Pressemeldungen  | 11.08.2016

Nebenerwerbslandwirtschaft als wichtiges Bindeglied zur Gesellschaft

Unternehmerische Initiativen mehr und besser fördern

Nebenerwerbslandwirte sind aktive Unternehmer, die die Wirtschaftskraft und Vitalität ländlicher Räume stärken helfen. Sie brauchen wie andere Unternehmer auch unternehmerische Freiräume. Dazu gehört auch eine auf die Bedürfnisse von Nebenerwerbsbetrieben abgestellte Förderung von Investitionen. „Entwicklung braucht aber auch Entwicklungsmöglichkeiten“, betonte Werner Räpple, Vorsitzender des Fachausschusses „Nebenerwerbslandwirtschaft und Erwerbskombinationen“ des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Häufig würden Unternehmerinitiativen nicht an fehlenden Ideen und Innovationen scheitern, sondern an überbordender Bürokratie, von überzogenen Bauvorschriften angefangen bis hin zu nicht mehr nachvollziehbaren Nachweis- und Dokumentationspflichten. Landwirte im Nebenberuf seien kapazitätsbedingt von dem Wust an Vorschriften besonders betroffen. „Jede neue Vorschrift veranlasst Betriebe aufzuhören. Die Politik muss wieder mehr unternehmerische Freiräume schaffen, besonders für die ländlichen Räume ist dies überlebensnotwendig“, so Räpple. Milchviehbetriebe im Nebenerwerb hätten unter der Milchkrise derzeit ebenfalls stark zu leiden.

 

Auf seiner jüngsten Tagung befasste sich der DBV-Fachausschuss „Nebenerwerbslandwirtschaft und Erwerbskombinationen“ auch mit dem Stellenwert der Nebenerwerbslandwirtschaft in der Öffentlichkeit. Als Bindeglied zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft nimmt die Nebenerwerbslandwirtschaft aus Sicht des Fachausschusses eine besondere Rolle ein. „Sie sind PR-Fachleute in eigener Sache und haben eine hohe Agrarkompetenz. Sie genießen in besonderer Weise das Vertrauen ihrer Mitbürger und Arbeitskollegen“, erklärte Räpple. Nebenerwerbslandwirte seien durch ihre außerlandwirtschaftliche Erwerbstätigkeit ganz nah am Verbraucher. Das gelte besonders im Fall kommunalpolitischen Engagements von Nebenerwerbslandwirten. Nebenerwerbslandwirte hätten daher eine große Bedeutung für die Akzeptanz von Landwirtschaft in der Bevölkerung. Dies müsse innerhalb der Landwirtschaft viel mehr gewürdigt werden. Aus berufsständischer Sicht gilt es, alle wirtschaftenden Betriebe zu stärken, unabhängig von ihrem Erwerbscharakter.

 

Nach den Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2013 sind 52 Prozent der landwirtschaftlichen Einzelunternehmen Nebenerwerbsbetriebe. Der Nebenerwerb kann sowohl Übergangsstadium als auch stabile Form einzelbetrieblicher Entwicklungen sein. Auf die im Nebenerwerb geführten Familienbetriebe entfallen rund 2,8 Millionen Hektar Landwirtschaftliche Fläche – das sind durchschnittlich 21 Hektar je Betrieb. Die Nebenerwerbslandwirtschaft steht für bäuerliches Eigentum und leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft. Sie ermöglicht und sichert Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft in den Dörfern. Nebenerwerbsbetriebe sind landwirtschaftliche Betriebe, in denen das außerbetriebliche Einkommen größer ist als das Einkommen aus dem landwirtschaftlichen Betrieb.