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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.4 Ernährungswirtschaft

Vier von fünf Bürgern sind mit der Lebensmittelqualität zufrieden
Nach einer Umfrage von Allensbach aus September 2014 ist die überwältigende Mehrheit von der Lebensmittelqualität in Deutschland überzeugt. Unzufrieden sind nur 20 Prozent der Bevölkerung.

Die Ernährungsindustrie ist ein starker Zweig der deutschen Wirtschaft
Die deutsche Ernährungsindustrie, die die landwirtschaftlichen Erzeugnisse be- und verarbeitet, erreichte 2013 einen Umsatz von 175,2 Milliarden Euro (plus 3,5 Prozent gegenüber 2012). Wachstumstreiber war insbesondere das Exportgeschäft (+ 4,8 Prozent). Die Ernährungsindustrie ist der viertgrößte deutsche Gewerbezweig nach der Automobilindustrie, dem Maschinenbau und der chemischen Industrie. 2013 waren in 5.920 Betrieben der Ernährungsindustrie 555.300 Menschen beschäftigt.
Ab dem zweiten Halbjahr 2014 ließ die Umsatzentwicklung der Ernährungsindustrie nach Einschätzung des Branchenverbandes BVE spürbar nach. Ein zunehmender Konkurrenzdruck, stagnierende Verkaufspreise und ein schwaches Exportgeschäft – besonders in den strategisch wichtigen Märkten außerhalb der EU – werden als Ursachen genannt. Die Nachfrage im EU-Binnenmarkt konnte ungünstige Entwicklungen außerhalb der EU nur zum Teil abmildern.

Deutsche Lebensmittel gefragt
In den ersten neun Monaten 2014 konnte die Ernährungsindustrie ihren Umsatz gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum nicht ganz halten. Der Umsatz ging um 0,8 Prozent auf 128,8 Milliarden Euro zurück. Das Auslandsgeschäft der deutschen Ernährungsindustrie nahm dabei zu (plus 2,4 Prozent). Es hat sich in den letzten 10 Jahren deutlich mehr als verdoppelt und trägt heute (2013) rund 31 Prozent zum Gesamtumsatz bei. 10 Jahre zuvor waren es noch entsprechend rund 20 Prozent. 79 Prozent der deutschen Lebensmittelexporte werden im europäischen Binnenmarkt abgesetzt. Besonders gefragt sind deutsche Süß-, Backwaren, Fleisch- und Milchprodukte.

Ernährungsindustrie ist trotz Konzentrationsprozessen mittelständisch strukturiert
Angesichts der dominanten Marktposition des Lebensmittelhandels kann die Ernährungsindustrie gestiegene Kosten nur schwer auf die Verkaufspreise überwälzen. Die Konzentration der Unternehmen der Ernährungsindustrie hat zwar weiter zugenommen, ist aber im Vergleich zum Lebensmitteleinzelhandel oder zu anderen Wirtschaftsbereichen weiterhin relativ gering. Die deutsche Ernährungsindustrie ist traditionell mittelständisch geprägt – mit einem Umsatzdurchschnitt je Betrieb von rund 29,6 Millionen Euro. Die 10 größten Unternehmen vereinigen nur etwa 15 Prozent des Branchenumsatzes auf sich.

Strukturwandel bei den Raiffeisen-Genossenschaften
Die Raiffeisen-Genossenschaften sind mit ihren 82.000 Beschäftigten Marktpartner von Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und Lebensmittelhandel. Ihre Zahl ist über die Jahre deutlich rückläufig und vor allem dem Fusions- und Kooperationsbestreben der Unternehmen geschuldet. Die verbliebenen 2.385 Raiffeisen-Genossenschaften einschließlich Hauptgenossenschaften erzielten 2013 einen Umsatz von 67,5 Milliarden Euro. Das sind gegenüber dem Vorjahr gut 13 Prozent mehr. Umsatzstärkste Sparten sind mit 39,5 Milliarden Euro die Warenwirtschaft, die Milchwirtschaft mit 14,3 Milliarden Euro und die Vieh- und Fleischwirtschaft mit 6,5 Milliarden Euro. Ausgehend von rund 285.000 landwirtschaftlichen Betrieben (ab 5 ha LF) in Deutschland und rund 535.000 Mitgliedschaften von Landwirten, Winzern und Gärtnern ist statistisch betrachtet jeder Betrieb in nahezu zwei Genossenschaften beteiligt.

Fleischbranche mit einem Umsatz von 40,8 Milliarden Euro
Der Umsatz der Fleischbranche mit ihren 105.700 Beschäftigten betrug in 2013 40,8 Milliarden Euro, davon 10,9 Milliarden Euro oder 27 Prozent im Auslandsgeschäft. Die Fleischbranche macht mit ihrem Umsatz fast ein Viertel (23 Prozent) der deutschen Ernährungsgewerbes aus.

Immer weniger Schlachtunternehmen beliefern den Markt
Die Konzentration in der Fleischbranche schreitet weiter fort. Die drei größten Schlachtunternehmen – Tönnies, Vion und Westfleisch – schlachten mittlerweile gut die Hälfte (57 Prozent) aller Schweine in Deutschland. Das Gesamt-Ranking der Fleisch- und Fleischwarenunternehmen führt mit 5,0 Milliarden Euro (2012) die Tönnies-Gruppe an. An zweiter Stelle rangiert die Vion-Gruppe mit geschätzten 3,7 Milliarden Euro. Auf den weiteren Plätzen folgen die Westfleisch mit 2,5 Milliarden Euro und die PHW-Gruppe mit 2,3 Milliarden Euro.

Handelsketten mit Fleischwerken
Die Konzentration kommt auch darin zum Ausdruck, dass viele Schlachtunternehmen durchgehende Verarbeitungsketten vom Lebendtier bis zum verpackten Frischfleisch oder zur Wurst aufgebaut haben. Bedeutende Akteure sind mittlerweile die Fleischwerke des Handels. Zu den 10 Umsatzstärksten gehören Kaufland/Lidl, Brandenburg/Rewe, Edeka Südwest Fleisch, Bauerngut, Rasting, Nordfrische Center, Südbayerische Fleischwaren, Birkenhof, Franken-Gut oder Hessengut. Sieben der vorgenannten Fleischwerke gehören dem Edeka-Verbund an. Diese stehen zusammen für mehr als 2,6 Milliarden Euro Umsatz. Spitzenreiter ist allerdings Kaufland mit einem Jahresumsatz von 655 Millionen Euro (2013).

Molkereibranche ist im Umbruch
Die beiden größten deutschen Molkereiunternehmen Nordmilch und Humana sind nach ihrer in 2011 erfolgten Fusion zum Deutschen Milchkontor (DMK) mit einem Umsatz in 2013 von 5,3 Milliarden Euro und einer verarbeiteten Milchmenge von 6,7 Millionen Tonnen zum größten deutschen Milchverarbeiter aufgestiegen. Im weltweiten Ranking liegt DMK auf Platz 13. Größtes Molkereiunternehmen weltweit ist Nestlé, gefolgt von den beiden französischen Unternehmen Danone und Lactalis sowie Fonterra aus Neuseeland. Auf Platz 5 folgt das niederländische Unternehmen Friesland/Campina.

Milchwirtschaft wächst über den Export
Die deutsche Milchwirtschaft ist mit einem Umsatz von 28,3 Milliarden Euro und rund 38.000 Beschäftigten (2013) die zweitgrößte Sparte der deutschen Ernährungsindustrie. 31 Prozent der Umsätze werden über den Export erwirtschaftet, Tendenz steigend. Mehr als die Hälfte der Milch wird von genossenschaftlichen Unternehmen verarbeitet. Die Zahl der Milch verarbeitenden Unternehmen in Deutschland hat im Zeitverlauf stark abgenommen. 2013 gab es noch 162 Milch verarbeitende Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten. Täglich werden von den deutschen Molkereien zusammen rund 83.100 Tonnen Milch zu hochwertigen Lebensmitteln verarbeitet.

Mühlenbranche mit rasantem Strukturwandel
Mit rund 6.000 Beschäftigten erwirtschaftete die Mühlenbranche im Wirtschaftsjahr 2012/13 einen Jahresumsatz von rund 2,5 Milliarden Euro. Der Trend zu größeren Einheiten hält an. 1950/51 gab es in Deutschland 18.935 Mühlen, heute sind es noch rund 500 Mühlen, davon 218 Mühlen, die mindestens 1.000 Tonnen vermahlen. 44 große Mühlen mit einer Jahresvermahlung von 50.000 Tonnen und mehr haben einen Anteil an der Gesamtvermarktung von 83 Prozent. Mit rund 8,45 Millionen Tonnen Getreide (2012/13) werden etwa ein Drittel der Weizen- und Roggenernte von deutschen Mühlen zu Mehl veredelt.
Nur 5 Prozent des Mehls wird an den privaten Endverbraucher abgesetzt, 90 Prozent des Inlandsabsatzes deutscher Mühlen gehen an Backbetriebe, die restlichen 5 Prozent an Stärke- und Teigwarenhersteller.

Deutsche Zuckerwirtschaft wird von vier Unternehmen bestimmt
Von 61 Unternehmen der Zuckerindustrie in den Jahren 1950/51 existieren nur noch vier mit insgesamt 20 Fabriken, rund 5.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 3,6 Milliarden Euro (2013). Die Südzucker AG in Mannheim, die Nordzucker AG in Braunschweig, Pfeifer & Langen KG in Köln und die niederländische Suiker Unie GmbH mit der Zuckerfabrik in Anklam teilen sich den deutschen Markt. Auch in Europa sind die drei verbliebenen deutschen Unternehmen führend und produzieren fast die Hälfte des EU-Zuckers. Marktführer in der EU ist die Südzucker mit einem Anteil an der Zuckerproduktionsquote von 24,8 Prozent.
Etwa 85 Prozent der deutschen Zuckererzeugung geht an die Zucker verarbeitende Industrie, das Handwerk und die chemische Industrie. 15 Prozent werden als Haushaltszucker über den Lebensmitteleinzelhandel verkauft.

Deutsche Brauereien relativ kleinstrukturiert
1.349 Braustätten in Deutschland brauten mit ihren 26.800 Beschäftigten 2013 rund 5.000 Biere. Der Bierausstoß lag bei 94,4 Millionen Hektolitern, der Umsatz bei 7,7 Milliarden Euro. Knapp 16 Prozent der deutschen Bierproduktion werden exportiert. Der Pro-Kopf-Verbrauch bei Bier ist in den letzten Jahren zurückgegangen und lag 2013 bei 106,6 Litern pro Person. Deutschland ist die fünftgrößte Brauereination der Welt – nach China, den USA, Brasilien und Russland. Unter den vierzig größten Brauereien der Welt befinden sich fünf deutsche Gruppen: Die Radeberger-Gruppe, die es in 2012 als einziges deutsches Brauereiunternehmen unter die Top 20 geschafft hatte, ist in 2013 auf Rang 22 abgerutscht. Den größten Weltmarktanteil hat die in Belgien ansässige Brauereigruppe AB-InBev, die 20,2 Prozent der weltweiten Bierproduktion herstellt, gefolgt von SAB Miller (UK) mit 9,5 Prozent und Heineken (NL) mit 9,0 Prozent.