Pressemeldungen  | 14.04.2016

„Wir brauchen eine neue Lizenz zur Landwirtschaft“

DBV-Vizepräsident Schwarz diskutierte die Herausforderungen der Schweinehaltung

„Der Schweinemarkt bleibt gesättigt und äußerst preisorientiert. Zugleich stellen aber Gesellschaft und damit die Kunden hohe moralische Ansprüche an die Tierhaltung. Diese Herausforderungen müssen die Schweinehalter lösen, indem sie innovativer, schneller und besser sind als die Konkurrenten und den Kunden entsprechende Angebote unterbreiten.“ Dies erklärte der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Werner Schwarz, auf dem Diskussionsforum zur Schweinehaltung des Zentralverbandes der Deutschen Schweineproduktion in Berlin.

 

Schwarz wertet die Initiative Tierwohl als ein solches Angebot der heimischen Nutztierhalter. „Die Initiative Tierwohl ist vertrauensbildend, für den Landwirt einzelbetrieblich umsetzbar, honoriert die echten Kosten und ist besser als jedes Ordnungsrecht“, urteilte Schwarz. Deshalb seien solche wirtschaftsgetragenen Initiativen die richtige Antwort auf aktuelle Verbraucherfragen und müssten nachhaltig mit entsprechenden finanziellen Mitteln ausgestattet werden.

 

Von der Politik erwartet Schwarz, dass sie sich ihrer Verantwortung besonders in der augenblicklichen Agrarpreiskrise stellt, wenn sogar solide geführte Betriebe in wirtschaftliche Bedrängnis geraten. Dies sei mit den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft vereinbar, da der Staat gerade in schwierigen Situationen „Brücken in die Zukunft baut“.

 

Die Bauernfamilien selbst müssten die große Herausforderung bewältigen, wieder gesellschaftliche Akzeptanz für ihre Nutztierhaltung zu erlangen. In der Vergangenheit hätten sie eine „Lizenz zur Landwirtschaft“ durch die Erzeugung hochwertiger und preiswerter Lebensmittel erhalten. In gesättigten Märkten dagegen gelte diese Lizenz nicht mehr, stattdessen müssten die Tierhalter diese nach den Wünschen und Vorstellungen der Kunden ausrichten. Damit werde der Markt bei weitem verlässlicher, da näher am Kunden, als die Politik, die durch Ordnungsrecht „Gewinne der Bauern sozialisiert und Risiken privatisiert“. Gerade auf die Tierhalter würden immer mehr Gebühren in der Folge von ordnungspolitischen Entscheidungen umgelegt, immer zeit- und kostenaufwändiger entwickle sich der Kontroll- und Dokumentationsaufwand, kritisierte Schwarz.