Pressemeldungen  | 25.06.2015

„Eine starke Landwirtschaft braucht vielfältige Strukturen, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit“

Deutscher Bauerntag 2015 beschließt „Erfurter Erklärung“

Die Delegierten des Deutschen Bauerntages 2015 in Erfurt haben die „Erfurter Erklärung“ verabschiedet. Die Erklärung, die in eingehenden Diskussionen mit den Delegierten erarbeitet worden ist, definiert das Selbstverständnis einer nachhaltigen, bäuerlich-unternehmerischen Landwirtschaft. Das im Jahre 2011 vom Bauerntag in Koblenz beschlossene Leitbild wird damit konkretisiert und für einzelne Politikfelder umgesetzt.  
 
Die Delegierten sehen die Land-, Forst- und Agrarwirtschaft gemeinsam mit den vor- und nachgelagerten Bereichen als Schlüsselbranche der deutschen Volkswirtschaft mit zentraler Bedeutung für den ländlichen Raum. „Wir wollen, dass Deutschland eine starke Land- und Forstwirtschaft mit vielfältigen Strukturen behält, die von bäuerlichen Unternehmern getragen wird. Die Stärke der bäuerlichen Familien und ihrer Unternehmen liegt in der Ausrichtung auf Märkten, Verbrauchern sowie Nachhaltigkeit gleichermaßen in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht", so die Erklärung. Eigenverantwortung, Umsetzbarkeit und Verlässlichkeit müssten Grundsätze der Politik sein, damit die Bauernfamilien ihre Betriebe erfolgreich in die Zukunft führen können.
 
Die Erfurter Erklärung geht auf mehrere Politikbereiche ein. Für die Umweltpolitik setzt der Berufsstand auf den Vorrang des kooperativen Umwelt- und Naturschutzes und den großen Beitrag der Landwirtschaft zum Klimaschutz. Notwendig sei ein Düngerecht, das den Gewässerschutz angemessen berücksichtige, aber nicht die gute fachliche Praxis und eine bedarfsgerechte Düngung in Frage stelle. Im Sinne eines praktikableren Naturschutzes werden auch Möglichkeiten zum Erhalt des sachgerechten Pflanzenschutzes, konsequente Schritte gegen den anhaltenden Verlust landwirtschaftlich genutzter Flächen und ein „Fitness-Check“ für das Natura 2000-Regime gefordert.
 
Die Nutztierhaltung in Deutschland ist ein weiterer Schwerpunkt der Erklärung, die ein klares Bekenntnis zur Weiterentwicklung gemeinsam mit den Verbrauchern und dem Lebensmitteleinzelhandel enthält. Wenn die Tierhaltung mit hohen Standards erhalten und vorangebracht werden soll, müssen auch neue Ställe gebaut werden dürfen. Auch die weitere Verbesserung der Tiergesundheit und die Reduktion des Einsatzes von Antibiotika stehen auf dem Programm.  
 
Qualifizierter Berufsnachwuchs ist der Schlüssel zur Zukunftssicherung. Die Förderung von Junglandwirten und Nachwuchswerbung wird der Berufsstand verstärken und fordert die Politik auf, unterstützende Rahmenbedingungen sicherzustellen. Im Hinblick auf internationale Handelsabkommen besteht die Erklärung auf dem Grundsatz, dass die hohen deutschen und europäischen Standards in der Lebensmittelsicherheit sowie im Umwelt- und Tierschutz nicht durch Importe unterlaufen werden dürfen. Auch der derzeitige hohe Preisdruck, unter dem die Betriebe stehen, wird angesprochen. Die Kriseninstrumente der gemeinsamen Marktorganisation müssten konsequent genutzt, die Position der Erzeuger in der Lebensmittelkette gestärkt, eine Exportoffensive auf den Weg gebracht und eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage geschaffen werden. Eine umgehende Entbürokratisierung und Vereinfachung der GAP-Reform und eine praxisgerechte Ausgestaltung des Mindestlohns sind ebenso geboten, um Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die Betriebe zu stärken.