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Recht, Steuern und Soziales

"Landwirtschaft entlohnen"

Vizepräsident Hilse beim Berliner Forum 2016

Ausreichende Information über Lebensmittel ist nicht allein eine staatliche Aufgabe, sondern muss in gemeinsamer Verantwortung wahrgenommen werden. Von der Lebensmittelwirtschaft bis hin zum selbstverantwortlichen Verbraucher sind alle Beteiligten gefordert. Zu diesem Ergebnis kam das 8. Berliner Forum, das am Dienstag, dem 27. September 2016 stattfand.
 
 
Jährlich laden der Deutsche Bauernverband, die Deutsche Gesellschaft für Agrarrecht und die Edmund Rehwinkel-Stiftung zu einem rechtspolitischen Gedankenaustausch zu aktuellen Themen aus der Land- und Ernährungswirtschaft in die Hauptstadt ein. Bei der gestrigen Veranstaltung diskutierten die Teilnehmer mit hochkarätigen Sachkennern die spannende Frage, inwieweit die Schutzpflicht des Staates als Rechtsgrund für die Lebensmittelkennzeichnung und die gesellschaftlichen Erwartungen deckungsgleich sind oder voneinander abweichen.
 
 

Werner Hilse, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, betonte das hohe Interesse der Landwirtschaft daran, dass die Verbraucher auf verständliche Art und Weise darüber informiert werden, wo und wie Lebensmittel erzeugt werden. Am Beispiel der Herkunftsinformation verdeutlichte er die mit einer umfassenden Kennzeichnung verbundenen Schwierigkeiten: Mit zunehmender Spezialisierung und Verarbeitung stoßen Kennzeichnungselemente an die Grenze der Nämlichkeit. So konsumiere ein großer Teil der deutschen Verbraucherschaft mittlerweile nur noch die Premiumteile vom Tier, wie z.B. das Filet. Für andere Teile bestehe aus dem Ausland Nachfrage.
 
 
 
Wieder andere gingen in die Verarbeitung. Eine Herkunftszuordnung der einzelnen Fleischkomponenten werde dadurch nahezu unmöglich. Daneben zeigte Hilse die Intention der Tierwohlinitiative auf. Weil das Labeling sich in der Fleischvermarktung nicht durchsetzen konnte, beschritten die Verantwortlichen aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel den Weg, eine tiergerechte Fleischerzeugung ins Zentrum des Handelns aller Beteiligten zu rücken. Es sei gelungen, diesen Gedanken in die Breite zu tragen. Zusammenfassend betonte Hilse: „Die Landwirtschaft ist zu vielem bereit, allerdings muss sie auch für die mit der Umsetzung der Verbraucherwünsche verbundenen Kosten entlohnt werden“.