Pressemeldungen  | 10.05.2016

Umweltgutachten: Zielkonflikte nicht einseitig zu Lasten der Landwirtschaft lösen

Erste Reaktion des DBV-Umweltbeauftragten Eberhard Hartelt

„Es ist zu befürchten, dass die vom Umweltrat genannten Zielkonflikte im Umwelt- und Naturschutz einseitig zu Lasten der Landwirtschaft und der ländlichen Räume gelöst werden sollen. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen spricht von ‚strukturellen Veränderungen‘ der Landwirtschaft und meint damit offenbar eine Extensivierung und faktische Stilllegung großer Teile der Landwirtschaft und der ländlichen Räume.“ Das betonte der Umweltbeauftragte des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Eberhard Hartelt, in einer ersten Reaktion auf das Gutachten des Sachverständigenrates für Umweltfragen, das dieser heute an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks übergeben hat. Hartelt kritisierte auch die Strategie des Sachverständigenrates für mehr „Wildnisgebiete“. Das Beispiel des Wolfes zeige, dass diese sogenannte Wildnis eigentlich nur dann existieren kann, wenn hohe Zäune gezogen werden. „Eine produktive und zugleich umwelteffiziente Landwirtschaft bleibt nötig, um die großen Herausforderungen Ernährungssicherung, Klimaschutz und Energiewende zu bewältigen“, erklärte Hartelt.

 

Der DBV stellt fest, dass der Sachverständigenrat für Umweltfragen beim Flächenverbrauch den Finger in die Wunde legt. Obwohl bereits seit fast 15 Jahren das 30-ha-Ziel in der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie festgeschrieben sei, sei mit einem Flächenverbrauch von fast 70 ha pro Tag dieses Ziel nach wie vor in weiter Ferne. Mit Blick auf die Forderung nach einem Netto-Null-Ziel des Sachverständigenrates fehle es aber nicht an anspruchsvollen Zielen, mangelhaft sei die Umsetzung der vorhandenen Ziele, betonte Hartelt.

 

Als Vorschlag „aus der Mottenkiste“ bezeichnete Hartelt die Forderung nach einer Pflanzenschutzmittel-Abgabe, da hiermit nur die Produktionsmittel für die Landwirte verteuert würden. Hartelt warnte zudem davor, die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln für agrar- und umweltpolitische Ziele zu missbrauchen, indem die Anlage von Ausgleichsflächen als Auflage für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln festgelegt wird. Hingegen sei es sinnvoll, Hemmnisse bei der Umsetzung von Maßnahmen für die Biodiversität, wie etwa beim Greening und bei den Agrarumweltmaßnahmen auszuräumen, anstatt die Struktur der EU-Agrarförderung grundsätzlich in Frage zu stellen.