanzierungen im Agrarbereich sind in der Regel gegenläufig: Steigende Verkehrswerte und sinkende Pachtpreise fördern Agrarfinanzierungen – und umgekehrt, schreibt Dr. Gerd Wesselmann von der Westdeutschen Genossenschafts-Zentralbank.
 
 
Interessenten können die dbk direkt beim Deutschen Bauernverband bestellen:
Die Zeitschrift erscheint monatlich und kann gegen eine Gebühr von 35,10 Euro inklusive sieben Prozent Mehrwertsteuer abonniert werden über m.steinmetzer@bauernverband.net oder per Fax. 030-31904-431