Pressemeldungen  | 03.12.2015

„Nachhaltige Landwirtschaft ist der Schlüssel der Welternährung“

Bernhard Conzen diskutiert für DBV auf dem 8. Deutschen Nachhaltigkeitstag

„Nur mit einer nachhaltigen Landwirtschaft gelingt es, Hunger und Unterernährung zu beseitigen und die Armut zu bekämpfen. Das Ziel ist, die Produktivität nach dem Prinzip mehr ernten mit weniger und gezielterem Einsatz an Betriebsmitteln zu verbessern.“ Dies erklärte Bernhard Conzen, Mitglied des Präsidiums des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes in einer Podiumsdiskussion auf dem 8. Deutschen Nachhaltigkeitstag in Düsseldorf (27.11.2015). Die Landwirtschaft müsse der weltweit steigenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln und Biomasse als nachwachsender Rohstoff mit einer Verbesserung der Produktivität auf der Grundlage der Nachhaltigkeit begegnen. Bodenfruchtbarkeit und Schutz von Umwelt und Gewässern einschließlich des Grundwassers umfassten eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Landbewirtschaftung. Conzen zeigte auf, wie die Landwirte die Stickstoff-Düngung heute pflanzen- und standortgerecht ausbringen würden. Eine zukunftsorientierte Landwirtschaft nutze den ackerbaulichen, technischen und züchterischen Fortschritt, um Nitrateinträge in das Grundwasser soweit möglich zu vermeiden. Zu berücksichtigen sei aber, dass Gewässerbelastungen aus früheren Jahrzehnten häufig erst heute sichtbar werden.
 
Im UN-Jahr des Bodens sei festzustellen, dass weltweit Wüstenbildung, Degradierung und Versalzung unsere Böden gefährden würden. Demgegenüber habe Deutschland gute und fruchtbare Böden und sei auch durch das Klima sehr begünstigt. Dies rechtfertige jedoch nicht, dass die Forschung über die Böden und die Bodenfruchtbarkeit in Deutschland zurückgedrängt werde und Datenerhebungen über den Zustand der Böden fehlen würden. „Wir benötigen ein repräsentatives Boden-Monitoring“, forderte Conzen. Verdichtung, Erosion und Rückgang der organischen Substanz seien in Deutschland nur von regionaler Bedeutung, zudem würden die Landwirte mit verschiedenen ackerbaulichen Maßnahmen verhindern, dass ihre wichtigste Produktionsgrundlage gefährdet werde.  
 
„Doch unser größtes und ungelöstes Problem für den Schutz der Böden ist nach wie vor der Flächenfraß durch Siedlungen und Verkehrsmaßnahmen“, stellte Conzen fest. Seit 1992 hätte die Landwirtschaft in Deutschland fast 900.000 Hektar fruchtbaren Acker- und Grünlandes verloren, den größten Teil durch Versiegelung. „Die Politik darf sich nicht länger vor einem gesetzlichen Erhaltungsgebot für landwirtschaftliche Flächen drücken. Die Diskussionen über virtuelle Landnutzung sollte nicht davon ablenken, dass wir die Verantwortung haben, landwirtschaftliche Fläche produktiv zu nutzen und sie vor Inanspruchnahme durch Bebauung zu schützen“, betonte Conzen. 73 Hektar pro Tag durch Flächenfraß zu verlieren, wodurch im Schnitt rund 9 Betrieben pro Woche die Tätigkeitsgrundlage abhanden komme, sei nicht länger tragbar. Alle Ansprüche der Flächennutzung müssten auf den Prüfstand, da der Boden nicht vermehrbar sei. Die Landwirte, so Conzen, dürften von der Politik nicht mit den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zielkonflikten allein gelassen werden.