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Einleitung

Vorwort

Im zurückliegenden Jahr 2012 hat vor allem die globale Entwicklung für insgesamt stabile Agrarpreise auch in Deutschland gesorgt. Dementsprechend haben sich die Buchführungsergebnisse im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2011/12 insgesamt befriedigend entwickelt. Im Durchschnitt der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe (Einzelunternehmen und Personengesellschaften) betrug das Unternehmensergebnis 58.200 Euro je Betrieb bzw. 39.700 Euro je Familien-Arbeitskraft. Diese Ergebnisse sind im Vergleich zum Vorjahr praktisch unverändert.
 
Es ergeben sich dabei deutliche Unterschiede je nach Betriebsform und Region. Die Veredlungsbetriebe mit Schwerpunkt in der Schweinehaltung konnten ihr Ergebnis nach einer wirtschaftlichen Durststrecke deutlich verbessern. Die Betriebe mit den Schwerpunkten Ackerbau und Milchvieh mussten hingegen leicht rückläufige Unternehmensergebnisse verzeichnen. Dabei standen höhe-ren Erlösen durchweg stark gestiegene Aufwendungen für wichtige Betriebsmittel gegenüber. Vor allem Futtermittel, Düngemittel sowie Treibstoffe und Energie wurden deutlich teurer. Positiv ist zu verzeichnen, dass die Betriebe ihr relativ hohes Investitionsniveau gehalten haben. Die Nettoinvestitionen liegen bei rund 14.000 Euro je Haupterwerbsbetrieb.
 
Selbst wenn die derzeitigen Agrarpreise real betrachtet noch immer unter dem Niveau der 1970er Jahre liegen, so zeichnet sich ein Wandel ab. Das Ziel einer nachhaltigen Produktivitätssteigerung der Landwirtschaft durch Technologie und Innovation rückt in den Vordergrund. Hierauf muss sich auch die Agrarforschung einstellen. Die strategische Bedeutung der Agrarbranche für den Wohlstand einer Nation scheint in Deutschland noch nicht von allen erkannt worden zu sein. Global gesehen dürfte die sichere Versorgung mit Nahrungsmitteln im 21. Jahrhundert eine ebenso große Herausforderung sein wie der Klimawandel.
 
Für den Hunger an vielen Orten der Welt sind gewiss nicht die gestiegenen Agrarpreise ursächlich, sondern vor allem Despotismus, Korruption und fehlende Bildung. Dies macht den Aufbau einer regionalen Wirtschaft einschließlich der Landwirtschaft oft zunichte. Landwirte brauchen überall auf der Welt bestimmte Grundbedingungen, um nachhaltig wirtschaften zu können. Dazu gehören vor allem gesicherte Eigentumsrechte am Boden sowie der Zugang zu Bildung, zu den Agrarmärkten und zu Kapital. Dass 2012 zum internationalen Jahr der Genossenschaften bestimmt wurde, ist ein glücklicher Umstand. Denn die Kooperation und die Bündelung der Landwirte zählen ebenfalls zu den universellen Erfolgsfaktoren einer modernen Agrarwirtschaft.
 
In der EU kommen die Verhandlungen um die Gemeinsame Agrarpolitik bis 2020 in ihre Schlussphase. Dabei ist ein Ringen um eine Stabilität des EU-Agrarbudgets weiter notwendig. Zugleich muss sich die EU-Kommission bei den Greening-Vorschlägen endlich bewegen. Es müssen die vorhandenen Umweltleistungen der Landwirte umfassend angerechnet werden. Dazu zählen dann zum Beispiel alle Landschafts-elemente innerhalb wie außerhalb der landwirtschaftlichen Betriebsfläche. Eine neuerliche Stilllegungspflicht darf es keinesfalls geben.
 
Häufig wird bei Biokraftstoffen die kritische Frage nach „Teller oder Tank“ gestellt. Wer genau hinsieht, kann erkennen, dass die Antwort „Teller und Tank“ heißt. Beispielsweise werden bei der Erzeugung von Biodiesel aus Raps durch den zusätzlich anfallenden Rapsschrot 2 Millionen Tonnen Sojaschrot-Importe für die Tierhaltung ersetzt. Diese Koppelproduktion von „Teller und Tank“ ist zukunftsfähig, denn die Nahrungsmittelerzeugung behält hohe Priorität und die Klimabilanz wird verbessert. Das darf von der Europäischen Union nicht aufgegeben werden.
 
Die deutsche Land- und Agrarwirtschaft hat in den vergangenen zehn Jahren in der Tierhaltung hinzugewonnen und sich erfolgreich im Binnenmarkt wie im Export behauptet. Die Tierhaltung sollte sich langfristig so weiter entwickeln, dass sie einer sachlich-kritischen Betrachtung in Sachen Tierwohl standhält, ohne die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Dazu ist eine Bündelung aller Kräfte von der Forschung über die Tierzucht und den Stallbau bis hin zur Beratung und zur Öffentlichkeitsarbeit notwendig.
 
Unsere im Bundestag eingereichte Petition zum Flächenschutz hatte von allen Petitionen im Jahr 2011/12 die meisten Unterstützer. Der Erhalt landwirtschaftlicher Flächen wird auch in den kommenden Jahren unser zentrales Anliegen bleiben. Innenentwicklung statt Neubau auf der Grünen Wiese muss im Baugesetzbuch wirksam umgesetzt werden. Und der aktuelle Trend zum Ersatzgeld beim Naturschutzausgleich darf nicht dazu führen, dass damit zusätzlich produktive Agrarflächen herausgekauft und stillgelegt werden.
 
Der Situationsbericht 2012/13 bietet aktuelle Daten zur wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft. Die Buchführungsabschlüsse wurden in bewährter Weise in Zusammenarbeit mit der LAND-DATA GmbH ausgewertet. Darüber hinaus sind umfassende Informationen zu den Agrarstrukturen, zur Agrarwirtschaft und zu den agrarpolitischen Rahmenbedingungen enthalten. Besondere Schwerpunkte sind in diesem Jahr die aktuellen Entwicklungen in der Agrarhandelspolitik und die moderne Tierhaltung am Beispiel der Milchviehhaltung. Die AMI Agrarmarkt Informations-Gesellschaft hat umfangreiche Marktdaten zusammengestellt.
 
 
 
 
 
Joachim Rukwied
Präsident des Deutschen Bauernverbandes