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Behauptet wird, dass eine vorgegebene Regulierung von Produktionsmengen ein praktikables Instrument zur Vermeidung von Marktkrisen im Milchsektor sei.

Tatsache ist, dass die zunehmenden Schwankungen der Erzeugerpreise eine große Herausforderung für die Milcherzeuger als letztes Glied der Wertschöpfungskette Milch darstellen. Eine Steuerung der Produktionsmengen ist in zunehmend globalisierten Milchmärkten jedoch ungeeignet, um dieses Problem zu lösen.

Fakten: 
In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Vorschläge zur Regulierung der Produktionsmengen diskutiert. Allen Vorschlägen gemein ist der Wunsch, durch innereuropäische Produktionsvorgaben die Erzeugerpreise für Milchbauern anzuheben. Etliche Studien haben die Schwachpunkte dieser Überlegungen aufgezeigt.


Fakt 1 – Die Preiswirkung ist äußerst gering und unsicher.
  • Die Preiseffekte einer Mengensteuerung wären selbst in einem vollkommen geschlossenen EU-Markt äußerst gering. Eine Mengenregulierung würde den hohen Aufwand einer Umsetzung dementsprechend nicht rechtfertigen. Die Wirkung würde außerdem regelmäßig zum falschen Zeitpunkt erfolgen.
  • Dies bestätigte das Institut für Ernährungswirtschaft Kiel* (ife) im April 2015 im Auftrag der Agrarministerien der Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Um den Milchpreis nur um 1 Cent je Liter anzuheben sei laut Annahmen der Gutachter eine Reduktion der Milchproduktion in der Europäischen Union um 6,4 Millionen Tonnen nötig. Dies entspricht der gesamten Milchproduktion Spaniens oder Niedersachsens.


Fakt 2 – Die Preiswirkung verpufft gänzlich in offenen Märkten.
  • Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen den weltweiten Milchpreisen und dem deutschen Markt. Beim Versuch, den heimischen Markt von den zunehmend globalisierten Milchmärkten abzukoppeln, werden Exportmärkte verloren gehen. Dies würde wiederum das Angebot auf den europäischen Märkten erhöhen, so dass der ursprüngliche Preiseffekt rückgängig gemacht wird.
  • Schon heute hat Deutschland umgerechnet einen Selbstversorgungsgrad von 116 Prozent. Die hier erzeugten hochqualitativen Produkte sind also mit zunehmender Tendenz weltweit gefragt. Ein Zurück zu geschlossenen Märkten würde einen Großteil der Milchproduzenten zur Aufgabe ihrer Betriebe zwingen.
  • Im Auftrag der Europäischen Kommission** haben im September 2013 führende europäische Agrarökonomen unter anderem eine Mengenregulierung bewertet. Eine kurzfristig positive Preiswirkung sei demnach unwahrscheinlich und vor allem durch die relativ hohe Integration in internationale Märkte stark limitiert. Auch das ife bestätigt dies in seiner Expertise.







Fakt 3 – Eine Regulierung schwächt die Wettbewerbsfähigkeit.
  • Die Milchquote hat gezeigt, dass Produzenten durch eine Mengenregulierung stark belastet werden. Aktiven Milcherzeugern sind nach Auffassung von Marktexperten im Zeitraum der Milchquote zusätzliche Kosten in Höhe von 15 Milliarden Euro für Strafzahlungen, Kauf und Pacht von Produktionsrechten entstanden. Dabei sind die entgangenen Einkommensverluste durch den stetigen Verlust von Marktanteilen am weltweiten Handel nicht berücksichtigt.
  • Das Thünen-Institut für Marktanalyse*** kam im Dezember 2014 zu dem Schluss, dass eine allgemeinverbindliche Marktsteuerung der Heterogenität des europäischen Milchsektors nicht gerecht wird. Viele Milcherzeuger würden unnötig benachteiligt und damit deren Wettbewerbsfähigkeit reduziert.


 
 
 


Fakt 4 – Die Umsetzbarkeit ist schlicht nicht gegeben.
  • Der bürokratische Aufwand einer Mengenregulierung wäre wie auch zu Zeiten der Milchquote äußerst hoch. Der Aufwand ergibt sich aus der intensiven Marktbeobachtung, der Erhebung einzelbetrieblicher Rohmilcherzeugungsmengen, der Überwachung der Umsetzung der Mengenregulierung auf Einzelbetriebsebene sowie der Initiierung von Marktmaßnahmen.
  • Die Milchmenge kann nicht ohne Weiteres kurzfristig reduziert werden. Zum Beispiel ist ein verringerter Einsatz von Kraftfutter nur beschränkt möglich, um die Gesundheit der Tiere nicht zu gefährden. Auch eine spätere Belegung von Kühen hat kurzfristig keine Wirkung auf den Markt, da die Trächtigkeitsdauer von Kühen mehr als neun Monate beträgt.

Fakt 5 – Eine Regulierung steht im Widerspruch zur allgemeinen Ausrichtung der Agrarpolitik.
  • Vereinzelt wird ein finanzieller Ausgleich für einen freiwilligen Produktionsverzicht diskutiert. Dieser würde den Rahmen des europäischen Agrarhaushaltes weit übersteigen. Bei einer von Milcherzeugern getragenen Finanzierung, würde die Wettbewerbsfähigkeit der Milchbauern stark gefährdet.
  • Ordnungspolitisch würde die Wiedereinführung einer Mengenregulierung der seit mehr als zwanzig Jahren fortschreitenden Marktorientierung der Agrarpolitik widersprechen. Das Auslaufen der Milchquote gewährleistet Milchbauern eine unternehmerische Entscheidungsfreiheit, wie sie in anderen Branchen längst üblich ist.



Quellen:
*
**
 
***
Institut für Ernährungswirtschaft Kiel (April 2015): Kriseninstrumente im Milchmarkt
Ernst & Young im Auftrag der Generaldirektion Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung (September 2013): Analysis in future developments in the milk sector
Thünen-Institut für Marktanalyse (Dezember 2014): Kann eine Marktbeobachtungsstelle den EU-Milchmarkt effizient regulieren?