Öko-Landbau

Interesse an Öko-Umstellung bei 12 Prozent

Reale Umstellungsrate zurzeit niedrig

Das im März 2012 von „produkt und markt marketing research“ im Auftrag des DBV durchgeführte Konjunkturbarometer zeigt, dass das Öko-Umstellungsinteresse in Deutschland relativ konstant geblieben ist und bei 12 Prozent liegt. Ihrer Sache sicher sind sich dabei allerdings nur 2 Prozent der Interessenten. Bei einem aktuellen Anteil von etwa 6 Prozent Öko-Landbau in Deutschland beutet dies ein kurzfristiges Zuwachspotenzial von 33 Prozent. Dieses Potenzial wird in den letzten Jahren aber bei weitem nicht aktiviert. So betrug im Jahr 2011 der Öko-Flächenzuwachs nach den Meldungen der Bundesländer an das BMELV nur 3,2 Prozent, nach Zuwachsraten von über 5 Prozent in den Jahren zuvor. Das inländische Öko-Angebot wächst damit deutlich verhaltener als die Öko-Nachfrage. Während sich der Öko-Umsatz in Deutschland in den letzten zehn Jahren auf über 6,6 Mrd. EUR mehr als verdreifachte, verdoppelte sich die Öko-Anbaufläche „nur“ auf heute eine Mio. ha.
 
Angesichts höherer Kosten für Arbeitskräfte, Pachten und Futtermittel in Deutschland und schärferer Öko-Produktionsstandards brauchen die deutschen Öko-Bauern höhere Preise. Preise lassen sich nicht erzwingen. Öko-Landwirte müssen daher besonders gute Unternehmer sein, die wissen, was ihr Markt braucht. Und die die besonderen Leistungen der einheimischen Öko-Erzeugnisse an ihre Verbraucher deutlich kommunizieren. Die in Deutschland überwiegend praktizierte Gesamtbetriebsumstellung garantiert für ein Höchstmaß an Öko-Sicherheit und für eine besonders konsequente Öko-Kreislaufwirtschaft und damit höhere Umweltleistungen als der EU-Öko-Standard.
 
Parallel muss auch der Öko-Landbau stärker die Potenziale aus dem technischen Fortschritt zur Kostensenkung nutzen. Die Produktivität steigernde Forschung und Entwicklung im Öko-Landbau sind deutlich auszubauen. Aktive Marktbearbeitung und Produktivitätssteigerung lauten somit die Schlüsselaufgaben der Zukunft de Ökologischen Landbaus in Deutschland .
Auch die Sicherung der Ausgleichzahlungen für den Ökologischen Landbau spielt für die Zukunft des Öko-Landbaus eine große Rolle. Die Preisentwicklung sei für die Betriebsein¬kommen im Ökologischen Landbau zwar wichtiger ist als die Öko-Prämie, erklärte Dr. Hiltrud Nieberg, Direktorin des Institutes für Betriebswirtschaft am von Thünen Institut in Braunschweig in Ihrem Vortrag beim DBV-Perspektivforum auf der Biofach 2011.
 
Aber der Einfluss der Öko-Prämie dürfe nicht unterschätzt werden. Nach ihren Berechnungen auf Basis des Testbetriebsnetzes liegt der Gewinn plus Personalaufwand je Arbeitskraft der Öko-Betriebe seit 2003 stets über dem der konventionellen Vergleichsbetriebe. Zieht man jedoch die Öko-Prämie ab, liegen die Gewinne der Öko-Betriebe unter denen der konventionellen Vergleichsgruppe. Entsprechend ergab ihre Forschung 2009, dass von den befragten Öko-Landwirten die Unsicherheit der Öko-Prämie als größtes Hindernis für die zukünftige betriebliche Entwicklung angesehen wird. Die Umstellungsrate war in Deutschland in den letzten Jahren im EU-Vergleich unterdurchschnittlich.
 
Das Umstellungsinteresse ist im Süden und Osten mit je 14 Prozent („vielleicht“ und „ja sicher“) deutlich höher als im Norden Deutschlands mit nur 7 Prozent. Die kleineren Betriebe unter 50 ha interessieren sich mit 14 Prozent besonders stark für Öko-Landbau (12 Prozent „vielleicht“, 2 Prozent „sicher“). Das geringste Interresse mit 9 Prozent „sicher“- und „vielleicht“-Nennungen zeigt die Betriebsröße 50-100 ha. Die großen Betriebe über 100 ha liegen mit insgesamt 11 Prozent im Durchschnitt. 16 Prozent der Futterbaubetriebe aber nur 5 Prozent der Veredelungsbetriebe denken über eine Umstellung nach oder sind sich sicher. Die Ackerbaubetriebe liegen im Durchschnitt.