Pressemeldungen  | 04.04.2013

„Wir werden für den Agrarstandort Deutschland kämpfen“

Lebensmittelzeitung führte mit Rukwied umfangreiches Interview

„Wir werden dafür kämpfen, dass unseren Landwirten am Standort Deutschland eine gute Perspektive verbleibt“, betonte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, in einem Interview mit der Lebensmittelzeitung. Unabhängig davon, wer in der Politik das Sagen habe, müssten die Landwirte auf dem Grundrecht zur Bewirtschaftung ihrer Flächen bestehen. Auch in der modernen Landwirtschaft würde ein hohes Maß an Umwelt- und Naturschutz geleistet. „Wir wirtschaften generationenübergreifend und damit nachhaltig“, stellte Rukwied klar.
 
Seine Äußerungen über den Öko-Lifestyle seien von manchen Journalisten falsch verstanden worden. „Entgegen anderslautender Medienberichte rufe ich nicht zum Kampf gegen einen neuen Lebensstil, den Öko-Lifestyle, auf“, so der Bauernpräsident. In großen Teilen der Gesellschaft habe sich eine Veränderung vollzogen. Ernährungsgewohnheiten, Ansichten und Akzeptanz hätten sich gewandelt. Entsprechend müsse sich auch die Landwirtschaft weiterentwickeln, erklärte Rukwied. Eine Rolle rückwärts, wie sie sich manche in Politik und Gesellschaft wünschen, in Richtung von Betrieben mit drei Kühen, sieben Schweinen und einer Ziege im Stall, werde es in Deutschland aber nicht geben. Das sei „pures Wunschdenken und geht an der Realität vorbei“. Landwirtschaft sei wie andere Wirtschaftsbranchen heute auch technisch professionell, spezialisiert, arbeitsteilig und kostenorientiert, aber – als großer Unterschied – weiterhin bodenständig. Angesichts großer Herausforderungen wie der Ernährungssicherung, dem Klima- und Umweltschutz oder der Energiefrage sei die Landwirtschaft eine der Schlüsselbranchen des 21. Jahrhunderts und müsse auch als solche behandelt werden, forderte Rukwied.
 
Zu bereits abgeschlossenen und bevorstehenden bilateralen Freihandelsabkommen betonte der Bauernpräsident, dass intensivere Wirtschaftsbeziehungen in der Regel zu mehr Wirtschaftswachstum der Staaten führten. Bei den Abkommen müssten aber Benachteiligungen und Wettbewerbsdruck vermieden werden. „Jede Seite muss von einem Freihandelsabkommen profitieren“, forderte Rukwied. Wenn die Politik die Anliegen der heimischen und europäischen Landwirtschaft berücksichtige und unterstütze, könnten die Bauern ihre Stärken – Produktqualität, Infrastruktur und Ausbildung – in einem geregelten Freihandel ausspielen. In den bevorstehenden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit den USA werde nach Lage der Dinge der Einsatz von Hormonen in der Tierhaltung nicht Bestandteil der Verhandlungen sein. Solche Produktionstechniken lehnten Bauern und Verbraucher in Europa ab. Ebenso sensibel für die hiesige Gesellschaft sei die Nutzung der Grünen Gentechnik bei der Produktion von Nahrungsmitteln.