Pressemeldungen  | 05.06.2014

"Jeder muss vor seiner Tür kehren"

DBV-Vizepräsident Hilse zum Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung

„Die Verordnung von Antibiotika ist allein Sache von Ärzten, sowohl in der Human- als auch der Tiermedizin. In der Landwirtschaft werden Antibiotika nicht prophylaktisch eingesetzt, sondern ausschließlich auf Anordnung eines Tierarztes zur Behandlung kranker Tiere“, stellt Landvolkpräsident Werner Hilse, der auch Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) ist, klar. Er reagiert damit auf eine bundesweite Ärzte-Initiative, die gegen das „massive Vordringen antibiotika-resistenter Keime auch aus agrarindustriellen Tierhaltungsanlagen“ vorgehen will. Der Landvolkpräsident wehrt sich in diesem Zusammenhang zunächst gegen eine Differenzierung der Landwirtschaft in „groß“ und „klein“. Er weist weiter darauf hin, dass in der Tierhaltung fast ausschließlich Antibiotika alter Prägung eingesetzt werden, um die Wirksamkeit moderner Reserveantibiotika in der Humanmedizin nicht zu gefährden. Landwirte verhielten sich zudem deutlich problembewusster, als dies in der Öffentlichkeit häufig dargestellt werde. Hilse nennt in diesem Zusammenhang  die Wahl robuster Tierrassen sowie umfassende Hygienekonzepte für Stall und Mitarbeiter. Auch moderne Ställe würden einen sehr hohen Beitrag zur effektiven Hygiene leisten. Der Medikamenteneinsatz in der Tierhaltung werde damit auf Notfälle begrenzt. Das werde auch in den Bestandsbüchern dokumentiert, in denen jeder Landwirt den Arzneimitteleinsatz genau belegen müsse. Hilse verweist auf Studien britischer Wissenschaftler, wonach multiresistente Keime in Krankenhäusern, die in der Landwirtschaft beobachtet wurden, mit „verschwindend geringer Wahrscheinlichkeit“ für die in Krankenhäusern zu beobachtenden Probleme mit resistenten Keimen verantwortlich seien.
 
"Unsere Landwirte verhalten sich sehr problembewusst und tun alles, um Resistenzen vorzubeugen. Dazu gehört aber auch der medizinisch notwendige Einsatz von Antibiotika. Alleinige Minimierungsstrategien dagegen sind wenig zielführend“, betont Hilse. Als wenig konstruktiv wertet er daher die pauschalen und lediglich auf Mutmaßungen basierenden Vorwürfe einzelner Ärzte gegen die Landwirtschaft. Mit dem Hinweis „Jeder muss vor seiner Tür kehren“ appelliert er an das verantwortungsvolle Handeln jeder Berufsgruppe für ihren eigenen Bereich.