Pressemeldungen  | 12.01.2017

„Dialog statt Protest – Wir machen Euch satt 3.0“

Bauernkundgebung in Berlin und Veranstaltungen in den Regionen

„Wir sind eine Graswurzel-Initiative, haben uns über die sozialen Netzwerke kennengelernt und die Initiative ‚Frag den Landwirt‘ gegründet. Als Bauern und Bäuerinnen können wir nicht hinter der Kritik der Demonstranten von ‚Wir haben es satt‘ an der modernen Landwirtschaft anlässlich der Grünen Woche stehen. Deshalb werden wir am Samstag, 21. Januar 2017 um 9:00 Uhr, vor dem Berliner Hauptbahnhof eine Kundgebung unter dem Motto ‚Dialog statt Protest‘ durchführen.“ Dies sagte Marcus Holtkötter, Landwirt aus Altenberge, auf einer Pressekonferenz im Haus der Berliner Bundespressekonferenz. Die Organisatoren der Kundgebung verstehen ihre Veranstaltung als Gegenpol zu der Demonstration „Wir haben es satt“, die am selben Tag auch in Berlin stattfindet.

 

Holtkötter, einer der Gründer der Initiative „Frag den Landwirt“, hinter der mittlerweile rund 900 Bäuerinnen und Bauern stehen, rief zum dritten Mal seit 2015 zur Teilnahme an der Berliner Kundgebung oder an einer der zahlreichen regionalen Informationsveranstaltungen unter dem Motto „Wir machen euch satt“ am selben Tag auf. Die Protestgruppen der Aktion „Wir haben es satt“ hätten keine tragfähigen konkreten Alternativen „im Gepäck“. „Es ist auch keine Demonstration von Bauern für Bauern“, distanzierte sich Holtkötter. Häufig widersprächen sich die Demonstranten sogar in ihren Forderungen. So könne beispielsweise kein Tierhalter ernsthaft gemeinsam mit einem Tierrechtler oder Veganer gegen „irgendetwas“ protestieren, da diese die landwirtschaftliche Tierhaltung in Gänze abschaffen wollten. Ganz sicher könne aus solchen Allianzen kein tragbares Konzept für eine zukunftssichere Lebensmittel-erzeugung erwachsen.  

 

„Wir haben das Motto ‚Dialog statt Protest‘ für unsere Veranstaltung ganz bewusst gewählt. Wir nehmen die Kritikpunkte an der eigenen Wirtschaftsweise sehr ernst. Mit den Menschen, die hinter dieser Kritik stehen, aber auch mit den überwiegend interessierten und zufriedenen Verbrauchern, möchte man den Dialog beginnen, weiterführen und ausbauen“, ergänzte Nadine Henke, Tierärztin und Landwirtin aus Bruchhausen-Vilsen.

 

„Der Dialog geschieht bereits ganzjährig in unzähligen regionalen Aktionen, bei denen wir beispielsweise interessierte Menschen auf unsere Höfe einladen. Dort erklären wir, wie unsere Landwirtschaft der Garant für eine sichere Versorgung mit gesunden und gleichzeitig preiswerten Lebensmitteln ist. Diesen hohen Standard gilt es zu erhalten und weiterzuentwickeln“, führte Bernhard Barkmann, Landwirt aus Messingen (Emsland) und aktiver Blogger, aus.

 

Henke, Holtkötter und Barkmann bezeichnen sich selbst als Teil eines sehr großen Netzwerkes, zu dem die unterschiedlichsten Betriebsrichtungen zählen. Dies seien tierhaltende Betriebe, reine Ackerbaubetriebe, Gemüse- und Obstanbauer, Winzer, Schäfer oder Gärtner, biologisch oder konventionell wirtschaftende, große und kleine Betriebe. Die Agrarindustrie sei nicht der Feind dieser Betriebe, sondern Geschäftspartner. Die deutschen Landwirte würden nachhaltig wirtschaften, schon allein deshalb, um die Böden und natürlichen Ressourcen für nachfolgende Generationen zu erhalten. Die Umwelt liege der Landwirtschaft dabei ebenso am Herzen wie das Tierwohl, „denn wir lieben unsere Tiere“.

 

Die Landwirtschaft akzeptiere, dass sich die Erwartungen der Gesellschaft an eine bäuerliche Produktionsweise änderten. Die Landwirtschaft würde neue Wege aber gerne mit den Verbrauchern beschreiten. Und zwar in einer Weise, die die „Erfolgsgeschichte Landwirtschaft“ nicht zerstöre, sondern diese weiterentwickele und optimiere. Nur so könnten einerseits die Rundum-Versorgung mit sicheren Lebensmitteln und andererseits ausreichende Einkommen für die landwirtschaftlichen Familien gewährleistet werden. „Die Befürworter einer radikalen Agrarwende treiben in unseren Augen ein unverantwortliches Glücksspiel mit mehr als unsicherem Ausgang“, sagte Holtkötter.

 

„Die ‚richtigen‘ Bäuerinnen und Bauern werden Sie am 21. Januar auf dem Washingtonplatz und nicht am Potsdamer Platz treffen“, so Bernhard Barkmann. „Sie werden jedoch ohne Gummistiefel und Melkeimer kommen. Unsere jungen, gut ausgebildeten Landwirtinnen und Landwirte kommen auch nicht mit der Mistgabel, sondern mit Argumenten, mit denen sie für ihren Berufsstand und ihre eigene Zukunft werben möchten.“