dbk-Monatsmagazin

dbk 06/12

Thema des Monats: Gerd Sonnleitner
 
weitere Themen:
  • 15 Jahre Präsidentschaft Sonnleitner
  • Gerd Sonnleitner im Interview
  • Nachgefragt: "Ein Typ, eine Marke"
  • Startschuss: Tag des offenen Hofes
 
 

 
 
Zurück zum Traumberuf Landwirt
Deutsche Bauern Korrespondenz zu 15 Jahren Präsidentschaft Gerd Sonnleitner
 
„Generell sind wir eine offenere Gesellschaft geworden, aber auch eine stärker zergliederte Gesellschaft mit sehr unterschiedlichen Ansprüchen. Damit einher gehen wachsende Ansprüche an andere und damit auch an die Landwirtschaft.“ Das beschrieb Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), im Interview mit der Deutschen Bauern Korrespondenz (dbk) als gravierende Veränderungen während seiner 15-jährigen DBV-Präsidentschaft, die das Monatsmagazin des DBV im Schwerpunkt der Juniausgabe thematisiert. Laut Sonnleitner hat dabei auch der Egoismus zugenommen: „Viele Gruppierungen sehen nur noch ihre Interessen, ohne dabei die Anliegen der anderen zu respektieren. Für die Landwirtschaft bedeutet das immer mehr Auflagen und immer mehr Verantwortung.“ Gleichzeitig sei das Wissen, wo das Essen herkomme und wie es erzeugt oder verarbeitet werde, in breiten Kreisen der Bevölkerung stark zurückgegangen. Eine besonders gravierende Veränderung habe die Agrarreform von 1992 eingeleitet. Sie habe für den entscheidenden Paradigmenwechsel hin zu einer heute marktorientierten Landwirtschaft, die im weltweiten Wettbewerb stehe, gesorgt.
Oberste Priorität habe für Sonnleitner stets die Glaubwürdigkeit gehabt. DBV-Präsident Sonnleitner wörtlich: „Es war mir daher immer ein großes Anliegen, alle Fakten, unabhängig davon ob es um eine verantwortungsvolle Produktion oder um die berufsständische Interessenvertretung geht, ebenso offensiv und überzeugt wie verständlich und sachlich darzustellen. Das gilt für alle Bereiche - Politik, Medien und Gesellschaft!“ Auch zeigte sich Sonnleitner überzeugt, dass der DBV und seine Landesbauernverbände heute stärker als jemals zuvor dastünden und sich als gute und ehrliche Begleiter beim agrarpolitischen Wechsel hin zum Wettbewerb in den Märkten bewiesen hätten.
Trotz aller Veränderungen müsse heute besonders auf die Vielfalt geachtet werden. Im Vergleich zu früher gebe es heute sehr spezialisierte Betriebe mit teilweise sehr unterschiedlichen Interessen: „Während die Ackerbauern hohe Getreidepreise wollen, fordern die Veredler günstige Futtermittelpreise. Interessenkonflikte bleiben da nicht aus“, so der DBV-Präsident. Umso wichtiger sei es daher, dass alle eingebunden würden und verdeutlicht werde, dass ein Konsens und ein Kompromiss einen Nutzen für alle generiere. Sonnleitner habe dabei stets darauf gesetzt, alle am Erfolg teilhaben zu lassen - Befürworter ebenso wie Kritiker. Auch hätten ihn insbesondere seine Erfahrungen im Ausland und mit Menschen anderer Kulturen gelehrt, „dass man voran bei emotionalen Diskussionen sensibel darauf achtet, dass man den anderen sein Gesicht wahren lässt“. Sonnleitner wörtlich im dbk-Interview: „Nur wenn das gelingt und der kollektive Nutzen für alle deutlich wird, wird der Verband auch als starke Einheit von der Politik wahrgenommen.“
Ratschläge indes wolle er weder seinem Nachfolger im Bayerischen Bauernverband noch seinem Nachfolger im DBV, der Ende Juni beim Deutschen Bauerntag in Fürstenfeldbruck gewählt wird, geben. Vielmehr rät er: „Geht euren eigenen Weg, denn jede Generation steht vor anderen und neuen Herausforderungen!“ Für Gerd Sonnleiter selbst heißt es nach 21 Jahren Präsidentschaft im Bayerischen Bauernverband und nach 15 Jahren DBV-Präsidentschaft „zurück zur Scholle und zurück in meine bayerische Heimat. Ich freue mich sehr darauf, nach vielen erfüllenden und spannenden Jahren in der Politik wieder zu meinem Traumberuf zurückzukehren.“
Weitere Autorenbeiträge, Kommentare und Statements langjähriger nationaler, europäischer und internationaler Wegbegleiter von Gerd Sonnleitner würdigen seine Zeit als DBV-Präsident und beschreiben die erfolgreiche Entwicklung der Landwirtschaft und auch des Bauernverbandes während seiner Amtszeit. Die wichtigsten agrarpolitischen Stationen seiner DBV-Präsidentschaft von 1997 bis 2012 fasst eine Chronik zusammen. Ebenso verdeutlicht ein Rückblick auf die Präsidenten des DBV seit seiner Gründung in 1948 die „eindrucksvolle Kontinuität“, wie es in diesem Artikel heißt, die Gerd Sonnleitner mit seiner 15-jährigen Amtszeit fortgeschrieben hat.
 
 
Ausgewählte Artikel zum Download:
Von ausgewählten Artikeln der dbk-Juni-Ausgabe erhalten Sie hier eine Leseprobe:
 
„Landwirt war schon immer mein Traumberuf“
Gerd Sonnleitner stand 15 Jahre an der Spitze des Deutschen Bauernverbandes und lenkte 21 Jahre die Geschicke des Bayerischen Bauernverbandes. Auch die europäische Politik hat er als Präsident und Vizepräsident von COPA über Jahre geprägt. In all diesen Funktionen hat Gerd Sonnleitner den Paradigmenwechsel von der Garantiepolitik hin zur Marktorientierung mit gestaltet und gleichermaßen vorangetrieben.
 
Erfolgsgeschichte Landwirtschaft
Die Produktivität der deutschen Landwirtschaft ist in den letzten anderthalb Jahrzehnten weiter kräftig gestiegen. Heute erzeugt ein Landwirt Nahrungsmittel in einem Umfang, um etwa 140 Mitbürger (ohne Auslandsfuttermittel) ernähren zu können. Mitte der 90er Jahre waren es noch entsprechend 104 Personen. Exporte von hoch veredelten Nahrungsmitteln und anderen Agrarrohstoffen gewinnen für die deutsche Landwirtschaft an Bedeutung.
Mittlerweile sind 26 Prozent der Verkaufserlöse der deutschen Landwirtschaft
direkt oder indirekt auf Exporte in Länder außerhalb Deutschlands zurückzuführen.
 
 
Weiterhin umsatzsteuerfrei
Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Tätigkeiten sind von der Umsatzsteuer befreit, sofern sie nur in Auslagenersatz und einer „angemessenen Entschädigung für Zeitversäumnis“ bestehen. Hintergrund ist, dass die für die Gesellschaft außerordentlich wichtige ehrenamtliche Tätigkeit nicht unnötig mit steuerlichen Pflichten und bürokratischen Hemmnissen belastet werden soll. In der Praxis äußerst problematisch war jedoch, dass die „Angemessenheit“ der Aufwandsentschädigung von den Finanzämtern vor Ort völlig uneinheitlich behandelt und sehr unterschiedliche Maßstäbe angelegt wurden.
Für (bauern)verbandsübliche Aufwandsentschädigungen gab es keinen echten Anhaltspunkt, bis zu welchem Betrag diese rechtssicher als umsatzsteuerfrei angesehen werden können.
 
Interessenten können die dbk direkt beim Deutschen Bauernverband bestellen:
Die Zeitschrift erscheint monatlich und kann gegen eine Jahresgebühr von 35,10 Euro inklusive sieben Prozent Mehrwertsteuer abonniert werden über a.koehler@bauernverband.net oder per Fax. 030-31904-431