dbk-Monatsmagazin

dbk 09/10

Thema des Monats: 
Ernte 2010 - miserables Wetter, gute Preise
weitere Themen:
Deutscher Agrarexport im Aufwind
Euro: Eine stabile Währung?
Bundeswaldgesetz novelliert
"Arbeit mit Leidenschaft" 
 
 
Nur EU und USA können aktuellen Weltbedarf versorgen
Deutsche Bauern Korrespondenz analysiert Ernte 2010
 
„Die weitere Preisentwicklung bei Getreide hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen muss sich zeigen, wie hoch der Weltbedarf sein wird, sprich ob bei diesen Preisniveaus auch weniger verbraucht werden wird. Auch ist noch ungewiss, ob Russland seinen Exportstop über Dezember hinaus beibehalten wird und wie die weitere Dollarentwicklung die Exportstärke der EU gegen die USA bestimmt.“ Das betonte Andrea Dinig, Leiterin Handel Ölsaaten im Bereich Agrarerzeugnisse der AGRAVIS Raiffeisen AG im Aktuellen Interview im Schwerpunktthema „Ernte 2010“ in der Septemberausgabe der Deutschen Bauern Korrespondenz (dbk). Sicher sei, so Dinig, dass der aktuelle Weltbedarf lediglich von zwei Anbietern versorgt werden könne. Dies seien die EU und die USA, was ein Novum zu den vergangenen Jahren sei, in denen der vordere Bedarf aus der Schwarzmeerregion versorgt wurde. Aktuell exportiere hauptsächlich Frankreich Weizen, wo die Ernte so gut wie abgeschlossen sei. Dinig weiter in der „Ernteausgabe“ der dbk: „In Deutschland besteht das Problem der unsicheren Qualitäten, welches sich auch noch eine Weile hinziehen wird. So lange der Weltbedarf lediglich von der EU und den USA gedeckt werden kann, ist von einem stabilen Preisverlauf auszugehen. Ändern kann sich die Situation dann, wenn die australische Ernte auf den Markt kommt und vor allem wenn es zu Binnenmarktausschreibungen aus der Intervention kommen sollte, was im Moment noch ungewiss ist.“ Für den weiteren Marktverlauf ist es laut Dinig wichtig, ob der Exportstop von Russland ab Januar aufgehoben oder auf die ganze Saison ausgedehnt wird.
 
Hinsichtlich der Herbstaussaat sprächen die Märkte bei den aktuellen Preisniveaus für eine Ausdehnung von Roggen, Gerste und Weizen. Raps habe Dinig zufolge zwar aktuell an Preiswürdigkeit verloren, solle aber seine Fläche aufgrund von Potenzial behalten. Allerdings seien diese Aussagen sehr theoretisch, da letztlich der Erntezeitpunkt der letzten Bestände und der Witterungsverlauf über die Möglichkeiten des Anbaues mitentscheiden würden, räumte Dinig ein.
 
Weitere Beiträge zur diesjährigen Ernte befassen sich mit der Vermarktungssituation und der Bedeutung der sorgfältigen Beobachtung des Dünger- und Pflanzenschutzmittelmarktes. Ebenso ins Visier nimmt die dbk die Nachhaltigkeitszertifizierung für Biokraftstoffe und flüssige Biomasse. Über das Schwerpunktthema „Ernte 2010“ hinaus berichten andere Autorenartikel über deutsche Agrarexporte, die Bedeutung des Euro für die Agrarwirtschaft und über die Novelle des Bundeswaldgesetzes.
 
 
Ausgewählte Artikel zum Download:
Von ausgewählten Artikeln der dbk-September-Ausgabe erhalten Sie hier eine Leseprobe:
 
Qualitätsverluste an der Tagesordnung
Die Getreideernte 2010 war für die deutschen Landwirte eine wahre Geduldsprobe. Selbst
Ende August standen noch Getreidebestände nicht nur in den Spätdruschgebieten und
Höhenlagen auf dem Halm. Zunächst waren die Monate Juni und Juli durch extrem heiße
und trockene Wochen geprägt. In dieser Zeit sorgten sich die Landwirte um eine ausreichende
Ertragsbildung, da das Getreide sehr schnell abreifte. Mit Beginn der Haupternte setzten
Anfang August deutschlandweit ergiebige Niederschläge ein. Die Ernte kam wochenlang zum
Erliegen. Auswuchs und ein deutliches Absinken der Fallzahlen waren an der Tagesordnung.
Neben Ertragseinbußen prägten daher auch Qualitätsverluste die Ernte 2010.
 
 
 
Nur noch Nischenfrucht?
Der seit vielen Jahren kontinuierliche Rückgang des Sommer- bzw. Braugerstenanbaus
speziell in Deutschland ging einher mit dem stetigen Preisverfall. Da Braugerste im Gegensatz
zu Weizen oder anderen Getreidearten ein geringes Ertragspotenzial hat und sich hinsichtlich
der Qualität auf einem Mindestlevel bewegen muss, um Preisabzüge zu vermeiden,
beschleunigte sich der Anbaurückgang zunehmend auf Grenzstandorten. Das höhere
Risiko wurde nicht über Preisaufschläge belohnt. Im Jahr 2006/07 kam es aufgrund einer
global schlechten Getreideernte zu einem großen Defizit und extremen Preissteigerungen
bei Braugerste, schreibt Leonhard Keller, BBV-Bezirkspräsident und Vorsitzender der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Qualitätsgetreide in Bayern e. V..
 
 
 
Landwirte trotzdem optimistisch
Die diesjährige Ernte wird wohl so schnell nicht in Vergessenheit geraten. Wetterextreme
jedweder Art – von extremer Trockenheit bis hin zu Dauerniederschlägen und Hochwasserereignissen - haben mit regionalen Unterschieden zu einem unbefriedigenden Vegetationsverlauf geführt und zudem die Ernte vielerorts häufig unterbrochen oder teilweise
sogar unmöglich gemacht. In einigen Regionen Deutschlands ist die Ernte bis heute noch
nicht abgeschlossen. Vor diesem Hintergrund hat die dbk bei Landwirten aus dem gesamten
Bundesgebiet nach ihrer „Erntebilanz“ gefragt.
 
 
 
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