Pressemeldungen  | 13.01.2016

DBV-Konjunkturbarometer: Weitere Eintrübung der schlechten wirtschaftlichen Lage

Investitionen der Landwirtschaft sinken auf einen neuen Tiefpunkt

Die Ergebnisse des Konjunkturbarometer Agrar des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zeigen für den Dezember 2015 eine weiter verschlechterte wirtschaftliche Stimmungslage in der deutschen Landwirtschaft. Eine angespanntere Liquiditätslage in vielen Betrieben führt zu einem weiteren drastischen Rückgang der Investitionsbereitschaft. Das für die nächsten 6 Monate geplante Investitionsvolumen mit 3,3 Milliarden Euro auf einen neuen Tiefpunkt. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum sind das 1,4 Milliarden Euro, gegenüber dem Stand von vor zwei Jahren sogar 3,0 Milliarden Euro weniger. Nur 28 Prozent der Landwirte wollen in den kommenden sechs Monaten investieren; vor einem Jahr waren es noch 34 Prozent, vor zwei Jahren 40 Prozent. Die Investitionszurückhaltung betrifft alle Betriebsformen.  
 
Innerhalb des geschrumpften Investitionsvolumens entfallen auf den Bereich Ställe und Stalltechnik 1,7 Milliarden Euro (gegenüber Vorjahr minus 0,6 Milliarden Euro, gegenüber Vorvorjahr minus 1,9 Milliarden Euro). Mit 0,9 Milliarden Euro sind die vorgesehenen Maschineninvestitionen ebenfalls rückläufig (gegenüber Vorjahr minus 0,2 Milliarden Euro). Die beabsichtigten Investitionen in die erneuerbaren Energien Biogas, Fotovoltaik und Windkraft brechen ein, und zwar von 1,0 Milliarden Euro im Vorjahr auf aktuell 0,4 Milliarden Euro. Mit geplanten 0,3 Milliarden Euro nehmen die außerlandwirtschaftlichen Investitionen im Jahresvergleich dagegen leicht zu (plus 0,1 Milliarden Euro). Dabei handelt sich es vornehmlich um Investitionen in Wohngebäude.  
 
20 Prozent der Landwirte geben an, dass die Liquiditätslage ihrer Betriebe angespannt oder sehr angespannt ist. Im September waren es noch entsprechend 18 Prozent, im Juni sogar nur 13 Prozent. Mehr als jeder vierte Futterbaubetrieb klagt über eine angespannte oder sehr angespannte Liquiditätssituation; mit 27 Prozent ist der Anteil aber auch in der Gruppe der Veredlungsbetriebe sehr hoch.
 
Aktuell ist der Konjunkturindex gegenüber der vorangegangenen Erhebung (September 2015) von 14,7 auf 11,8 Punkte weiter zurückgegangen. Von Ende 2010 bis Mitte 2014 lag dieser Wert zwischen 30 und 35 Punkten, in der Spitze sogar bei 37 Punkten. Der Indexwert fasst die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zusammen.  
 
Die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Situation hat sich im Dezember gegenüber September weiter merklich verschlechtert. Besonders ungünstig wird die Lage in den Futterbau- und Veredlungsbetrieben beurteilt. Vor allem die Preissituation auf den Märkten für Milch und Schweine hinterlässt hier deutliche Spuren. Relativ niedrige Getreidepreise drücken allerdings auch die Stimmungslage der Ackerbaubetriebe.  
 
Mit dem Wert von 3,05 (auf der Notenskala von 1 bis 5) wird die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung im Durchschnitt der Betriebe positiver beurteilt als die aktuelle Lage (3,36). Gegenüber September bleiben die Zukunftserwartungen damit unverändert auf verhaltenem Niveau. Allerdings bestehen Unterschiede zwischen den Betriebsformen. Veredlungsbetriebe sehen in den nächsten 2 bis 3 Jahren am ehesten eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation. Ein gewisser Zweckoptimismus ist dabei unverkennbar („es kann nicht schlechter werden“). Die Erwartungshaltung der Futterbaubetriebe hat sich gegenüber Herbst verschlechtert. Wenn auch mit leichtem Aufwärtstrend, so blicken die Ackerbaubetriebe besonders skeptisch in die Zukunft.
 
Niedrigere Erzeugerpreise auf wichtigen landwirtschaftlichen Märkten sind die Hauptgründe für die aktuell weiter verschlechterte Stimmungslage. Die Preise für Milch und Schweine haben den stärksten negativen Einfluss auf die aktuelle Lage. Einen belastenden, aber nicht mehr so stark negativen Einfluss schreiben die Landwirte den Pachtpreisen zu. Entlastungen sehen die Landwirte dagegen vor allem in den etwas niedrigeren Futter- und Düngemittelpreisen sowie bei den gesunkenen Treibstoffpreisen. Ungünstig werden die politischen Rahmenbedingungen beurteilt. Die nationale Agrarpolitik wird im Jahresvergleich sogar deutlich schlechter bewertet. Offensichtlich tragen die anstehende Novellierung der Dünge-Verordnung sowie die kritische öffentliche Diskussion über eine moderne Landwirtschaft derzeit zusätzlich zur Verunsicherung der Landwirte und ihrer starken Investitionszurückhaltung bei.  
 
Das Konjunktur- und Investitionsbarometer Agrar wird vierteljährlich im Auftrag des DBV, des VDMA Fachverbandes Landtechnik und der Landwirtschaftlichen Rentenbank in einer repräsentativen Umfrage ermittelt. Zur aktuellen Runde im Dezember 2015 befragte dazu das Marktforschungsinstitut Produkt + Markt rund 2.100 Landwirte und Lohnunternehmer in ganz Deutschland.