Pressemeldungen  | 30.06.2017

EU-Ökoverordnung: Tragbarer und entwicklungsfähiger Kompromiss

DBV-Öko-Beauftragter Bassewitz: Werden Rechtstexte weiter kritisch prüfen

„Ich bin froh, dass der Ökolandbau weiterhin auf Basis seiner Prozessregeln und nicht über die Beschaffenheit des Endprodukts definiert wird,“ sagte der Öko-Beauftragte des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Heinrich Graf von Bassewitz, anlässlich des erzielten Kompromisses zur Öko-Verordnung. „Trotz eines von Anfang an falschen Ansatzes der EU-Kommission konnte nun ein für die Praxis tragbarer und entwicklungsfähiger Kompromiss errungen werden“, bewertete Bassewitz das Ergebnis.

 

Für den DBV sei die nachhaltige Kreislaufwirtschaft das wichtigste Ziel des Ökolandbaus. „Gesonderte Rückstandswerte unerlaubter Stoffe sind endlich vom Tisch. Ökolandbau in geschlossenen Kreisläufen leistet einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und ländlicher Entwicklung. Unsere Produkte sind nachweislich weniger mit Rückständen belastet. Der Verbraucher vertraut zu recht unseren Produkten. Sonst wäre das seit Jahren anhaltende fast zehnprozentige Wachstum am Markt auch nicht zu erklären“, betonte von Bassewitz. Verbrauchervertrauen in Öko-Produkte lasse sich nicht nur am Endprodukt festmachen. Sicherheit für Landwirte und Verbraucher würden nur Kontrollen der Betriebe und der Produktion bringen. „Die Verbesserung der Nachhaltigkeit und die praktische Umsetzung der Bio-Kontrollen müssen jetzt unsere Arbeit bestimmen,“ hob von Bassewitz hervor.

 

Ein wichtiges Ergebnis des Kompromisses zur Öko-Verordnung sind auch die möglichen Ausnahmeregelungen für die Nutzung konventionellen Saatgutes und konventioneller Zuchttiere sowie die Möglichkeit, bei der Fütterung von Schweinen und Geflügel einen fünfprozentigen Anteil hochwertiges Eiweiß aus konventionellem Anbau zuzulassen. „Wie man wachsende Anteile von Öko-Produkten in der Erzeugung erreicht, hat die in Deutschland vor Jahren geschaffene interaktive Öko-Saatgutdatenbank „organicXseeds“ und die nationale Liste obligater Öko-Sorten gezeigt. Diese werden von den Öko-Bauern intensiv genutzt und sorgen in Deutschland bei den Hauptkulturen für die Verwendung von Öko-Saatgut“, stellte von Bassewitz fest. Diese positiven Erfahrungen müssten europaweit umgesetzt werden.

 

Nach der politischen Einigung beginne die Arbeit zu den Umsetzungsbestimmungen. Der Deutsche Bauernverband fordert, bei der nun anstehenden Formulierung der Rechtstexte im Detail dafür zu sorgen, dass es nicht nachträglich zu weitreichenden Haftungsimplikationen und lang anhaltenden Produktsperrungen kommen könne. „Gemeinsam haben wir einiges erreicht, viel Arbeit liegt aber noch vor uns. Wir werden darauf achten, dass die EU-Kommission nicht durch die Hintertür ihre Vorstellungen von Endproduktkontrolle und 100 Prozent Öko ohne begründete Ausnahmen durchsetzt,“ fasste Bassewitz seine Erwartungen an den weiteren Gesetzgebungsprozess zusammen.