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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.4 Ernährungswirtschaft

Ernährungsindustrie ist ein starker Zweig der deutschen Wirtschaft
Die deutsche Ernährungsindustrie, die die landwirtschaftlichen Erzeugnisse be- und verarbeitet, erreichte 2017 einen Gesamtumsatz von 179,6 Milliarden Euro – davon 119,4 Milliarden Euro im Inland und 60,1 Milliarden Euro im Ausland. Der Export ist für die Ernährungsindustrie ein wichtiges Standbein – jeder dritte Euro (33,5 Prozent) wird im Ausland verdient. Die Exporte legten 2017 etwas stärker zu (+ 6,3 Prozent) als das Inlandsgeschäft (+ 4,1 Prozent). 2017 waren in 6.044 Betrieben der Ernährungsindustrie rund 595.500 Menschen beschäftigt. Die stark von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägte Ernährungsindustrie ist nach der Automobilindustrie und dem Maschinenbau der drittgrößte Arbeitgeber in der deutschen Industrie und bietet vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten. Die deutsche Lebensmittelindustrie ist nach Frankreichs Ernährungsindustrie die umsatzstärkste in Europa. Mit insgesamt 170.000 verschiedenen Produkten gibt es kaum ein Produktsegment, das nicht in Deutschland hergestellt wird.
 
2018: Stabiles Inlandsgeschäft, etwas höherer Export
 
In den ersten neun Monaten des Jahres 2018 sind die Umsätze gegenüber dem entsprechenden Vorjahresstand nur leicht gestiegen (+ 0,3 Prozent). Die Umsatzentwicklung zeigt ein stabiles Inlandsgeschäft und einen etwas höheren Export. Der Export ist zwischen 2007 und 2017 um 72 Prozent gestiegen und trägt heute (2017) rund 33,5 Prozent zum Gesamtumsatz bei. 2007 lag der Anteil noch bei rund 24 Prozent. Sichere, qualitativ hochwertige Lebensmittel sind ein Markenzeichen im Export. 79 Prozent der deutschen Lebensmittelexporte werden im europäischen Binnenmarkt abgesetzt. Besonders gefragt sind deutsche Süß-, Backwaren, Fleisch- und Milchprodukte.
 
Ernährungsindustrie ist trotz Konzentrationsprozessen mittelständisch strukturiert 
Angesichts der dominanten Marktposition des Lebensmittelhandels kann die Ernährungsindustrie gestiegene Kosten häufig nur schwer auf die Verkaufspreise überwälzen. Die Konzentration der Unternehmen der Ernährungsindustrie hat zwar weiter zugenommen, ist aber im Vergleich zum Lebensmitteleinzelhandel oder zu anderen Wirtschaftsbereichen weiterhin relativ gering. 90 Prozent der Unternehmen der deutschen Ernährungsindustrie gehören dem Mittelstand an. Der Umsatzdurchschnitt je Betrieb liegt bei rund 29,7 Millionen Euro. Die 10 größten Unternehmen vereinigen nur etwa 15 Prozent des Branchenumsatzes auf sich.
 
Immer weniger Bäckereien und Fleischereien
Die Zahl der Bäckereien und Fleischereien geht weiter zurück. Ende 2017 wurden in der Betriebsstatistik des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) insgesamt 11.347 Bäckereien gezählt. 2007 waren es noch 15.781 Betriebe, was einem Rückgang von 28,1 Prozent entspricht. Für das Fleischerhandwerk verzeichnet die Statistik für Ende 2017 13.490 Betriebe. Zehn Jahre zuvor lag die Zahl der Fleischerbetriebe noch bei 18.948 (- 28,8 Prozent). Gründe für diese Entwicklung sind komplexer werdende Rahmenbedingungen im Lebensmittelhandwerk und ein harter Wettbewerb, insbesondere mit dem Lebensmitteleinzelhandel.
 
Strukturwandel bei den Raiffeisen-Genossenschaften
 
 
 
 
 
Die Raiffeisen-Genossenschaften sind mit ihren 330.000 Eigentümern und 84.000 Beschäftigten Marktpartner von Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und Lebensmittelhandel. Ihre Zahl ist über die Jahre deutlich rückläufig und vor allem dem Fusions- und Kooperationsbestreben der Unternehmen geschuldet. Die 2.104 Raiffeisen-Genossenschaften erzielten 2017 einen Umsatz von 63,0 Milliarden Euro (gegenüber Vorjahr + 4,9 Prozent). Ein deutlich positives Ergebnis weist mit einem Plus von 17 Prozent bei einem Gesamtumsatz von 13,7 Milliarden Euro der Bereich Milchwirtschaft auf. Dies ist vor allem auf die Stabilisierung der Marktlage zurückzuführen. An zweiter Stelle stehen die Vieh- und Fleischgenossenschaften, die Umsätze in Höhe von 7,0 Milliarden Euro generierten und somit 2017 ein Plus von gut 14 Prozent erwirtschafteten. In den weiteren Sparten liegen die Ergebnisse auf einem relativ stabilen Niveau. Umsatzstärkste Sparte ist mit 35,5 Milliarden Euro die Warenwirtschaft. Ausgehend von rund 270.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland und rund 475.000 Mitgliedschaften von Landwirten, Winzern und Gärtnern ist statistisch betrachtet jeder Betrieb an nahezu zwei Genossenschaften beteiligt.
 
Fleischbranche mit einem Umsatz von 43,7 Milliarden Euro
 
Der Umsatz der Fleischbranche mit ihren 119.600 Beschäftigten betrug in 2017 43,7 Milliarden Euro, davon 11,1 Milliarden Euro oder 25,4 Prozent im Auslandsgeschäft. Die Fleischbranche macht mit ihrem Umsatz fast ein Viertel (24,0 Prozent) des Gesamtumsatzes des deutschen Ernährungsgewerbes aus.
 
Immer weniger Schlachtunternehmen beliefern den Markt 
 
Die Konzentration in der Fleischbranche schreitet weiter fort. Die drei größten Schlachtunternehmen – Tönnies, Vion und Westfleisch – schlachteten 2017 knapp 58 Prozent der 57,9 Millionen in Deutschland geschlachteten Schweine. Das Gesamt-Ranking der Schweine Schlachtunternehmen führt mit knapp 16,6 Millionen geschlachteten Schweinen (2017) die Tönnies-Gruppe an, gegenüber Vorjahr + 2,5 Prozent. An zweiter Stelle rangiert der niederländischdeutsche Vion-Konzern, der in Deutschland 2017 8,5 Millionen Schweine schlachtete, gegenüber Vorjahr - 4,2 Prozent. Auf Platz drei folgt die Westfleisch mit 8,3 Millionen Schweinen, gegenüber Vorjahr + 2,8 Prozent. Bei den Rinderschlachtungen führt der Vion-Konzern die Rangliste vor der Tönnies-Gruppe und der Westfleisch.  
 
Handelsketten mit Fleischwerken
 
Die Konzentration kommt auch darin zum Ausdruck, dass viele Schlachtunternehmen durchgehende Verarbeitungsketten vom Lebendtier bis zum verpackten Frischfleisch oder zur Wurst aufgebaut haben. Bedeutende Akteure sind mittlerweile die Fleischwerke des Handels. Spitzenreiter ist Kaufland mit einem Jahresumsatz von 839 Millionen Euro. Unter den 10 umsatzstärksten Fleischwerken befinden sich sieben regionale EDEKA-Fleischwerke (Edeka-Südwest, Bauerngut, Rasting, Südbayerisches Fleischwerk, Nordfrische Center, Hessengut und Franken-Gut), die 2017 auf einen Gesamtumsatz von über 2,9 Milliarden Euro kamen.
 
Molkereibranche ist im Umbruch
 
 
 
 
 
 
Im Ranking der weltweit größten Milchverarbeiter führt der Nestlé-Konzern, gefolgt von den beiden französischen Unternahmen Lactalis und Danone. Unter den TOP 20-Molkereien der Welt befinden sich mit dem Deutschen Milchkontor (Platz 13) und Müller Milch (Platz 18) auch zwei deutsche Unternehmen. Experten gehen von einem weiteren Konzentrationsprozess der Milchverarbeitungsunternehmen aus. 
 
Deutsche Milchwirtschaft wächst über den Export
 
Die deutsche Milchwirtschaft ist mit einem Umsatz von 26,7 Milliarden Euro (ohne Speiseeis) und rund 39.200 Beschäftigten (2017) die zweitgrößte Sparte der deutschen Ernährungsindustrie. 33,3 Prozent der Umsätze werden über den Export erwirtschaftet. Rund zwei Drittel der in Deutschland erzeugten Milch wird von genossenschaftlichen Unternehmen verarbeitet. Die Zahl der Milch verarbeitenden Unternehmen in Deutschland hat im Zeitverlauf stark abgenommen. 2016 gab es noch 152 Milch verarbeitende Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten. Täglich werden von den deutschen Molkereien zusammen rund 92.700 Tonnen Milch zu hochwertigen Lebensmitteln verarbeitet. 

Mühlenbranche mit rasantem Strukturwandel

Mit rund 6.000 Beschäftigten erwirtschaftete die Mühlenbranche im Wirtschaftsjahr 2016/17 einen Jahresumsatz von rund 2,75 Milliarden Euro. Die Mühlen vermahlen jährlich etwa ein Drittel der deutschen Weizen- und Roggenernte. Der Trend zu größeren Mühlen Einheiten hält weiter an. 1950/51 gab es in Deutschland 18.935 Mühlen, heute sind es noch 550 Mühlen, davon 205, die mindestens 1.000 Tonnen vermahlen. 46 große Mühlen mit einer Jahresvermahlung von 50.000 Tonnen und mehr haben einen Anteil an der Gesamtvermarktung von 82 Prozent. Mit rund 8,9 Millionen Tonnen Getreide (2016/17), davon 8,5 Millionen Tonnen Brotgetreide, beliefern die Mühlen Backgewerbe und Lebensmittelindustrie, Handel und Verbraucher. Knapp 11 Prozent der Mahlerzeugnisse werden exportiert. Nach Angaben des Verbandes Deutscher Mühlen gehen 30 Prozent der Erzeugnisse an Handwerksbäcker, 55 Prozent an Betriebe der Backwaren- und Lebensmittelindustrie, 10 Prozent an Spezialverarbeiter wie Teig- und Nudelwarenhersteller und nur etwa 5 Prozent an den Endverbraucher. Mühlennachprodukte, wie Kleie oder Nachmehle, werden zu Futtermitteln verarbeitet. 
 
Deutsche Zuckerwirtschaft wird von vier Unternehmen bestimmt
 
Von 61 Unternehmen der Zuckerindustrie in den Jahren 1950/51 existieren heute noch vier mit insgesamt 20 Fabriken, rund 4.800 Beschäftigten und einem Umsatz von 2,6 Milliarden Euro (2017). Die Südzucker AG in Mannheim, die Nordzucker AG in Braunschweig, Pfeifer & Langen GmbH & Co.KG in Köln und die niederländische Suiker Unie GmbH & Co.KG mit der Zuckerfabrik in Anklam teilen sich den deutschen Markt. 27.100 Landwirte beliefern diese Unternehmen mit Zuckerrüben. Auch in Europa sind die drei verbliebenen deutschen Unternehmen führend und produzieren zusammen etwa die Hälfte des EU-Zuckers. Der größte Zuckerhersteller in der Welt und Marktführer in der EU ist mit 18.500 Beschäftigten die Südzucker-Gruppe. Sie erreichte in der Kampagne 2017/18 eine Zuckerproduktion aus Rüben von 5,7 Millionen Tonnen. Vom Gesamtumsatz des Südzuckerkonzerns in Höhe von 7,0 Milliarden Euro (2017/18) entfallen 3,0 Milliarden Euro auf den Zuckerbereich. Gut 89 Prozent der deutschen Zuckererzeugung gehen an die Zucker verarbeitende Industrie, das Handwerk und die chemische Industrie. Knapp 11 Prozent werden als Haushaltszucker über den Lebensmitteleinzelhandel verkauft.
 
Deutsche Brauereien relativ kleinstrukturiert

In 1.492 Braustätten in Deutschland mit ihren 27.200 Beschäftigten wurden 2017 rund 5.000 Biersorten gebraut. Der Bierausstoß lag bei 93,0 Millionen Hektolitern, der Umsatz bei 7,8 Milliarden Euro. Knapp 17 Prozent der deutschen Bierproduktion werden exportiert. Der Pro-Kopf-Verbrauch bei Bier ist in den letzten Jahren zurückgegangen und lag 2017 bei 101,2 Litern pro Person. Weltweit stehen deutsche Brauereien beim Bierausstoß an vierter Stelle hinter China, den USA und Brasilien. Ein regionaler Schwerpunkt der Biererzeugung liegt in Bayern, wo sich fast jede zweite deutsche Braustätte befindet. Unter den vierzig größten Brauereien der Welt befinden sich acht deutsche Gruppen: Die Radeberger-Gruppe belegt als größtes deutsches Unternehmen Platz 20 mit 11,5 Millionen Hektolitern. Unter die Top 40-Bierhersteller der Welt schaffen es außerdem Oettinger (8,6 Mio. hl), die TCB Beteiligungsgesellschaft mbH (8,5 Mio. hl), die unter anderem Handelsmarken großer Supermarktketten braut, die Bitburger Braugruppe (6,8 Mio. hl), Krombacher (6,1 Mio. hl), die Paulaner Brauerei Gruppe (5,7 Mio. hl), Warsteiner (3,8 Mio. hl) und – neu dabei – Veltins (2,9 Mio. hl). Die acht größten deutschen Brauereien machen zusammen nur einen Weltmarktanteil von 2,7 Prozent aus. Weltmarktführer ist die in Belgien ansässige Brauereigruppe AB Inbev, die 31,4 Prozent der weltweiten Bierproduktion von alljährlich knapp 2.000 Millionen Hektoliter Bier herstellt, gefolgt von Heineken (NL) mit 11,2 Prozent und der China Resources Breweries mit 6,5 Prozent (2017).