Öko-Landbau

Von Importen unabhängiger werden

Interview mit Dr. Heinrich Graf von Bassewitz in der dbk

Auf einem Sättigungsmarkt Umsätze zu steigern, gehört nicht gerade zu den leichtesten Aufgaben in der Ernährungswirtschaft. Gelungen ist dies jedoch - wenngleich auf niedrigem Niveau - über viele Jahre bei den vielen ökologisch erzeugten Lebensmitteln. Deren Umsatz hat sich in Deutschland im letzten Jahrzehnt auf heute 6 Milliarden Euro verdreifacht. Betrachtet man jedoch den hohen Importanteil an Biolebensmitteln nach Deutschland, wird deutlich, dass Potenziale - gerade für die Landwirte - ungenutzt bleiben. Über Potenziale und Ziele des Ökolandbaus sprach die Deutsche Bauern Korrespondenz mit Dr. Heinrich Graf von Bassewitz, selbst Biolandwirt und Vorsitzender des DBV-Fachausschusses Ökologischer Landbau.
 
dbk: Dr. Graf von Bassewitz, Sie sind seit zwölf Jahren Vorsitzender des DBV-Fachausschusses Ökologischer Landbau und Ökobeauftragter des DBV. Was bedeutet Ihnen diese Aufgabe im DBV? Und was bewerten Sie als bisher größten Erfolg?
 
Dr. Heinrich Graf von Bassewitz: Damals habe ich diese Aufgabe übernommen, weil es mir sehr wichtig ist, die Gräben zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft zu schließen. Und ich meine, dass das unserem DBV-Fachausschuss gelungen ist. Insofern sehe ich es auch als einen Erfolg, dass der ökologische Landbau heute im Bauernverband gut vertreten und ebenso akzeptiert ist. Meine Berufung in den Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung im Juni 2010 bestätigt das zusätzlich.
 
dbk: Welche Gestaltungsmöglichkeiten haben Sie in diesem Nachhaltigkeitsrat?
 
Graf Bassewitz: Dieses Amt wurde im Juni 2010 zum ersten Mal mit einem Ökolandwirt besetzt. Das war nicht einmal unter der rot-grünen Regierung der Fall. Ich betrachte das als einen Vertrauensbeweis, denn ich vertrete dort als einziger Landwirt auch die konventionelle Landwirtschaft. Ich leite die Arbeitskreise „Öko-Landbau“ und „Flächenverbrauch“. Auch in der Arbeitsgruppe „Labeling“ nachhaltiger Produkte arbeite ich mit. Der Rat ist politisch hoch angesiedelt. Unsere Forderungen werden diskutiert und auch ernst genommen. Unsere am 11. Juli 2011 veröffentlichte Empfehlung an die Bundesregierung zur besseren Förderung des Ökolandbaus wurde aber leider missverstanden, weil sie mit dem „Gold Standard Ökolandbau“ sehr „unglücklich“ formuliert wurde. Denn der Ökolandbau ist nicht der „Gold Standard“, sondern er soll vielmehr zum „Gold Standard“ entwickelt werden. Dazu muss er noch nachhaltiger und effi zienter und gleichzeitig auch gegenüber dem konventionellen Anbau wettbewerbsfähiger werden. Sie sehen, wir gehen durchaus kritisch mit dem ökologischen Landbau um und fordern eine Reformierung.
 
dbk: Ökoprodukte haben sich aus der Nische herausentwickelt. In welchem Käufersegment stoßen Sie auf die größte Nachfrage und wie hat sich der Ökomarkt in 2011 dargestellt, welche Perspektiven sehen Sie für die nächsten Jahre?
 
Graf Bassewitz: Ökoprodukte werden heute von allen Käuferschichten nachgefragt. In 2009 und 2010 – also während der Finanzkrise – stagnierte der Öko-Umsatz, d. h., die msatzzuwächse gingen stark zurück auf null bis zwei Prozent. Stagnierende oder gar abnehmende Umsätze trafen aber generell auf die Nachfrage nach allen Lebensmitteln zu. Seit 2011 verzeichnen wir in unserer Erzeugergemeinschaft Biopark wieder zweistellige Zuwachsraten. Die Biobranche kann in Deutschland 2011 mit fast 10 Prozent Zuwachs rechnen, und vieles spricht dafür, dass ein ordentlicher Zuwachs auch in 2012 wieder erreicht werden kann.
 
dbk: Welche Produkte sind besonders gefragt?
 
Graf Bassewitz ..... dass vollständige Interview - siehe rechts zum Download