Pressemeldungen  | 03.11.2017

Kann staatliche Mengensteuerung Preiskrisen in Agrarmärkten verhindern?

Bauernverband aktualisiert Faktencheck zur Mengensteuerung im Milchsektor

Die agrarpolitische Debatte um staatliche oder zentrale Steuerung von Erzeugungsmengen zur Verhinderung von Marktkrisen hält an. Doch eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen und die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben aufgezeigt, dass planwirtschaftliche Instrumente keineswegs geeignet sind, um Mengendruck und Preisverfall entscheidend zu beeinflussen. Daher hat der Deutsche Bauernverband (DBV) seinen Faktencheck zu diesem Thema aktualisiert, um einen Beitrag zu einer ehrlicheren öffentlichen Diskussion zu leisten.

 

Die deutschen Milchbauern hätten sich in den letzten Jahren in einem zunehmend globalisierten und liberalisierten Milchmarkt behaupten müssen. Diese Entwicklung sei von allen politischen Entscheidungsträgern in den vergangenen zwei Jahrzehnten für alle Agrarmärkte aktiv vorangetrieben worden. Folge der offenen Märkte sei unter anderem, dass staatliche Eingriffe in einzelbetriebliche Produktionsentscheidungen keine ausreichende Wirkung mehr entfalten können, so der DBV. Aus dem Faktencheck geht hervor, dass Wissenschaftler die Wirkung einer Mengensteuerung auf die Preisgestaltung selbst im unrealistischen Szenario eines vollkommen geschlossenen EU-Marktes als äußerst gering einschätzen. Die staatlichen Maßnahmen kämen zudem regelmäßig zu spät. In offenen Märkten verpufft selbst dieser geringe Effekt gänzlich. Neben der unbefriedigenden Marktwirkung schwächt eine staatliche Mengensteuerung langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Milchsektors. Eine Mengenregulierung rechtfertigt demnach nicht den hohen und teuren Aufwand einer Umsetzung und widerspricht ferner der langfristig marktorientierten Ausrichtung der EU-Agrarpolitik.

 

Statt stattlicher Mengenregulierung müssen in den globalen Milch-Produktmärkten die Preissignale frühzeitiger an die einzelnen Milchbauern weitergegeben werden. Ansonsten wird eine zeitgerechte Reaktion des Einzelnen auf die aktuelle Marktlage verhindert. Ferner besteht die Notwendigkeit für eine verbindlichere Planung von Anlieferungsmengen zwischen Molkereien und Milchbauern, wenn Milchverarbeiter dem Problem begegnen wollen, den Rohstoffzugang nicht bedarfsgerecht planen zu können.