Pressemeldungen  | 20.05.2015

Naturschutz nicht gegen Bürger und Landwirte betreiben

Bauernverband kritisiert Artenschutzreport des Bundesamtes für Naturschutz

Heute wirtschaften die Landwirte nachhaltiger und können die Ernährung der Weltbevölkerung besser sichern als noch vor 150 Jahren, erklärte der Deutsche Bauernverband (DBV) anlässlich der Vorstellung des ersten Artenschutzreports des Bundesamtes für Naturschutz. Keine Form einer auf Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit ausgerichtete Landwirtschaft könne die Artenvielfalt des 19. Jahrhunderts gewährleisten, die häufig vom Naturschutz als Maßstab herangezogen wird. Damals war die Vielfalt der Arten durch Übernutzung und Degradation der Böden als Folge einer nicht nachhaltigen Landbewirtschaftung entstanden.  
 
Das Bundesamt dürfe den anhaltenden Flächenverlust der Landwirtschaft nicht ignorieren, der das eigentliche Problem darstellt. In Deutschland sind in den letzten 20 Jahren über 860.000 Hektar Fläche durch Siedlungen und Verkehr verloren gegangen. Verschärfte Flächenkonkurrenz und Verlust von Lebensräumen für Flora und Fauna sind die Folge. Heute kann die Landwirtschaft mehr Artenvielfalt über Vertragsnaturschutz, Agrarumweltprogramme und andere kooperative Instrumente erreichen. Die Bauern seien dazu bereit und hätten dies auch in zahlreichen Programmen mehr als bewiesen, hob der DBV hervor.  
 
Deshalb sei es nicht nachvollziehbar, wenn das Bundesamt ständig neue und zusätzliche Gesetze und Schutzgebiete fordere. „Die vergangenen 20 Jahre haben bewiesen, dass Naturschutz über Verbote gescheitert ist“, stellte der DBV fest. Bestes Beispiel sei die im Artenschutzreport erneut erhobene Forderung nach strengeren Regelungen zur Verhinderung des Umbruchs von Grünland. Das aktuelle Urteil des Europäischen Gerichtshofs zeige, dass mit zunehmenden Auflagen zum Erhalt von Grünland eher das Gegenteil erreicht werde. Die Landwirte seien angesichts der knappen Flächen dann gezwungen, das Entstehen neuer Grünlandflächen zu verhindern. Beim Naturschutz müsse endlich ein Umdenken stattfinden und eine echte Kooperation mit der Landwirtschaft gesucht werden, mahnte der DBV. 
 
Auf Verwunderung stößt beim DBV, dass mit Wolf und Biber zwei Beispiele für vermeintlich erfolgreichen Naturschutz angeführt werden, deren Verbreitung in Gesellschaft und Landwirtschaft zum Teil auf erheblichen Widerstand trifft. Gerade diese beiden Arten würden zeigen, dass der Naturschutz nicht gegen die Sorgen von Bürgern, Landwirten und Grundeigentümern betrieben werden dürfe.