Pressemeldungen  | 5.07.2012

Unterdurchschnittliche Getreideernte in Deutschland erwartet

DBV-Pressegespräch zum Ernteauftakt 2012

„Die deutlich verringerte Anbaufläche der ertragsstärksten Winterkulturen Weizen und Gerste und nur mäßige Ertragserwartungen lassen erneut eine eher unterdurchschnittliche Ernte in 2012 erwarten“, betonte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, in einem Pressegespräch zum Ernteauftakt der Getreideernte 2012. Zusammen mit DBV-Vizepräsident Udo Folgart, Bauernpräsident von Brandenburg, erläuterte Rukwied im brandenburgischen Fehrbellin die Aussichten für die jetzt beginnende Getreideernte 2012 in Deutschland.
Durch die teilweise ungünstigen Witterungsbedingungen seit der Aussaat im Herbst letzten Jahres seien Wachstum und Entwicklung bei Getreide und Ölsaaten nicht optimal verlaufen, stellte Rukwied fest. Der harte Frost im Februar hätte bei dem gut entwickelten Wintergetreide zu teils erheblichen Schäden und Auswinterungsverlusten geführt, besonders dort, wo die Pflanzen nicht durch eine Schneedecke geschützt waren. Umbruch der Feldbestände und eine Neuansaat mit ertragsschwächerem Sommergetreide seien die Folge gewesen.

Infolge dieser Auswinterungen liegt die Anbaufläche für Winterweizen zur Ernte 2012 bei nur knapp 2,9 Millionen Hektar gegenüber 3,2 Millionen Hektar im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von fast 10 Prozent. Ursprünglich hatten die Landwirte im Herbst 2011 die Weizenanbaufläche sogar um 2 Prozent ausgedehnt. Das sehr trockene Frühjahr 2012 mit nur gut 50 Prozent der sonst üblichen Niederschlags¬mengen habe die Getreidepflanzen weiter in eine Stresssituation gebracht. Gerade in dieser für die Ertragsentwicklung so bedeutenden Phase wäre eine gute Wasserversorgung besonders wichtig gewesen. Die Niederschläge im Juni konnten das Ertragsniveau zwar teilweise noch beeinflussen. Der Bauernverband erwartet aber einen Winterweizen-Ertrag von etwa 6 Prozent unterhalb des langjährigen Mittelwertes (2005 – 2010) von 7,5 Tonnen pro Hektar, was dem niedrigen Vorjahresniveau entsprechen würde.

Auch bei Wintergerste haben Auswinterungsschäden zu einem Rückgang der Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent auf gut 1 Million Hektar geführt. Die verbliebenen Pflanzenkulturen sind vielerorts infolge des Witterungsverlaufs lückig und ausgedünnt. Der Bauernverband rechnet mit Erträgen, die unterhalb des langjährigen Durchschnitts von 6,5 Tonnen pro Hektar liegen und damit auf dem Niveau des Vorjahres.

In einem überwiegend guten Zustand befindet sich dagegen der Winterroggen. Der starke Frost im Februar hat Winterroggen nur wenig geschädigt, so dass die Ertragserwartungen das Vorjahresniveau übertreffen. Zusammen mit der gegenüber dem Vorjahr um knapp 10 Prozent erweiterten Anbaufläche auf 670.000 Hektar wird die diesjährige Roggenernte etwa auf dem Mittelwert der Jahre 2005 bis 2010 in Höhe von 3,2 Millionen liegen.

Auch die Rapsbestände hatten verhältnismäßig wenig unter den Frösten gelitten, so dass die Anbaufläche mit 1,3 Millionen Hektar dem Anbauumfang des Vorjahres entspricht. Gerechnet wird mit einem höheren Ertrag als im Vorjahr, der aber unter den langjährigen Durchschnittsernten von 5,5 Millionen Tonnen liegen wird.

Sommerweizen und Sommergerste wurden überwiegend auf den umgebrochenen Flächen angebaut. Dies hat zu einer Ausdehnung der Sommer¬weizenfläche um gut 220 Prozent auf 193.000 Hektar geführt. Auch die Fläche für Sommer¬gerste ist um fast 30 Prozent auf 545.000 Hektar angestiegen. Der DBV prognostiziert, dass die Roggenerträge pro Hektar dem langjährigen Durchschnitt entsprechen.

Überdurchschnittliche Steigerung der Kosten bis zu 11 Prozent bei Düngemittel aber auch für Diesel und Pflanzenschutzmittel sowie die den Betrieben entstandenen hohen Kosten für Umbruch und Neuansaat bei gleichzeitig eher durchschnittlichen Ertragserwartungen relativieren das stabile Erzeugerpreisniveau von z. B. ca. 200 Euro pro Tonne Getreide für die Landwirte erheblich.

Beim Mais stehen die für den Ertrag entscheidenden Entwicklungsphasen noch bevor. Überwiegend befinden sich die Bestände in einem guten Zustand, auch wenn sich die Anfangsentwicklung aufgrund von Trockenheit und Kühle zunächst etwas verlangsamt. Auch Kartoffeln und Zuckerrüben präsentierten sich derzeit in einem guten Zustand.

Bei den Sonderkulturen wurde der bisherige Ernteverlauf ebenfalls durch die kühle Witterung beeinflusst. Die Spargelernte endete traditionell am 24. Juni 2012, dem Johannistag. Die Erntemenge dürfte mit 80.000 - 90.000 Tonnen unter der letztjährigen Ernte von 100.000 Tonnen liegen. Insgesamt ist die Gemüsesaison gut angelaufen und den Verbrauchern steht eine breite Palette vom Kopfsalat über viele bunte Salate bis hin zum Eissalat zur Verfügung.

Schwieriger ist derzeit die Situation im Steinobstbau. Bei Sauerkirschen und Süßkirschen ist mit deutlich geringeren Mengen als Folge der Blütenfröste zu rechnen. Die Erdbeersaison ist in vollem Gange bei guten Erntemengen. Die Verbraucher können sich über schmackhafte deutsche Erdbeeren freuen. Himbeeren, Johannesbeeren und Stachelbeeren haben dagegen wie auch die Kirschen unter den Frösten während der Blütezeit gelitten, so dass hier ebenfalls geringere Erntemengen zu erwarten sind.