Natur und Umwelt

Klimaschutz durch und mit der Landwirtschaft

Die Land- und Forstwirtschaft gehört zu den sensibelsten Bereichen, die der Klimawandel in den nächsten Jahrzehnten betrifft. Experten gehen davon aus, dass die Wetterextreme zunehmen werden und eine Temperaturerhöhung für Europa eine Nordwärts-Verschiebung von Ackerkulturen zur Folge hat. In Gebieten, in denen schon heute Wasser der limitierende Faktor in der Produktion ist, werden die Auswirkungen eines Temperaturanstiegs und der Rückgang der Niederschläge in den Sommermonaten gravierend sein. Steht jedoch ausreichend Wasser zur Verfügung, können die Erträge aufgrund höherer Temperaturen und höherer CO2-Konzentrationen ansteigen. Experten erwarten auch, dass neuartige Tierseuchen, Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschädlinge aus wärmeren Gebieten der Welt nach Europa einwandern. Ein Beispiel dafür ist die Blauzungenkrankheit bei Wiederkäuern

Landwirtschaft bindet CO2 und leistet aktiven Klimaschutz
Pflanzen nutzen jährlich global 15 Prozent des gesamten Kohlendioxids in der Atmosphäre. Die Land- und Forstwirtschaft ist dabei der einzige Wirtschaftssektor, der im Rahmen der Produktion über die Photosynthese aktiv CO2 bindet – gleichzeitig wird „Sonnenenergie“ geerntet. Je nach Kulturpflanze und Ertragsniveau werden in Deutschland jährlich im Mittel 26 Tonnen CO2 je Hektar aus der Atmosphäre von den Pflanzen aufgenommen und als Kohlenstoff gebunden. Gleichzeitig wird Sauerstoff an die Umwelt abgegeben. Der gebundene Kohlenstoff wird später bei der Zersetzung der Ernterückstände oder beim Verzehr der Nahrungsmittel wieder als CO2 freigesetzt.

Landwirtschaft hält CO2 im Wirtschaftskreislauf
Nach einer Schätzung des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) werden auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche von 17 Millionen Hektar in Deutschland jährlich ca. 466 Millionen Tonnen CO2 im Kreislauf gehalten. Etwa die Hälfte des auf landwirtschaftlichen Flächen gebundenen Kohlenstoffs wird über die Ernte abgefahren (237 Mio. Tonnen CO2), der übrige Teil (229 Mio. Tonnen CO2) verbleibt auf der Fläche und wird im Wesentlichen im Rahmen des Abbaus der organischen Substanz im Boden als CO2 wieder frei. Ein geringerer Teil kann durch die Erhöhung des Humusgehaltes im Boden auf Dauer der Atmosphäre entzogen werden.  
 
Verzehr von Nahrungsmitteln ist klimaneutral  
Der Verzehr von Nahrungs- und Futtermitteln setzt CO2 frei, das zuvor bei der landwirtschaftlichen Produktion aus der Luft gebunden wurde, und ist damit als „durchlaufender Posten“ weitgehend klimaneutral bzw. nicht klimawirksam. Zudem hat die Landwirtschaft mit der Produktion von Nahrungsmitteln als Lebensgrundlage eine Sonderrolle. Emissionen in der Landwirtschaft entstehen – anders als bei anderen Wirtschaftssektoren - auf Basis von natürlichen Produktionsprozessen. Eine Einbeziehung in die allgemeine Klimapolitik ist somit nicht sinnvoll und nicht möglich. 

Anteil landwirtschaftlicher Emissionen ist klar beschrieben
Im Kyoto-Protokoll ist vorgesehen, die Treibhausgase nach international abgestimmten statistischen Methoden zu erfassen (Nationaler Inventarbericht (NIR)). Der Landwirtschaft werden Emissionen von Lachgas N2O aus der Düngung und von Methan CH4 aus der Tierhaltung zugerechnet. Entsprechend beliefen sich die direkten Emissionen aus der Landwirtschaft im Jahr 2010 geschätzt auf 72,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten und damit auf 7,5 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland (2009: 72,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente). Neben diesen direkten Emissionen werden Emissionen aus der Landnutzung bzw. Landnutzungsänderungen beziffert, im Wesentlichen aus der Moornutzung und dem Grünlandumbruch. Die Aufforstung neuer Waldflächen wird „gutgeschrieben“. Aus der Landnutzungsänderung und Moornutzung resultieren insgesamt 17 Millionen Tonnen CO2, die aber für die Erfüllung des Kyoto-Protokolls nicht berücksichtigt werden.
 
Landwirtschaft senkt Emissionen kontinuierlich 
Bei der Reduktion der direkten Emissionen wie Methan aus der Tierhaltung und von Lachgas aus der Düngung hat die Landwirtschaft große Fortschritte erzielt. Sie hatte hier 2010 im Vergleich zu 1990 eine Senkung um etwa 16 Prozent erreicht. Die Reduzierungen konnten einerseits durch eine gestiegene Effizienz bei der Düngung und der Tierhaltung sowie andererseits durch den Abbau der Rinderbestände erreicht werden.  
 
Bioenergie verbessert Klimabilanz im Energie- und Verkehrssektor
In der offiziellen Klimaberichterstattung werden die vermiedenen CO2-Emissionen aus dem Ersatz fossiler Rohstoffe durch nachwachsende Rohstoffe in den Kapiteln Verkehr, Energie und Wärme als geringere Emission verbucht, nicht aber bei der Landwirtschaft. Andererseits werden etwa Emissionen von Traktoren dem Verkehr bzw. die industrielle Herstellung von Mineraldüngern der Industrie und nicht direkt der Landwirtschaft zugeordnet.  
 
Bioenergie mit positiver Klimabilanz 
Durch den Einsatz von Bioenergie für Strom, Wärme und Kraftstoffe werden in Deutschland mittlerweile (2010) rund 64 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen vermieden. Dies entspricht fast der Menge an Klimagasen, die direkt in der Landwirtschaft (Methan, Lachgas) freigesetzt wird.  
 
Landwirtschaft setzt sich eigene Ziele im Klimaschutz
Die deutsche Landwirtschaft kann und wird ihre Emissionen in der Erzeugung von Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen weiter kontinuierlich absenken. So setzt sich die Land- und Forstwirtschaft eigene Ziele in einer Klimaschutzstrategie ohne gesetzliche Vorgaben. Danach strebt die Landwirtschaft an, ihre Emissionen an Methan und Lachgas bis 2020 um 25 Prozent, bis 2030 sogar um 30 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Ferner will die Land- und Forstwirtschaft den jährlichen CO2-Kreislauf in der Produktion bis 2030 um 15 Prozent gegenüber 2010 erhöhen.