Pressemeldungen  | 18.08.2015

Preiseinbrüche kosten ein Drittel der landwirtschaftlichen Einkommen

Rukwied fordert politische Flankierung der Erzeuger

„Die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte sind im Vorjahresvergleich auf breiter Front massiv eingebrochen. Der Preisverfall insbesondere bei Schweinefleisch, Milch, aber auch bei Getreide, Obst und Gemüse addiert sich seit dem Jahresbeginn auf eine Größenordnung von deutlich über 3 Mrd. Euro an Erlösen, die der deutschen Landwirtschaft im Vergleich zum Vorjahr fehlen.“ Diese Bilanz zog der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, anlässlich der Erntepressekonferenz in Berlin. „Dieser Erlöseinbruch entspricht rund einem Drittel der Nettowertschöpfung der gesamten Landwirtschaft, also der landwirtschaftlichen Einkommen.“ Rechne man diese Schätzung auf ein ganzes Jahr hoch, drohen die Erlöse der Bauern durch die geringeren Erzeugerpreise um über 6,2 Milliarden EUR niedriger auszufallen. Besonders hoch fallen die Verluste bei Schweinehaltern und Milchbauern aus, aber auch bei Acker- und Obstbauern.
 
Rukwied erwartet deshalb vom Sondergipfel der EU-Agrarminister am 7. September 2015 in Brüssel konkrete Beschlüsse zur Unterstützung der europäischen Landwirte. „Hier steht die Politik mit in der Verantwortung. Wir haben das Sicherheitsnetz für die Agrarmärkte tiefer gehängt, aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo es greifen muss“, so Rukwied. Er forderte eine Exportoffensive der EU für Agrargüter und Lebensmittel, die u.a. aus den von den Landwirten selbst aufgebrachten Mitteln der Milch-Superabgabe finanziert werden könne. Als flankierende nationale Hilfsmaßnahmen schlug Rukwied Liquiditätshilfen in Form von Bürgschaftsprogramm des Bundes, Stundung von Steuerschulden und die Einführung der seit langem vom DBV geforderten Risikoausgleichsrücklage vor. Zudem könne eine Aufstockung des Bundeszuschusses für die landwirtschaftliche Unfallversicherung zu einer Entlastung der Betriebe beitragen. „Ebenso wichtig ist es aber, die Betriebe in dieser Situation nicht mit Bürokratie und zusätzlichen wettbewerbsverzerrenden Auflagen zu belasten“, forderte der Bauernpräsident mit Blick auf aktuelle Gesetzesvorhaben auf europäischer und nationaler Ebene.