dbk-Monatsmagazin

dbk 04/09

Thema des Monats:
Verbände und Mitglieder
weitere Themen:
Transparenzinitiative für die Agrarmärkte
Verbändelandschaft im Wandel
Nachwuchsschmieden des Ehrenamtes
DBV-Perspektivforum auf der BioFach
 
 
Produkt- und marktorientierte Arbeit weiter profilieren
Schwerpunkt „Verbände und Mitglieder“ in Deutscher Bauern Korrespondenz
 
Wenn die Agrardieselbesteuerung herunter soll oder das völlig praxisfremde Pflanzenschutzmittelpaket in Brüssel verhindert werden soll, sei die bestehende Struktur des deutschen Berufstandes von der Kreis- und Landesebene, über den Deutschen Bauern­verband (DBV) bis hin nach COPA in Brüssel dafür bestens geeignet. Das betonte der DBV-Generalsekretär Dr. Helmut Born im Schwerpunkt „Verbände und Mitglieder“ der Aprilausgabe der Deutschen Bauern Korrespondenz (dbk). Handlungsbedarf sieht Born allerdings bei den speziellen produktbezogenen Anliegen der Ackerbauern, der Milcherzeuger, der Schweinemäster oder der Obst- und Gemüseerzeuger vor Ort.
 
Seiner Ansicht nach müsse die gesamte produkt- und marktorientierte Arbeit des Berufstandes daher auf allen Ebenen an Profil gewinnen durch Weiterentwicklung der bisherigen Fachausschüsse zu eigenständig profilierten Produktgruppen. Dies beginne auf der Ebene der Kreisverbände, „die vor allem jungen, investitionswilligen Bauern Mitgestaltungsmöglichkeiten, aber auch alle Chancen der Information und der eigenen Weiterentwicklung bieten müssen“, so Born im dbk-Schwerpunkt. Außerdem bräuchten diese professionelle Zuarbeit durch vernetzte Spezialisten im Hauptamt auf Landes- und Bundesebene. Diese Spezialisten bräuchten wie die Landwirte selbst profunde und verlässliche Marktdaten, Informationen und Prognosen zum Marktgeschehen. Darin ist nach Aussage des DBV-Generalsekretärs das gegenwärtige besondere Engagement des Berufstandes für die Neugründung der Agrarmarkt-Informations-GmbH (AMI) nach Liquidation der ZMP begründet. Denn produkt- und stufenübergreifend soll die AMI verlässliche Grundlagen für eine solide Beurteilung der Produkt- und Betriebsmittelmärkte liefern, so Born.
 
In weiteren Schwerpunktartikeln erläutern der AMI-Geschäftsführer Carl von Butler und DBV-Marktreferent Dr. Frank Wetterich die Ziele der AMI als modernes Dienstleistungsunter­nehmen, das künftig für Transparenz auf den Agrarmärkten sorgen soll. Wie sich die deutsche Verbändelandschaft verändert und welchen Aufgaben sich die Verbände stellen müssen, erläutert Privatdozent für Politikwissenschaft, Dr. Christoph Stünck, Universität Siegen. Kommunikationstrainer Eberhard Breuninger beschreibt mit konkreten Beispielen unterlegt die Kunst des konstruktiven Streitens. Der Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland, Schleswig-Holstein, Erich Hinrichs, und der Geschäftsführer des Bauernverbandes Biberach-Sigmaringen, Baden-Württemberg, Egon Oehler, beschreiben eindrücklich ihre langjährigen Erfahrungen aus ihrer eigenen Verbandsarbeit. Wirtschaftspsychologe Carl Vierboom spricht im dbk-Interview über das Image der Landwirtschaft sowie Mitgliederbindung und Mitgliederwerbung.
 
 
Ausgewählte Artikel zum Download:
Von ausgewählten Artikeln der dbk-April-Ausgabe erhalten Sie hier eine Leseprobe:
 
Marktorientierung und Mitgliederbindung
Drei große Reformschritte der EU-Agrarpolitik seit 1992 wurden mit den Beschlüssen zum
Health Check im Herbst letzten Jahres noch einmal bekräftigt. Der Staat zieht sich schrittweise
auf allen Märkten aus der direkten Marktsteuerung und -verwaltung zurück, auch um
den Preis deutlich ansteigender Volatilitäten. Zum Ausgleich gewährt er den Landwirten
dafür einen durchaus beachtlichen Direktausgleich, entkoppelt von der jeweiligen Produktion
im landwirtschaftlichen Betrieb und – so wie es aussieht – halbwegs verlässlich über
einen längeren Zeitraum bis 2013. Die gerade aus deutscher Sicht überflüssigen, weil
unnötig umverteilenden erhöhten Modulationsbeträge, werden damit nicht bagatellisiert.
Die berechtigte Frage nach der Fortsetzung des Direktausgleichs über 2013 hinaus wird
ebenso wenig ausgeklammert. Gegenwärtig ist dieser Direktausgleich aber für die Bauernfamilien und ihre landwirtschaftlichen Unternehmen in Deutschland eine hochwillkommene, weil dringend notwendige staatliche Versicherungsprämie gegen äußerst wetterwendische Agrarmärkte. Zugleich ist er eine Teilkompensation für immer stringentere Auflagen im Tier-, Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz.
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Wie sich die deutsche Verbändelandschaft verändert
Züge bleiben mitten im Niemandsland stehen, weil Gleisarbeiter spontan streiken. Flüge
fallen aus, weil sich die Piloten nicht den Gehaltsverhandlungen mit dem Kabinenpersonal
anschließen wollen. Bauern kippen kübelweise Jauche vor den Regierungssitz, weil ihnen
die europäische Agrarpolitik nicht passt. Solche Szenen kennen wir alle aus Frankreich,
aus Italien oder aus Griechenland. Aber aus Deutschland? In der Bundesrepublik werden
Konflikte normalerweise hinter verschlossenen Türen verhandelt. Sicher: ein bisschen Aufstand, ein bisschen Streik dürfen schon einmal sein. Aber in der Regel sind die Verbände –
egal ob Gewerkschaften oder Unternehmensverbände – so einheitlich und zentral organisiert,
dass sie öffentliche Kraftmeierei gar nicht nötig haben. In Deutschland wird nach wie vor so selten wie in kaum einem anderen Land gestreikt, schreibt Privatdozent Dr. Christoph Strünck, Fachbereich Politikwissenschaft an der Universität Siegen.
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Herausforderungen sind Tradition
Über Jahrzehnte hinweg hat sich der Bauernverband mit seinen Untergliederungen das
Image eines überaus erfolgreichen und geschlossenen Interessenverbandes in unserer
Gesellschaft aufgebaut. Das hat ihm Bewunderung und auch Neider eingetragen. Innerverbandlich führten die Erfolge zu hoher Identifikation und auch zu kaum noch steigerungsfähigen Organisationsgraden. Sie führten aber auch zu einer extremen Erwartungshaltung. Unter sich immer schneller verändernden Rahmenbedingungen können vielfach die hochgesteckten Erwartungen kaum noch erfüllt werden, schreibt Erich Hinrichs,
Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland.
 
Ziel ist es, unentbehrlich sein
Kirchen, Gewerkschaften, Parteien und Verbände haben zunehmend alle das gleiche Problem
sinkender Mitgliederzahlen. Gegen diesen Trend, den ich „Entsolidarisierung“ nenne, gibt es
bislang kein Patentrezept. Der gesellschaftliche Wandel macht auch nicht vor dem ländlichen
Raum halt. Die Bindung an einen Verband geschieht immer seltener aus „Tradition“ oder
„weil dies so üblich ist“. Geprägt von der sich verschärfenden Bewertung von Leistung und
Gegenleistung für die persönliche Bindung an einen Verband, bedarf es zunehmender Anstrengung, den Mitgliederstand zu halten, schreibt Egon Oehler, Geschäftsführer des Bauernverbandes Biberach-Sigmaringen im Landesbauernverband in Baden-Württemberg.
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