Pressemeldungen  | 22.09.2016

Flächenschonung bei Energiewende muss das Ziel sein

Dialogforum der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft in Münster

Experten von Netzbetreibern, der Bundesnetzagentur, der Land- und Forstwirtschaft aber auch des amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes waren am Freitag, dem 16. September 2016 der Einladung der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft (DSK) nach Gut Havichhorst in Münster gefolgt.
 
Ausgelotet wurden Erfolgsaussichten für flächenschonende kooperative Lösungen beim Bau von Leitungstrassen einschließlich der erforderlichen Naturschutzkompensation. Die Tatsache, dass bei den großen Infrastrukturmaßnahmen der Energiewende die Aufwendungen für den Flächenankauf und die spätere Naturschutzkompensation gemessen an den sonstigen Aufwendungen minimal sind, dürfe nicht dazu führen, dass die Schonung der Fläche ins Hintertreffen gerate, betonte Helmut Born, geschäftsführender Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft zur Einführung des Dialogforums.
 
Zu Beginn des Forums kamen deutliche Unterschiede in der jeweiligen Zielsetzung von Netzbetreibern, Naturschützern, Land- und Forstwirten, Grundeigentümern, aber auch Vertretern des amtlichen Naturschutzes auf Bundes-, Landes- und Kreisebene zum Ausdruck. So ist die Idee der Flächenschonung beim Leitungsbau wie bei der Naturschutzkompensation bei Netzbetreibern und den Vertretern von Bundes- und Landesministerien zwar durchaus verankert. Vor Ort scheitern kooperative Lösungen mit der Land- und Forstwirtschaft aber häufig an ganz konkreten Planungsvorstellungen der von Leitungstrassen betroffenen Kommunen und Landkreise. Vor allem, wenn es darum geht, Trassenplanungen rechtzeitig hinsichtlich ihrer agrarstrukturellen Folgen mit der Land- und Forstwirtschaft zu besprechen und bei der Naturschutzkompensation bzw. der Kompensation für Eingriffe in das Landschaftsbild produktionsintegrierte Maßnahmen mit der Land- und Forstwirtschaft umzusetzen, wird immer noch häufig der Flächenkauf für Streuobstwiesen oder Aufforstungen bevorzugt. Erstaunlich ist das auch vor dem Hintergrund, dass die im Rahmen des Dialogforums von den Kulturlandschaftsstiftungen vorgestellten Kooperationen mit der Landwirtschaft breite Unterstützung gefunden haben – auch beim Naturschutz. Sowohl naturschutzfachliche Gründe, als auch Fragen der Zukunftssicherung der Landwirte sprächen also für gemeinsam getragene Lösungen.
 
In seiner Zusammenfassung der Ergebnisse des Forums forderte Dr. Born nachdrücklich die Einbeziehung der Entsiegelung von versiegelten Flächen in die Kompensation nach dem Naturschutzgesetz. Nur so sei letztendlich dem viel zu hohen Flächenverbrauch zu begegnen. Konflikte bei sich überlagernden Nutzungsansprüchen im ländlichen Raum seien nicht neu, aber die schwindende Verfügbarkeit von Flächen werde immer sichtbarer. Er forderte deshalb nachdrücklich zur Fortsetzung dieses Dialoges auf, um regional angepasste Lösungen mit der Land- und Forstwirtschaft und allen anderen Verfahrensbeteiligten im Rahmen von Trassenbauten zu finden.
 
Das Dialogforum fand im Rahmen des zehnjährigen Jubiläums der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft statt. Das Dialogforum der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft zum Thema „Flächenschonung durch Kooperation - Naturschutzkompensation und Energiewende“ führte als Redner und Diskussionsteilnehmer den Abteilungsleiter Peter Hettlich, Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, den Geschäftsführer der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft Wolfgang König, den Abteilungsleiter Genehmigungen Süd / Umweltschutz Leitungen der Amprion GmbH, Christian Trimpe sowie Uwe Radtke, Referat Umweltprüfungen der Bundesnetzagentur, und Dr. Stefan Lütkes, Leiter des Referates Naturschutz im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bauen und Reaktorsicherheit sowie Johann Prümers, Landwirt und Vorsitzender des Umweltausschusses des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, in einer intensiven Diskussion zusammen. Der geschäftsführende Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft, Dr. Helmut Born, moderierte diese Veranstaltung.