Pressemeldungen  | 15.02.2017

Staatliche Vorgaben für Lieferbeziehungen im Milchsektor nicht wünschenswert

Professor Sebastian Hess präsentiert Ergebnisse beim Parlamentarischen Milchfrühstück

„Die Gestaltung der Lieferbeziehungen im Milchsektor kann durch staatliche oder allgemeinverbindliche Vorgaben nicht zu befriedigenden Ergebnissen führen.“ Dieses Ergebnis hielt DBV-Milchbauernpräsident Karsten Schmal heute in Berlin nach einem Parlamentarischen Milchfrühstück mit Bundestagsabgeordneten und Vertretern aus Bundes- und Landesagrarministerien, zu dem der Deutsche Bauernverband (DBV), der Deutsche Raiffeisenverband sowie der Genossenschaftsverband eingeladen hatten, fest. „Es muss vielmehr im ureigenen Interesse des deutschen Milchsektors sein, selber marktgerechte Vereinbarungen zwischen Landwirten und Molkereien zu treffen, die dem heterogenen Meinungsbild unter den Landwirten aber auch den Molkereien gerecht wird,“ ergänzte Schmal.

 

Professor Sebastian Hess von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel stellte heute vor Abgeordneten aller Bundestagsfraktionen sowie Bundes- und Landesagrarministerien Ergebnisse einer Umfrage unter deutschen Milchbauern zur Gestaltung der Lieferbeziehungen vor. Es ist festzustellen, dass die typischen genossenschaftlichen Lieferbeziehungen im deutschen Milchsektor grundsätzlich eine breite Akzeptanz unter den Landwirten erfahren, jedoch in einigen Bereichen Anpassungsbedarf von den Milchbauern gesehen wird. Kleinere, mittlere und Wachstumsbetriebe erkennen in der derzeit vorherrschenden Gestaltung der genossenschaftlichen Liefermodelle durchaus Vorteile. Größere Betriebe hingegen würden in vielen Fällen eine alternative Gestaltung der Lieferbeziehungen bevorzugen.

 

Die Vertreter vom Deutschen Raiffeisenverband und des Genossenschaftsverbandes verwiesen darauf, dass sich die Molkereigenossenschaften den Herausforderungen des volatilen Milchmarktes stellen und dabei auch die Ausgestaltung der Lieferbeziehungen und Möglichkeiten der Preisabsicherung mit ihren Mitgliedern diskutieren. Dabei gilt es, unterschiedliche Erwartungen der Mitglieder in den demokratischen Entscheidungsprozessen zum Ausgleich zu bringen.

 

DBV-Milchbauernpräsident Schmal zog folgendes Fazit aus der Veranstaltung: „Es bedarf künftig einer besseren Abstimmung zwischen Landwirten und Molkereien zu Mengen, Preisen und Laufzeit dieser Übereinkünfte. Landwirte sollten praktikable Möglichkeiten zur Preisabsicherung erhalten. Molkereien benötigen auf der anderen Seite eine verlässlichere Basis über die künftigen Anlieferungsmengen. Darüber hinaus sollten Preissignale des Weltmarktes früher beim Landwirt ankommen. Wir sehen uns als Bauernverband durch die Untersuchungsergebnisse von Professor Hess dementsprechend in unserer bisherigen Positionierung bestätigt.“