Pressemeldungen  | 23.11.2016

Milchsektor für die Zukunft wappnen

DBV-Fachausschuss Milch fordert zur Krisenprävention auf

Politik und Molkereien sind trotz der sich aktuell abzeichnenden Markterholung weiterhin gefordert, den deutschen Milchsektor gegen künftige Marktkrisen zu wappnen. Das ist die Forderung des DBV-Fachausschusses Milch, der in dieser Woche erstmalig unter Vorsitz von Karsten Schmal tagte, wie der Deutsche Bauernverband (DBV) mitteilt. Milchbauern hätten im Jahr 2016 deutlich zu spüren bekommen, dass die politischen Rahmenbedingungen sowie die Lieferbeziehungen zwischen den Landwirten und ihren Molkereien den Herausforderungen starker Marktschwankungen in zunehmend liberalisierten Milchmärkten nicht gerecht werden.

 

Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) prognostiziert Erzeugerpreise von durchschnittlich 31,5 Ct/kg zum Jahresende. Das sind rund 8 Ct/kg mehr als die katastrophalen Preise im Sommer 2016. Dieses Preisniveau reicht jedoch nicht annähernd aus, um die Verluste der vergangenen Monate auszugleichen. Die Gründe für die derzeitige Markterholung lägen insbesondere in einer anziehenden globalen Nachfrage nach Milchprodukten sowie der Reaktion der Milchbauern auf die äußerst niedrigen Preise: Bereits seit Ende Mai produzieren die deutschen Landwirte weniger Milch als noch vor einem Jahr. In den vergangenen Monaten lag die Produktion durchgehend ca. fünf Prozent unter dem Vorjahresniveau.

 

Eine Wirkung der EU-Beihilfe auf die Milchproduktion lässt sich auf Grund der großen Mitnahmeeffekte derzeit nicht erkennen. Es bestätigen sich außerdem die Aussagen des Informations- und Forschungszentrums für Ernährungswirtschaft Kiel: Anhand von Indikatoren oder Meinungen lassen sich Marktkrisen nicht vorhersagen. Staatliche Eingriffe in den Markt erfolgen somit nur in den seltensten Fällen zum richtigen Zeitpunkt. Dafür sind die Marktgeschehnisse zu komplex. Diese Expertise wurde 2015 im Auftrag der grünen Länderagrarminister erstellt. Die Aussagen bedeuten auch, dass weitere Verzögerungen der nationalen Umsetzung des EU-Hilfspaketes die finanzielle Vergütung von Produktionsdisziplin gänzlich zur Farce verkommen lassen könnten.

 

Die Milchpräsidenten der Landesbauernverbände sehen jedoch nicht nur die staatlichen Institutionen in der Pflicht, besser mit Marktkrisen umzugehen. Auch die Molkereien sind gefordert, über eine modernere und marktorientierte Gestaltung der Lieferbeziehungen flexibler auf aktuelle Marktgeschehnisse reagieren zu können. Einzelne Molkereien seien bereits aktiv geworden, weitere werden in naher Zukunft folgen müssen.

 
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