Pressemeldungen  | 02.02.2016

Rukwied: „Kurzfristig brauchen Landwirte weitere finanzielle Entlastungen“

Dramatisch schlechte wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft hält an

„Die finanzielle Lage der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich durch die anhaltend niedrigen Erzeugerpreise in fast allen Agrarmärkten krisenhaft verschlechtert. Infolge der anhaltenden Erlöseinbrüche haben die Liquiditätsengpässe zugenommen. Da Marktexperten für die kommenden Monate keinerlei Trendwende in der wirtschaftlichen Entwicklung und bei den landwirtschaftlichen Rohstoffpreisen erkennen können, müssen Bundesregierung und EU kurzfristig weitere Maßnahmen zur Unterstützung und Überbrückung der schwierigen Einkommens- und Erlössituation unserer Bauernfamilien beschließen.“ Dies forderte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, auf dem Kreisbauerntag im bayerischen Rosenheim (02.02.2016). Vor allem die Schweinehalter und Milchbauern leiden derzeit unter dramatischen Erlösrückgängen.

 

Rukwied schlug ein zweites wirksameres Programm zur Überwindung der Liquiditätsengpässe sowie Entlastungsmaßnahmen im steuerlichen und steuerrechtlichen Bereich vor. „Das bisherige Liquiditätsprogramm konnte wegen praxisfremder Bedingungen nur von sehr wenigen Schweinehaltern trotz finanzieller Notlage genutzt werden. Kurzfristige Hilfe kann außerdem mit einer deutlichen Erhöhung des steuerlichen Freibetrages für Landwirte ermöglicht werden. Die Einführung der Risikoausgleichsrücklage, die der Bauernverband seit Jahren fordert, würde grundsätzlich die Liquidität der Betriebe in Jahren mit betrieblichen Verlusten verbessern“, betonte Bauernpräsident Rukwied.

 

Im vergangenen Wirtschaftsjahr sind die Einkommen der deutschen Bauern im Durchschnitt um 35 Prozent zurückgegangen. Diese negative Entwicklung setzt sich im laufenden Wirtschaftsjahr 2015/16 fort. Nach augenblicklicher Einschätzung wird von einem weiteren Einkommensrückgang von mindestens 20 Prozent ausgegangen. „Damit würden die deutschen Landwirte innerhalb von zwei Jahren mehr als die Hälfte ihres Einkommens verlieren“, stellte Rukwied fest. Folglich seien die Investitionen laut Konjunkturbarometer Agrar für das erste Halbjahr 2016 auf 50 Prozent des Vorjahres zurückgegangen.