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Haltung von Milchkühen
Behauptet wird, dass Milchkühe in Deutschland nicht tiergerecht gehalten werden und Anbindehaltung immer noch weit verbreitet ist.

Tatsache ist, dass die Haltungsbedingungen von Milchkühen immer stärker an den Bedürfnisse der Tiere ausgerichtet werden.

Fakten: 
  • Die Haltung von Milchkühen in Deutschland orientiert sich zunehmend an den Grundbedürfnissen der Tiere. Das wird erreicht durch „Kuhkomfort“ im Stall, modernes Herdenmanagement, die Förderung der Tiergesundheit sowie die Fokussierung auf die Fitness der Tiere bei der Züchtung.
  • Konkret heißt das, dass inzwischen fast drei Viertel der Rinder in Deutschland in offenen Boxenlaufställen gehalten werden. Dort können sich die Kühe in einer licht- und luftdurchfluteten Atmosphäre frei bewegen und ihr natürliches Herdenverhalten ausleben. Planung und Bau von modernen Laufställen erfolgen heutzutage unter der Prämisse, die Vorteile einer Weide in den Stall zu holen und die Nachteile draußen zu lassen. „Kuhkomfort“ ist ein gängiger Fachbegriff unter Architekten, Stallausrüstern und Milchviehhaltern.


  • Rund die Hälfte der Milchkühe in Deutschland haben Weidegang. Dabei spielen neben den Bedingungen der einzelnen Betriebe auch die gegebenen Naturräume vor Ort und das Klima eine Rolle. Beispielsweise ist eine Beweidung an Standorten mit Staunässe sowie in Ortschaften nicht möglich. Wichtig ist auch zu wissen, dass sich Kühe bei hohen Temperaturen, Frost und Regen lieber im Stall als auf der Weide aufhalten.
  • Deutsche Landwirte beachten eine Reihe an Vorschriften, die eine tiergerechte Haltung auf höchstem internationalen Niveau gewährleisten. Dazu gehören Regelungen zur Nutztierhaltung, zum Tierschutz, im Hygiene- sowie im ökologischen Bereich. Zudem entwickelt die deutsche Milchwirtschaft das Qualitätsprogramm QM-Milch stetig weiter, an dem die Mehrheit der deutschen Milchviehhalter teilnimmt.
  • Die Anbindehaltung, die in früheren Zeiten in vielen Betrieben die Regel war, geht im Zuge des Generationswechsels und Strukturwandels deutlich zurück. Allein in den letzten fünfzehn Jahren hat sich die Anzahl der Anbindehaltungen in den Betrieben, die an der Milchleistungsprüfung teilnehmen, um rund 75 Prozent reduziert.


  • Heutzutage werden noch rund ein Viertel der Milchkühe überwiegend in kleinstrukturierten Regionen im Süden Deutschlands in Anbindehaltung gehalten. Der Deutsche Bauernverband geht davon aus, dass in einigen Jahrzehnten die Anbindehaltung de facto keine Rolle mehr spielen wird.
  • Eine forcierte Reduzierung der Anbindehaltung wird dazu führen, dass ein Großteil der Betriebe, die im Schnitt 20 Kühe halten, die Milchproduktion aufgeben muss. Eine Alternative wäre massiv zu investieren, um zum Beispiel auf eine Laufstallhaltung umstellen zu können. Dies bestätigt der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik des BMEL. Veränderungen sind folglich nur möglich, wenn diese stärker gefördert werden.
  • Die deutschen Landwirte haben nach Ergebnissen des Konjunkturbarometers Agrar in den letzten Jahren jährlich zwischen 3 und 4 Milliarden Euro in den Um- bzw. Neubau von Boxenlaufställen sowie moderne Stalltechnik investiert.
  • Die deutschen Milchbauern stellen sich den gesellschaftspolitischen Anforderungen und der Debatte zum Tierwohl. Die Umsetzung von Maßnahmen, die über die gesetzlichen Regelungen hinausgehen, muss sich letztlich auch im Erzeugerpreis widerspiegeln. Eine durch zu hohen Auflagen verursachte Verlagerung der Milcherzeugung ins Ausland wird den Zielen eines hohen Tierschutzniveaus nicht gerecht.