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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.1 Wirtschaftliche Bedeutung des Agrarsektors

Hohe wirtschaftliche Leistung der Landwirtschaft
Die Land-, Forstwirtschaft und Fischerei ist als Teil der Volkswirtschaft in Deutschland nach wie vor ein bedeutender Wirtschaftsbereich. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung macht heute (2017) zwar nur 0,9 Prozent und an den Erwerbstätigen rund 1,4 Prozent aus, doch ist die volkswirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft wesentlich größer. Die deutsche Land-, Forstwirtschaft und Fischerei erzielte 2017 einen Produktionswert von 60,9 Milliarden Euro. Das ist erheblich mehr als der Produktionswert des gesamten deutschen Textil-, Bekleidungs- und Schuhgewerbes mit 22,9 Milliarden Euro, des Papiergewerbes mit 38,3 Milliarden Euro oder der pharmazeutischen Industrie mit 49,5 Milliarden Euro.
 
Einkäufe der Landwirtschaft stützen die übrige Wirtschaft
Landwirte fragen viele Betriebsmittel, Investitionsgüter und Dienstleistungen nach. Es sind vor allem kleinere und mittlere Betriebe aus Handel, Handwerk und Gewerbe, die wirtschaftlich stark mit der Landwirtschaft verbunden sind. Viele Höfe nutzen darüber hinaus eine breite Palette von Dienstleistungen. Diese reichen von der Beratung über Wartungsarbeiten bis hin zu Tiergesundheits- und Qualitätsüberwachung. Die produktionsbedingten Ausgaben der deutschen Landwirtschaft betrugen im Jahr 2017 45,3 Milliarden Euro, wovon 9,9 Milliarden Euro auf Investitionen in Bauten und Maschinen entfallen. Zu den betriebsbedingten Ausgaben kommen u.a. die privaten Konsumausgaben der Land- und Forstwirte hinzu, die sich 2017 auf 9,2 Milliarden Euro beliefen.
 
Jeder 9. Arbeitsplatz steht mit dem Agribusiness in Verbindung
Das Agribusiness umfasst die gesamte Lebensmittelkette und damit alle Schritte von der Urproduktion bis zum Verbraucher: Die Landwirtschaft gewinnt mit Produktionsmitteln aus den vorgelagerten Wirtschaftsbereichen die pflanzlichen und tierischen Rohstoffe, die vom Ernährungsgewerbe, also dem Handwerk und der Industrie, weiterverarbeitet werden. Hinzu kommen der Lebensmittelgroß- und -einzelhandel sowie die Gastronomie
 
Volkswirtschaftliche Eckdaten des Sektors Land-, Forstwirtschaft und Fischerei (2017)
  • Produktionswert: 60,9 Milliarden Euro (+ 10,4 Prozent gegenüber 2016)
  • Bruttowertschöpfung: 25,5 Milliarden Euro (+ 21,0 Prozent gegenüber 2016)
  • Erwerbstätige: 616.000 Personen (- 0,5 Prozent gegenüber 2016)
  • Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen: 41.400 Euro (+ 21,6 Prozent gegenüber 2016)
Quelle: Statistisches Bundesamt
 
Das Agribusiness ist einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige
Das Agribusiness hatte in 2017 in rund 750.000 Betrieben insgesamt 4,7 Millionen Beschäftigte. Damit sind knapp 11 Prozent aller Erwerbstätigen direkt oder indirekt damit beschäftigt, Menschen mit Essen und Trinken zu versorgen bzw. pflanzliche Rohstoffe für Nicht-Nahrungsmittelzwecke zu erzeugen. Ein Großteil dieser Arbeitsplätze – vor allem in Landwirtschaft, Gastronomie, Handwerk und Einzelhandel – ist im ländlichen Raum angesiedelt. Mit zahlreichen attraktiven Ausbildungsberufen und -plätzen stellt das Agribusiness jeden 10. Ausbildungsplatz in Deutschland. So starten jedes Jahr rund 150.000 junge Menschen im Agribusiness in ihr Berufsleben.
 
Landwirtschaft als Schlüsselbranche für die Wirtschaft
Der Erwerbstätigenanteil der Landwirtschaft am gesamten Agribusiness beträgt gut 12 Prozent. Das heißt: Einem landwirtschaftlichen Arbeitsplatz stehen sieben weitere Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen gegenüber. Das gesamte Agribusiness erbrachte 2017 einen Produktionswert von geschätzten 466 Milliarden Euro oder 8 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Produktionswertes. Gemessen an der volkswirtschaftlichen Bruttowertschöpfung beträgt der Anteil des Agribusiness knapp 7 Prozent.
 
Landwirtschaftlicher Erwerbstätigenanteil bei 1,4 Prozent
 
Landwirtschaftlicher Erwerbstätigenanteil bei 1,4 Prozent In Deutschland übten im Jahr 2017 616.000 Personen oder 1,4 Prozent aller Erwerbstätigen ihre überwiegende Erwerbstätigkeit in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei aus. 43 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft sind als eigenständige Unternehmer tätig. Ihr Anteil an den Selbständigen in Deutschland beläuft sich auf 6,2 Prozent. Gemessen am gesamten Arbeitsvolumen der deutschen Wirtschaft beträgt der Anteil der Land- und Forstwirtschaft 1,6 Prozent.
 
Selbständige arbeiten länger
 
Ein Erwerbstätiger in Deutschland arbeitete im Jahr 2017 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Durchschnitt 1.360 Stunden. Überdurchschnittlich hoch fällt die Stundenzahl in der Land- und Forstwirtschaft mit 1.607 Stunden aus. Grund dafür ist vor allem der mit 43 Prozent hohe Anteil der Selbständigen in der Land- und Forstwirtschaft. Mit 2.004 Stunden liegen die Arbeitszeiten von Selbständigen in der Land- und Forstwirtschaft etwas höher als bei den Selbständigen in der übrigen Wirtschaft mit 1.927 Stunden. Der Einsatz moderner Technik hat maßgebend dazu beitragen, dass körperliche Arbeit und Arbeitszeiten in der Landwirtschaft deutlich zurückgegangen sind. Der Umgang mit Natur, Umwelt und Tieren erfordert allerdings eine relativ hohe zeitliche Flexibilität.
 
Arbeitsproduktivität der Landwirtschaft relativ stark gestiegen
 
Gemessen an der Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen hat der Agrarsektor in Deutschland seine Produktivität in den letzten 20 Jahren stark gesteigert (+ 79 Prozent). Zum Vergleich: Im Durchschnitt der deutschen Wirtschaft stieg die Produktivität um 43 Prozent. In absoluten Zahlen bleibt jedoch ein Abstand zu anderen Wirtschaftsbereichen.
 
Moderne Landtechnik aus Deutschland stark gefragt
 
Die Landtechnik-Industrie ist ein wichtiger Vorlieferant der Landwirtschaft. In der Branche sind über 200 Unternehmen mit rund 31.500 Beschäftigten tätig. 2017 wurde in Deutschland Landtechnik im Wert von 5,6 Milliarden Euro verkauft.  Ein Fokus der gegenwärtigen technologischen Entwicklung liegt auf der Vernetzung von Arbeitsprozessen mittels elektronischer Steuerung und dem Einsatz von Datenmanagementsystemen. Für 2018 wird mit einem Industrie-Umsatz von 8,4 Milliarden Euro gerechnet; das wären 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Exportgeschäft macht im Branchendurchschnitt rund 74 Prozent der Umsätze aus. Im bisherigen Rekordjahr 2013 betrug der Umsatz der deutschen Landtechnik-Industrie ebenfalls 8,4 Milliarden Euro.
 
Umsätze von Landtechnik-Handwerk und -Handel als Bindeglied
Die rund 5.600 in den Handwerksrollen eingetragenen Landmaschinen-Fachbetriebe machten mit ihren knapp 44.500 Mitarbeitern 2017 einen Umsatz von rund 9,0 Milliarden Euro. Das war gegenüber dem Vorjahr ein Plus von knapp 4 Prozent. In der ersten Jahreshälfte zogen die Umsätze im Neumaschinenbereich weiter an und litten in der zweiten Jahreshälfte, regional unterschiedlich, unter den wirtschaftlichen Folgen der Dürre. Für 2018 insgesamt rechnet der LandBauTechnik-Bundesverband für das Landtechnik-Handwerk und den Landtechnik-Handel mit Umsätzen in etwa auf dem Vorjahresniveau.
 
Lohnunternehmen und Maschinenringe senken die Technikkosten
Lohnunternehmen sind landtechnische Dienstleister der Landwirte. 3.400 Lohnunternehmer mit 18.500 fest angestellten Mitarbeitern und gut 15.000 saisonalen Aushilfen erzielten 2017 einen Umsatz von etwa 3,6 Milliarden Euro, davon 2,4 Milliarden Euro im Einsatz für Land- und Forstwirte. Für 2018 wird ein dürrebedingter Rückgang des Branchenumsatzes erwartet. Die Aufgaben werden anspruchsvoller, zum Beispiel im Bereich Biogasanlagen, bei der Gülleausbringung, in der Komplettbewirtschaftung, aber auch in der Bodenbearbeitung oder Düngung mit Spezialtechnik. Die von Landwirten gegründeten 243 Maschinenringe mit 186.800 landwirtschaftlichen Mitgliedsbetrieben erwirtschafteten 2017 mit ihren rund 3.400 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von gut 1,1 Milliarden Euro. Mit dem Ziel, Maschinen besser auszulasten und zusätzliche Erwerbsquellen zu erschließen, haben sich die Maschinenringe in vielen Regionen zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. 
 
Landwirtschaft und ländliche Räume sind untrennbar miteinander verbunden

Etwa 91 Prozent der Fläche Deutschlands zählen zu den ländlichen Räumen. Rund 57 Prozent der Einwohner Deutschlands leben in Dörfern, Gemeinden und Städten auf dem Land. Ländliche Räume sind Lebensraum und Wirtschaftsstandort. Sie umfassen land- und forstwirtschaftliche Nutzräume ebenso wie Natur- und Erholungsräume. 
 
Umfrage: Auf dem Land werden Traditionen gelebt
 
Familienleben statt Single-Dasein, nachbarschaftliches Miteinander statt anonymes Nebeneinander: Auf dem Land schätzen 73 Prozent der vom Medienforschungsinstitut TNS Infratest in 2014 befragten Bewohner diese traditionellen Werte. Im Vergleich: Nur 45 Prozent der Städter denken, dass traditionelle Werte ihr urbanes Umfeld besonders prägen. 69 Prozent der Deutschen schätzen laut dieser Umfrage ländliche Regionen für ihre hohe Lebensqualität. Noch häufiger werden die Regionen abseits der Städte als ideale Erholungsorte angesehen: 85 Prozent der Befragten denken beim Thema „Ländliche Regionen“ an Erholung und Freizeit.
 
Regionen im Wettbewerb
Viele Gebiete stehen angesichts der demografischen Entwicklung, der Abwanderung vor allem junger Menschen vor der Aufgabe, eine selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung und eine ausreichende Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Die Attraktivität ländlicher Räume als Arbeits-, Wohn- und Freizeiträume wird zunehmend von der Verfügbarkeit schnellen Internets und der regionalen Anbindung an Verkehrsinfrastrukturen geprägt. Das erleben auch landwirtschaftliche Betriebe, für die es besonders in Regionen mit rückläufigem Arbeitskräftepotential schwieriger wird, Berufsnachwuchs zu finden.
 
Feld und Wald sind auch wertvoll für Freizeit und Tourismus
 
Auf der Skala der Erholungsaktivitäten rangieren die landschaftsbezogenen Freizeitaktivitäten vorn, wie Spazierengehen, Spielen im Freien, Wandern und Radfahren. Die Land- und Forstwirtschaft erhält und pflegt 28,9 Millionen Hektar Acker, Wiesen und Wald. Das sind 81 Prozent der Fläche. Deutschland ist damit als Kulturlandschaft geprägt.
 
Landtourismus erfreut sich großer Beliebtheit
Knapp 10.000 landwirtschaftliche Betriebe bieten bundesweit Urlaub auf dem Bauernhof an. Diese Betriebe verfügen über 138.000 Beherbergungsangebote und generieren jährlich rund 15,4 Millionen Übernachtungen. Hinzu kommen ca. 17.000 Schlafgelegenheiten im Campingbereich (600.000 Übernachtungen) und 3.000 Schlafmöglichkeiten in Heuherbergen (75.000 Übernachtungen). Jeder zweite Anbieter von Agrotourismus erwirtschaftet mehr als ein Viertel seines Gesamtumsatzes aus der Beherbergung, jeder Vierte sogar mehr als die Hälfte. Die Gäste von Urlaub auf dem Bauernhof schätzen die Nähe zur Natur, die Schönheit der Kulturlandschaft, die persönliche Betreuung der Gastgeber und authentische Einblicke in die Landwirtschaft. Etwa 4,5 Millionen Menschen machen jedes Jahr in Deutschland Urlaub auf dem Bauernhof und geben dafür knapp 900 Millionen Euro aus. 
 
Beruf Landwirt genießt hohes Ansehen
 
Für fast jeden zweiten Bundesbürger zählt der Landwirtsberuf nach einer Emnid-Untersuchung aus März 2017 zu denjenigen Berufen, die „auch in Zukunft für die Gesellschaft besonders wichtig“ sind. Während sich die Landwirte 2012 noch mit dem dritten Rang zufriedengeben mussten, finden sie sich damit inzwischen auf dem zweiten Rang wieder – nur Ärzte werden noch häufiger als wichtig erachtet. 
 
Landwirtschaft wird wertgeschätzt
Die Wertschätzung der Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren weiter erhöht. Nach der Emnid-Untersuchung aus März 2017 sehen 87 Prozent der Bundesbürger in einer funktionsfähigen Landwirtschaft einen wesentlichen Bestandteil für die Lebensqualität und Lebensfähigkeit des Landes. Bei der letzten Emnid-Untersuchung von 2012 lag dieser Wert bei 78 Prozent. Für mehr als vier Fünftel der Befragten ist „das bäuerliche Leben“ ein wichtiger Bestandteil der deutschen Kultur. Hier gab es innerhalb der letzten fünf Jahre ein Plus von 9 Prozentpunkten. Zu gut zwei Drittel stimmen die Deutschen der Aussage zu, dass die heimische Landwirtschaft die Versorgung mit Nahrungsmitteln sichert. 
 
Image der Landwirtschaft und der Bauern differiert
Rund 79 Prozent der Bevölkerung haben laut der Emnid-Erhebung aus März 2017 ein positives Bild von den Bäuerinnen und Bauern. In ländlichen Regionen liegt dieser Anteil höher (85 Prozent) als in den Städten. Deutlich geringer fällt hingegen die Zustimmung zur „modernen Landwirtschaft“ aus, die von 61 Prozent der Befragten positiv bewertet wird. Das Bild der Bäuerinnen und Bauern in der Bevölkerung ist somit positiver als das der Landwirtschaft im Allgemeinen. 
 
Landwirtschaft und hohe gesellschaftliche Erwartungen
Im Soll-Ist-Vergleich fällt das Urteil der Bürger häufig auseinander. Die Erwartungen sind hoch. Allerdings sind die Defizite gegenüber der Emnid-Erhebung aus 2012 in fast allen Bereichen deutlich kleiner geworden. Ausnahme ist der „verantwortungsvolle Umgang mit Tieren“. Hier ist die Diskrepanz zwischen Soll und Ist nicht nur am größten, sondern im Zeitvergleich sogar gewachsen.