dbk-Monatsmagazin

dbk 08/09

Thema des Monats:
"Stimmung und Aussichten"
weitere Themen:
Forderungskatalog zur Bundestagswahl
DBV-Diskussionsforen beim Bauerntag
Sieger des Berufswettbewerbs geehrt
Neues Konjunkturbarometer Agrar
 
 
„Endlich wieder wertorientierte Debatte“
Sonnleitner begrüßt Wertedebatte als Konsequenz aus der Wirtschaftskrise
 
Wenn es überhaupt eine „fruchtbare“ Konsequenz aus der Finanz- und Wirtschaftskrise gebe, dann, dass wieder über Werte gesprochen werde. Dies schrieb Gerd Sonnleitner, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), in der August-Ausgabe der Deutschen Bauern Korrespondenz (dbk), der DBV-Mitgliedszeitschrift. Seiner Ansicht nach kann man in den laufenden Debatten sehr viel von den Bauern lernen. „Wer sieht, wie Mäster und Ferkelerzeuger am Boden des Schweinzyklus nicht die Nerven verlieren, wie Ackerbauern auf den letzten Kilogramm-Ertrag verzichten, um den Boden zu schonen oder wie Milchbauern derzeit sich selbst und ihre Familien ins Geschirr nehmen, um den Betrieb durch das erbärmliche Preistal hindurchzubringen, der erlebt nachhaltiges Wirtschaften, getragen von selbstbewussten Menschen, die ihren eigenen Kopf für ihre Entscheidungen hinhalten“, so Sonnleitner wörtlich.
 
Der Bauernverband sei sich seiner sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung für die Bauern bewusst. „Uns ist jedenfalls nicht egal, ob 10.000 oder 100.000 Betriebe Milchproduktion in Deutschland betreiben“, schrieb der DBV-Präsident. Dabei müssten aber die Entscheidungen in den landwirtschaftlichen Betrieben selbst gefällt werden. „Nicht der Staat oder irgendein Verband kann auf den Märkten die Preisgestaltung übernehmen“, betonte Sonnleitner. Seiner Ansicht nach müssen sich Staat und Verband um die Rahmenbedingungen kümmern und den Ausgleich zwischen harter Marktrealität und berechtigten Existenzfragen herbeiführen. Letztendlich gehe es darum, die Stellung der Bauern im Markt zu verbessern und die Grundabsicherung über beide Säulen der EU-Agrarpolitik zu verteidigen. „Diese Kombination aus Markterlösen und direkter Einkommensförderung ist unser Weg, darauf fußt unsere verbandliche Ausrichtung“, betonte Sonnleitner in der dbk. Diese Kombination stehe für die Nachhaltigkeit der bäuerlichen Landwirtschaft und sei deshalb die Formel für eine gelebte soziale Marktwirtschaft in der Landwirtschaft.
 
 
Vermittlungsplattform für Saisonarbeitskräfte geschaffen
Arbeitgeber-Präsident im Interview mit der dbk
 
„Im Gegensatz zu den Vorjahren hat in diesem Jahr die Mehrzahl der Betriebe eine ausreichende Anzahl an osteuropäischen Saisonarbeitskräften erhalten. Die Konjunkturkrise, die Entlohnung in Deutschland, die Währungsentwicklungen und die verstärkten Bemühungen der Landwirte um Saisonarbeitskräfte haben zu dieser Entwicklung maßgeblich beigetragen." Das betonte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA), Lothar Lampe, im Gespräch mit der Deutschen Bauern Korrespondenz (dbk). „Aber aufgepasst", mahnte Lampe, „das könnte nur ein Zwischenhoch sein, da sich in Zukunft die Rahmenbedingungen wieder verändern werden".
Ab Mai 2011 gelte die Freizügigkeit für polnische und voraussichtlich ab 01. Januar 2012 auch für rumänische und bulgarische Arbeitnehmer in allen Ländern der EU. Das bedeute, es gebe in Deutschland keine Sonderregelungen für landwirtschaftliche Saisonarbeitskräfte mehr. Die Konkurrenz um Arbeitskräfte werde daher größer werden. Denn auch in Deutschland würden andere Branchen, wie zum Beispiel die Bauwirtschaft oder das Gebäudereinigungsgewerbe, versuchen, osteuropäische Arbeitskräfte für sich zu gewinnen, gab GLFA-Präsident Lampe zu bedenken. Vermutlich werde die Bundesagentur für Arbeit ihre Aktivitäten bei der Vermittlung von Saisonarbeitskräften bei Eintritt der Arbeitnehmerfreizügigkeit erheblich reduzieren, wenn nicht sogar einstellen. Daher bleibe es eine wichtige Daueraufgabe für jeden Betrieb, der Saisonarbeitskräfte einsetzt, sich selbst um seine Saisonarbeitskräfte zu kümmern, betonte Lampe gegenüber der dbk.
 
Aus diesem Grund habe der GLFA die SinD GmbH gegründet, um die Betriebe weiterhin bei der Suche nach Saisonarbeitskräften zu unterstützen. Diese Gesellschaft bietet laut Lampe Unternehmern eine kostengünstige Möglichkeit, ihren Betrieb ab dem 25. August 2009 auf einer Internetplattform – www.saisonarbeit-in-deutschland.de – in Polen, Rumänien, Bulgarien und Deutschland in der jeweiligen Landessprache mit einem Betriebsprofil und Bildern zu präsentieren. Lampe wörtlich: „Damit wollen wir die Betriebe dabei unterstützen, Saisonarbeitskräfte für sich zu gewinnen. Zudem können die Saisonarbeitskräfte unmittelbar mit den Betrieben Kontakt aufnehmen."
 
Der GLFA und der Deutsche Bauernverband (DBV) vertreten die Interessen der Betriebe, die Saisonarbeitskräfte beschäftigen. Dies betrifft die politische Vertretung sowie die Klärung arbeits- und sozialversicherungsrechtlicher Belange.
 
 
Ausgewählte Artikel zum Download:
Von ausgewählten Artikeln der dbk-August-Ausgabe erhalten Sie hier eine Leseprobe:
 
"Ist die Talsohle nun erreicht?"
Gegenwärtig geht auf unseren Betrieben wenig so richtig zusammen. Den Acker-, Obstund
Gemüsebauern verhagelt das mehr als merk- und denkwürdige Sommerwetter die Erntesituation. Die erzielten Marktpreise bei Obst, Gemüse, Raps und Getreide sind ein Albtraum, zumal die diesjährige Ernte sehr aufwendig – von den Energiepreisen bis hin zu den
Preisen für Dünge- und Pflanzenschutzmittel – finanziert werden musste. Bei den Milchbauern
sieht es keinen Deut besser aus. Sie müssen vor allem unter einer Preisschlacht der
Discounter nach unten leiden, die immer bizarrere Züge annimmt. Lediglich bei den Veredlern
– im weißen wie im roten Fleischbereich – läuft es etwas besser. Allerdings nach mehr
als schwierigen Jahren seit 2006.
 
„Wenn der Markt ruft, müssen wir schon da sein!“
Die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft muss ihr Angebot weiter bündeln und Auslandsmärkte erschließen, wenn sie sich langfristig weiter erfolgreich entwickeln will. Dabei müssen die unterschiedlichen Stufen der Wertschöpfungskette in enger Partnerschaft und auf gleicher Augenhöhe am gemeinsamen Ziel einer hohen Wertschöpfung für Lebensmittel arbeiten. Dies war ein Ergebnis des mit knapp 500 Teilnehmern besuchten Diskussionsforums „Weichen stellen auf den Märkten“ des Deutschen Bauernverbandes auf dem Deutschen Bauerntag in Stuttgart. Es wurde aber auch deutlich, dass jede Stufe in der Wertschöpfungskette zunächst ihre eigenen Weichen richtig stellen muss.
 
Hintergründe zur Lebensmittelkennzeichnung und zu Imitaten:
Original und Fälschung
In den letzten Wochen wurde vielfach über die Zulässigkeit und Kennzeichnung von sogenannten Lebensmittelimitaten berichtet. Pizzas und Brötchen ohne echten Käse, Eis mit
immer weniger Sahne, Schinken, der kein Schinken ist, verärgern Bauern und Verbraucher
zu Recht. Nachfolgend wird die Problematik marktpolitisch, lebensmittelrechtlich und aus
Verbrauchersicht beleuchtet.
 
 
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