Pressemeldungen  | 14.01.2016

Marktlage zeigt Schwachstellen in der Vermarktung auf

Rukwied: Gemeinsame Agrarpolitik darf wirtschaftliche Nachhaltigkeit nicht aus dem Blick verlieren

„Die wirtschaftliche Situation der Landwirte ist besorgniserregend und zeigt Handlungsbedarf bei unseren Vermarktungsstrukturen auf“, stellte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, bei der Fragestunde des Verbandes Deutscher Agrarjournalisten anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin fest.
 
Rukwied forderte die Verarbeiter von Milch und Fleisch auf, ihrer Verantwortung gegenüber der heimischen Landwirtschaft gerecht zu werden. „Die Erzeugerpreise, die die Landwirte für ihre Produkte bekommen, sind 2015 deutlich gesunken. Gleichzeitig sind die Preise vieler Produkte für die Verbraucher gestiegen. Daran wird deutlich, dass die aktuelle Preiskrise einseitig zu Lasten der Landwirte geht. Das ist ein untragbarer Zustand“, erklärte Rukwied. „Die Unterschiede beispielsweise im Milchauszahlungspreis zwischen Molkereien oder zu europäischen Nachbarländern haben auch etwas mit Vermarktungsleistung zu tun. Hier liegt noch ungenutztes Potenzial, die Verarbeiter müssen ihre Marktposition verbessern“, urteilte der Bauernpräsident.
 
Der Markt steckt auch den Rahmen ab, an dem sich die Weiterentwicklung der gemeinsamen Agrarpolitik orientieren muss. „Die Landwirte erwarten Verlässlichkeit und Stabilität in der Agrarpolitik. Das Projekt Bürokratieabbau muss aber sofort angegangen werden“, forderte Rukwied. „Auch nach 2020 muss die EU-Agrarpolitik eine sinnvolle Balance zwischen unternehmerischem Freiraum und der Sicherung wirtschaftlicher Nachhaltigkeit für die Landwirtschaft finden“, betonte er. Auf keinen Fall dürfe es zu einer Re-Nationalisierung kommen. Neue Herausforderungen und Politikziele wie der Klimaschutz, eine verbesserte Öko-Effizienz, die Förderung von Forschung und Investitionen oder gesellschaftliche Anliegen wie die Weiterentwicklung der Tierhaltung dürften nicht den einzelnen Mitgliedstaaten überlassen bleiben, sondern müssen Bestandteil gemeinsamer europäischer Politik werden. „Schließlich muss das Agrarbudget analog zum EU-Haushalt wachsen“, forderte Rukwied. Für den Bauernverband bleibe der Erhalt der flächendeckenden Landwirtschaft auch für das dritte Jahrzehnt dieses Jahrhunderts ein wichtiges Ziel. Das werde durch die Fortführung einer einheitlichen Flächenprämie ermöglicht, die eine wichtige Kompensation für die gegenüber dem Weltmarktniveau höheren europäischen Standards darstelle.
 
Politik und Ernährungswirtschaft seien zudem aufgefordert, eine aktivere Exportstrategie zu betreiben und sich noch stärker als bisher auf die Märkte zu konzentrieren, die mehr Wertschöpfung brächten. Über die aktuelle Krise hinaus sind von Politik und Ernährungswirtschaft auch Veränderungen und eine höhere Wertschätzung für die Leistungen der Bauern und die Nahrungsmittel notwendig. So werde von der Politik ein klares Bekenntnis zur modernen Landwirtschaft am Standort Deutschland erwartet, erklärte Rukwied.