dbk-Monatsmagazin

dbk 05/11

Thema des Monats: 
Tierschutz
weitere Themen:
Gretchenfrage der Nutztierhaltung
Bundesminister Ramsauer im Interview
Weltbauernverband gegründet
Neues Konjunkturbarometer Agrar
 
 
„Der Mainstream läuft gegen uns“
Deutsche Bauern Korrespondenz thematisiert Tierschutz
 
„Kritik an der Landwirtschaft hat es immer gegeben, aber die gegenwärtige Welle der Kritik hat eine andere Qualität, denn sie ist häufig unsachlich und verletzt mich und meine Berufskollegen in unserer Ehre als Tierhalter.“ Das sagte Franz-Josef Möllers, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, im Aktuellen Interview der Maiausgabe der Deutschen Bauern Korrespondenz (dbk), dem Monatsmagazin des DBV, die sich schwerpunktmäßig dem Tierschutz widmet. Jeder Landwirt sei auch Tierschützer. Zudem liege Tierschutz im ureigensten Interesse jeden Tierhalters, so Möllers weiter, denn wenn es den Tieren gut gehe, bringen sie auch gute Leistungen. Ganz offenkundig vollzieht sich laut Vizepräsident Möllers in der Gesellschaft ein Wandel. Dabei biete das sich wandelnde Bewusstsein vieler Bürger und deren Bedürfnis, stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden zu werden, auch Chancen. Nach Ansicht Möllers kann das für die Landwirtschaft nur heißen, die eigenen Leistungen und Forderungen besser zu kommunizieren und aktiver als bisher den Dialog mit der Gesellschaft zu suchen.
 
Keinesfalls akzeptabel seien indes neue Auflagen in der Tierhaltung, die allein dazu dienten, populistischen Forderungen entgegenzukommen. „Auch deshalb benötigen wir dringend eine Kommunikation der Wertschöpfungskette Fleisch für unsere Interessen, aber auch über alle Stufen der Lebensmittelproduktion und -verarbeitung bis hin zum Lebensmitteleinzelhandel“, mahnte Möllers. Die vielen Vorzüge moderner Fleischerzeugung müssten der Öffentlichkeit besser erläutert werden als bisher. Möllers wörtlich: „Wir müssen möglichst umgehend die Diskussion suchen und führen, da der öffentliche „Mainstream“ gegen uns läuft. Es ist besser, wenn wir reden, als dass andere über uns reden!“ Bezogen auf die gesellschaftlichen Ansprüche an eine zukunftsfähige Tierhaltung betonte Präsident Möllers, dass es in einem gemeinsamen EU-Binnenmarkt von überragender Bedeutung sei, dass vergleichbare Gesetzesstandards in der gesamten EU bestünden und auch Drittlandsimporte diese Bedingungen erfüllten.
 
In einem weiteren Schwerpunktbeitrag erläutert DBV-Pressesprecher Dr. Michael Lohse, dass Tierhalter angesichts der (ver-)öffentlichen Stimmung zum Tierschutz in deutschen Ställen, zum Fleischkonsum, zu vermeintlicher Massentierhaltung und Industrialisierung, die Öffentlichkeitsarbeit zur Tierhaltung in Deutschland umgehend verstärken müssen. Akzeptanz für die Tierhaltung werde nicht durch Schweigen oder Handeln im Nachhinein erreicht. Vielmehr sei in der Öffentlichkeitsarbeit jeder, der einen Stall hat, besonders gefordert.
 
Während Wirtschaftspsychologe Carl Vierboom im Schwerpunkt der dbk den Tierschutz und seine Emotionen beschreibt, erläutert Prof. Dr. Jörg Hartung, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, den gezielten Forschungsbedarf in der Tierhaltung, um die Lebensqualität der Tiere zu verbessern. Diese führt beim Verbraucher nach Meinung Hartungs schließlich zu breiter Akzeptanz gegenüber der Tierhaltung. Ebenso verdeutlicht Roger Fechler, Referatsleiter Tierische Erzeugnisse beim DBV, die Auswirkungen des in Gesellschaft und Politik intensiv diskutierten Themas „Tierschutz“ auf gesetzgeberische Verfahren.
 
 
Ausgewählte Artikel zum Download:
Von ausgewählten Artikeln der dbk-Mai-Ausgabe erhalten Sie hier eine Leseprobe:
 
"Der Mainstream läuft gegen uns"
Die Themen Tierhaltung und Tierschutz sind längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen.
Die Mehrzahl der Menschen hat eine Meinung dazu und fordert immer höhere
Tierschutzstandards. Gleichzeitig existiert meist nur wenig Konkretes darüber, wie genau
eine „gute“ oder gesellschaftlich erwünschte Tierhaltung aussieht. Kein Wunder, denn nur
wenige Menschen haben noch einen unmittelbaren Bezug zur Landwirtschaft oder wissen,
wie Tiere tatsächlich gehalten werden. Fest steht aber: man will eben Tierschutz. Die dbk
sprach mit DBV-Vizepräsident und Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes,
Franz-Josef Möllers, der selbst Tierhalter ist, darüber.
 
 
Forschung für eine nachhaltige Nutztierhaltung
Die Nachfrage nach Lebensmitteln tierischer Herkunft steigt seit Jahren weltweit. Nach
FAO-Angaben nahm daher die Produktion von Rind- , Geflügel- und Schweinefleisch weltweit
zwischen 1980 und 2005 von etwa 125 Millionen Tonnen auf 240 Millionen Tonnen zu
und soll bereits im Jahr 2015 etwa 300 Millionen Tonnen erreichen. Die Zuwachsraten beispielsweise
in China liegen bei 8 Prozent jährlich. Diese Produktionssteigerungen erforderten
in den letzten 30 Jahren einen grundlegenden Wandel in der Tierproduktion durch Intensivierung
und Spezialisierung der Erzeugerbetriebe, die in zahlreichen Ländern eine
hohe regionale Konzentration, wie z. B. in den Niederlanden oder dem Nordwesten Deutschlands,
aufweisen, so Prof. Dr. Jörg Hartung, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.
 
 
Alles im grünen Bereich?
Der demografische Wind pfeift uns um die Nase. Die Berufsnachwuchssicherung wird nicht
nur für den landwirtschaftlichen Berufsstand zum Problem. Verstärkt haben auch andere
Wirtschaftszweige die zunehmenden Engpässe bei der Versorgung mit betrieblichen Fachund
Führungskräften erkannt und die Gewinnung junger Menschen zu einer vorrangigen
Aufgabe erklärt. Deshalb muss sich die Landwirtschaft in den kommenden Jahren einem
verschärften Wettbewerb um die klugen Köpfe von heute für die Arbeit von morgen und
übermorgen stellen.
 
 
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