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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.3 Nahrungsmittel – Verbrauch und Preise

Überdurchschnittlich hoher Preisanstieg bei Nahrungsmitteln
Die Inflationsrate – gemessen an der Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert – lag in Deutschland 2017 bei 1,7 Prozent. Das Preisniveau für Nahrungsmittel stieg mit plus 2,8 Prozent deutlich stärker an. Ähnlich sieht es in 2018 aus. Für 2018 wird mit einer Inflationsrate von 1,9 Prozent und mit einem Preisanstieg bei Nahrungsmitteln von etwa 2,4 Prozent gerechnet.  
 
Nahrungsmittelpreise waren langfristig gesehen eine Inflationsbremse
Die Verbraucherpreise für Lebensmittel sind über viele Jahre hinweg deutlich langsamer angestiegen als die Verbraucherpreise insgesamt. Von 1991 bis 2007 änderten sich die Verbraucherpreise insgesamt jährlich im Durchschnitt um + 2,0 Prozent und die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel durchschnittlich um + 1,1 Prozent. Nach zwischenzeitlichem starken Auf und Ab stiegen die Preise für Nahrungsmittel von Mitte 2010 bis April 2014 deutlich stärker als die allgemeinen Lebenshaltungskosten. Danach war bei den Lebenshaltungskosten und den darin enthaltenen Kosten für Nahrungsmittel nur noch ein leichter Preisanstieg zu beobachten. Erst seit Ende 2016 zogen die Lebenshaltungskosten und insbesondere die Nahrungsmittelpreise stärker an.
 
Preise für Nahrungsmittel in Deutschland etwas über EU-Durchschnitt
Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke waren 2017 in Deutschland 8 Prozent teurer als im EU-Durchschnitt. Besonders hochpreisig waren Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke in Dänemark mit 50 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Das Preisniveau eines vergleichbaren Warenkorbs lag dort fast zweieinhalbmal so hoch wie in Rumänien (62 Prozent) oder Polen (65 Prozent).
 

Verbraucher geben einen immer kleineren Teil ihres Einkommens für Nahrungs- und Genussmittel aus

Die gesamten Verbraucherausgaben beliefen sich 2017 auf 1.637 Milliarden Euro. Davon entfielen 226,2 Milliarden Euro oder 13,8 Prozent auf Nahrungs- und Genussmittel. Dazu kommen rund 74,4 Milliarden Euro für Verpflegungsdienstleistungen in Gaststätten und Kantinen. Der Anteil der Ausgaben für Nahrungs- und Genussmittel an den gesamten Konsumausgaben ist gegenüber den beiden Vorjahren unverändert geblieben, im langjährigen Zeitvergleich aber deutlich zurückgegangen. Der Grund für diesen Langfristtrend liegt in den Einkommenssteigerungen und in dem unterdurchschnittlichen Anstieg der Nahrungsmittelpreise. Der höhere Lebensstandard kommt besonders in zunehmenden Ausgaben für Wohnen, Verkehr, Freizeitaktivitäten und Gesundheitspflege zum Ausdruck.
 
Von einem Euro Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel erhält der Landwirt heute nur noch 23 Cent 
Der Anteil der landwirtschaftlichen Verkaufserlöse an den Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel inländischer Herkunft lag im Jahr 2017 bei 23 Prozent. Anfang der 70er Jahre lag der entsprechende Anteil mit 48 Prozent mehr als doppelt so hoch. Bei Milch und Milcherzeugnissen betrug der Anteil in 2017 40 Prozent, bei Fleisch- und Fleischwaren gut 22 Prozent. Am niedrigsten ist der Erlösanteil nach wie vor bei Brotgetreide und Brotgetreideerzeugnissen mit knapp 4 Prozent.
 
Getreidepreise haben geringe Auswirkungen auf den Brotpreis
 
Selbst landwirtschaftliche Erzeugerpreise für Backweizen von 200 Euro je Tonne stellen nur einen geringen Kostenfaktor bei der Brotherstellung dar. So entfallen bei einem Brötchen weniger als 7 Prozent des Preises auf seinen Getreideanteil. Für die Herstellung eines Brötchens benötigt der Bäcker etwa 34 Gramm Mehl. Bei einem Ausmahlungsgrad von rund 75 Prozent sind das lediglich 45 Gramm Weizen. Um den Brötchenpreis um nur einen Cent anzuheben, müsste sich der Getreidepreis verdoppeln. Schwerwiegender in der Preiskalkulation der Bäcker wirken sich dagegen die Kosten für Energie und Arbeit aus.
 
Seit 1950 sind die Löhne um das dreiundzwanzig-fache, die Brotpreise um das zwölf-fache gestiegen und die Getreidepreise unverändert geblieben
 
 
 
 
Von 1950 bis 2017 hat sich der Nettostundenverdienst eines Industriearbeiters auf mehr als das 23-fache erhöht. Da die Brotpreise nur um das 12-fache gestiegen sind, kann sich der Industriearbeiter für seinen Stundenlohn heute (2017) doppelt so viel Brot kaufen wie noch vor 67 Jahren. Der Weizenerzeugerpreis lag 2017 in etwa auf dem Niveau von 1950; bezogen auf das Endprodukt wie ein dunkles Mischbrot erlöst der Landwirt nur knapp 6 Prozent. Demgegenüber waren es 1950 entsprechend noch zwei Drittel des Brotpreises. Wären die Weizenpreise seit 1950 genauso stark gestiegen wie die Inflationsrate, dann könnten die Erzeuger für einen Doppelzentner (100 kg) heute etwa 89 Euro erlösen.
 
Unterschiedliche Verbrauchsentwicklungen bei den einzelnen Nahrungsmitteln
 
 
 
 
Der Verbrauch bei den einzelnen Nahrungsmitteln hat sich in den letzten Jahren unterschiedlich entwickelt. Steigende Verbrauchszahlen je Kopf der Bevölkerung werden bei Geflügel-, Rindfleisch, Käse und Eiern gemessen. Rückläufig ist dagegen der Verbrauch bei Obst und Schweinefleisch, während er bei vielen anderen Produkten von Jahr zu Jahr schwankt. Bei Fleisch ist der Unterschied zwischen dem Verzehr und dem Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung zu beachten, denn ein erheblicher Teil der Schlachtungen kann nicht für den menschlichen Verzehr verwendet werden. 
 
Hopfen und Gerste praktisch ohne Einfluss auf den Bierpreis
  • Hopfen für 1 Cent 
Ein Liter Bier enthält etwa 1,5 Gramm Hopfen. Bei einem Preis von rund 700 Euro für einen Doppelzentner (100 kg) erhält der Landwirt für seinen Hopfenanteil kaum mehr als 1 Cent je Liter Bier.
  • Braugerste für 4 Cent
Ein Liter Bier enthält im Schnitt etwa 215 Gramm Gerste. Bei einem Preis von rund 18 Euro für einen Doppelzentner erhält der Landwirt für seinen Gerstenanteil 4 Cent je Liter Bier.
 
 Quellen: BBV, DBV
 
Selbstversorgungsgrad fällt sehr unterschiedlich aus
Bei Weizen, Kartoffeln, Zucker, Milch und Schweinefleisch liegt der deutsche Selbstversorgungsgrad deutlich über 100 Prozent. Bei Obst, Gemüse, Eiern und Schaffleisch dagegen liegt der Selbstversorgungsgrad erheblich unter der 100 Prozent-Marke. Der Selbstversorgungsgrad, der das Verhältnis inländischer Erzeugung zum inländischen Verbrauch darstellt, schwankt bei pflanzlichen Erzeugnissen in Abhängigkeit von Witterung und Ernte von Jahr zu Jahr relativ stark.