Pressemeldungen  | 22.04.2016

„Preisdumping bei Trinkmilch offenbart Verantwortungslosigkeit“

Bauernverband: Welle von Preissenkungen zerstört Strukturen

„Die aktuellen Abschlüsse für Trinkmilch sind eine gemeinsame Bankrotterklärung von Molkereien und Lebensmittelhandel, für die wir keinerlei Verständnis aufbringen können“, kommentierte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, die erneuten Preissenkungen, die nach Berichten der Lebensmittelzeitung bis zu 10 Cent je Liter ausmachen. Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel hätten in ihren Preisverhandlungen ihre Verantwortung gegenüber der deutschen Milcherzeugung und der Landwirtschaft erneut nicht wahrgenommen, so Krüsken. Damit bestätigten die Molkereien die Kritik an ihrem Angebotsverhalten und der Lebensmitteleinzelhandel an seiner Dumpingpreisstrategie. Die Molkereien hätten wiederum die Möglichkeiten des Wettbewerbsrechtes nicht genutzt, zum Beispiel über Kooperationen oder die Bildung von Verkaufskontoren dem Lebensmitteleinzelhandel in den Verhandlungen auf Augenhöhe zu begegnen. Der Bauernverband hat wiederholt in Gesprächen mit Vertretern deutscher Molkereien auf die Möglichkeit hingewiesen, die Vermarktungsstrukturen mit Blick auf die existenzbedrohende Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels anzupassen.

 

Für den DBV gehören die kartell- und wettbewerbsrechtlichen Rahmenbedingungen für die Vermarktungskette dringend auf den Prüfstand. Dies gilt insbesondere mit Blick auf Maßnahmen, mit denen unfairen Handelspraktiken in der Lebensmittelkette begegnet werden kann. Dazu gehört aber auch die Überprüfung der Lieferbedingungen zwischen Molkereien und Erzeugern. Das Bundeskartellamt hatte gestern eine entsprechende Überprüfung angekündigt. Letztlich müssen die Mitglieder einer genossenschaftlichen Molkerei über die Ausgestaltung von Satzungen und Milchlieferordnungen entscheiden, wie die Bedingungen ausgestaltet oder ob an einer Andienungspflicht festgehalten wird. Diese Prüfung muss zwar sachgerecht erfolgen, aber die Möglichkeiten für Milcherzeuger berücksichtigen, auf Defizite in der Vermarktung zu reagieren.

 

Wie die Lebensmittelzeitung berichtete, wollen erste Unternehmen des Handels nach den Preissenkungen für Butter und Käse in den vergangenen Wochen nun auch die Trinkmilchpreise um fast 20 Prozent senken. Dabei liegen die jetzigen Preise bereits auf einem derart niedrigen Niveau, das für die Milchbauern nicht im Ansatz eine Perspektive bietet. Der DBV befürchtet durch die Welle der Preissenkungen bei Milch und Milchprodukten einen enormen Strukturbruch in der Milcherzeugung.