Pressemeldungen  | 23.02.2016

Marktakteure in der Verantwortung

DBV bezieht Stellung zu Vorschlägen von Landespolitikern der CDU und der Grünen

Der Vizepräsident und Milchbauernpräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Udo Folgart, begrüßt die Initiative von CDU-Agrarpolitikern zur Bündelung des Angebotes von Milchprodukten: „Um bessere Milchpreise im Markt zu erzielen, benötigen wir neue Konzepte, mit denen unsere Molkereien ihre Verhandlungsposition gegenüber den Konzernen des Lebensmitteleinzelhandels stärken können.“ Der DBV appellierte wiederholt für eine Anpassung der Vermarkungsstrukturen auf der Seite der Molkereien, damit diese dem Lebensmitteleinzelhandel als gleichwertiger Verhandlungspartner begegnen können. Die Agrarsprecher der CDU-Fraktionen aus sieben Landtagen sprachen sich in einer gemeinsamen Erklärung für die Errichtung von Vermarktungsplattformen aus. Ziel sei es demnach, die Verhandlungsmacht des Milchsektors gegenüber dem Handel zu stärken, um so faire Erzeugerpreise für die Milchbauern zu erreichen.

 

Nach Ansicht des DBV können solche politischen Initiativen allerdings nur eine begrenzte Wirkung entfalten, wenn nicht die deutschen Molkereien entsprechend aktiv werden. „Die bestehenden Strukturen der Molkereiwirtschaft sind nicht ausreichend, um in den Preisrunden mit dem Einzelhandel auf Augenhöhe zu agieren“, betonte Folgart. Dies werde regelmäßig bestätigt, wenn sich eine Vielzahl von Molkereien bei austauschbaren Produkten gegenseitig preislich unterbietet. Der DBV fordert daher die deutschen Molkereien dazu auf, angesichts der politischen Initiative die Gestaltungsräume des Wettbewerbsrechts zu nutzen, um Kooperationen, Fusionen oder Kontorbildungen auf den Weg zu bringen.

 

Gestaltung von Liefer- und Vertragsbeziehungen ist Sache der Marktpartner

Ebenfalls sind es die Milchbauern und ihre Milchverarbeiter, die untereinander Vereinbarungen treffen müssen, auch zu den jeweiligen Produktionsumfängen. „Richtig ist, dass nach Auslaufen der Milchquote die Marktpartner, also Landwirte und Molkereien, intelligentere Vereinbarungen zu Anlieferungsmengen und Preisen finden müssen“, so DBV-Vizepräsident Folgart zum Vorschlag aus den Agrarministerien unter Führung von Politikern der Grünen: „Trotz anstehender Landtagswahlen sollten Politiker jedoch nicht den Eindruck erwecken, mit vermeintlich einfachen Lösungen die derzeitige Marktlage beenden zu können. Dafür sind die Gründe für die Marktkrise zu vielfältig und die Verflechtung in internationale Märkte zu groß.“
 

Die grünen Länderagrarminister haben in einem öffentlichen Brief Bundesagrarminister Schmidt dazu aufgefordert, Milchviehbetrieben einen zusätzlichen Bonus zu gewähren, wenn sie ihre Produktion begrenzen. Umgesetzt und begleitet werden soll die Maßnahme durch Molkereien, die gemäß den Vorschlägen ebenfalls Bonuszahlungen leisten müssten. „Keinesfalls darf die Liquidität der Betriebe dadurch belastet werden, dass der Vermarktungskette Wertschöpfung entzogen wird, mit der Umschichtungen zwischen verschiedenen Gruppen von Erzeugerbetrieben finanziert werden. Das wäre unverantwortlich", so Folgart.

 

Aus Sicht des Deutschen Bauernverbandes müssen auch öffentliche Finanzmittel effektiver eingesetzt werden. Beispiele im internationalen Umfeld zeigen, dass auch ohne Beeinflussung des Staates kurzfristige Lösungen möglich sind. Neben der Entscheidung des genossenschaftlichen Unternehmens FrieslandCampina zu Beginn des Jahres, gibt es weitere längerfristige gültige Vereinbarungen zum Beispiel auch bei genossenschaftlichen Molkereien in Irland, Frankreich, Großbritannien oder Neuseeland. Hierbei muss hervorgehoben werden, dass keine dieser Vereinbarungen dazu geeignet ist, den nationalen oder europäischen Milchpreis vom Weltmarktpreis abzukoppeln. Eine Preiswirkung der Produktionsreduktion, die selbst in einem geschlossenen Markt nur eine äußerst geringe Wirkung entfaltet, verpufft in zunehmend globalen Märkten völlig. Dies hat im vergangenen Jahr auch die Expertise im Auftrag der grünen Länderagrarminister bestätigt, welche vom Institut für Ernährungswirtschaft Kiel erstellt wurde.