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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.6 Ökologischer Landbau

Was zeichnet den ökologischen Landbau aus?
Im ökologischen Landbau werden möglichst geschlossene betriebliche Kreisläufe angestrebt. Futter und Nährstoffe für Tier und Pflanze sollen weitgehend auf eigener Betriebsfläche erzeugt werden, ein Zukauf externer Betriebsmittel ist stark eingeschränkt und muss bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls aus ökologischer Erzeugung stammen. Der ökologische Landbau verfolgt das Ziel, besonders umweltfreundlich, bodenschonend und tiergerecht zu wirtschaften.
Ökologisch wirtschaftende Landwirtschaftsbetriebe werden mindestens einmal jährlich speziell kontrolliert.
 
Reformierte EU-Öko-Verordnung gilt ab 2021

In der EU gibt es seit 1992 eine Öko-Verordnung. Diese wurde 2018 neu beschlossen und wird ab 2021 gelten. Unter anderem sollen für Bio-Produkte aus Nicht-EU-Ländern dieselben Kontrollverfahren und Standards gelten wie für solche aus dem EU-Binnenmarkt. Bis 2021 sind noch wichtige Details zu klären, so zum Beispiel hinsichtlich Ställen und Ausläufen für Tiere, der Listen zugelassener Betriebsmittel und Lebensmittelzutaten sowie zu Anforderungen an das Kontrollsystem.
 
1,37 Millionen Hektar Öko-Fläche in 29.400 Betrieben 
 
Ende 2017 wurden 1,37 Millionen Hektar und damit 8,2 Prozent der Agrarfläche in Deutschland ökologisch bewirtschaftet. Das sind rund 125.000 Hektar mehr als Ende 2016; im Vorjahr hatte der Zuwachs 160.000 Hektar betragen. Die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe stieg bis Ende 2017 um 2.995 auf 29.395. Damit sind 11,0 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland auf Öko-Landbau spezialisiert. Den größten Ökozuwachs gab es 2017 in Sachsen-Anhalt und in Sachsen mit plus 19,8 bzw. 19,2 Prozent.
 
870.000 Hektar von Öko-Anbauverbänden zertifiziert
Die Anbaufläche, die nach den Standards der Öko-Anbauverbände bewirtschaftet wird, legte 2017 um 75.000 Hektar auf über 870.000 Hektar zu. Nicht gebundene Bio-Bauern, die nach den Regeln der EU-Öko-Verordnung arbeiten, bewirtschafteten Ende 2017 eine Fläche von 506.000 Hektar, das sind 50.000 Hektar mehr als ein Jahr zuvor.
 
Umstellungsinteresse weiter hoch
 
Nach Ergebnissen des Konjunkturbarometer Agrar vom Dezember 2017 interessieren sich knapp 16 Prozent der deutschen Landwirte für den Öko-Landbau, vor allem Futterbaubetriebe. Das Umstellungsinteresse ist etwa gleich hoch wie im Vorjahr und relativ unabhängig von der Betriebsgröße. Das größte Umstellungsinteresse findet sich in Süd- und Ostdeutschland. Als wichtige Voraussetzung für eine wirtschaftlich nachhaltige Umstellung nennen die befragten Landwirte angemessene Erzeugerpreise und eine hinreichende Förderung der umstellungsbedingten Investitionen.
 
Grünlandnutzung dominiert den Öko-Landbau
Der Öko-Landbau in Deutschland hat im Jahr 2017 weiter zugenommen. Die Bio-Fläche ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 125.000 Hektar gewachsen. Die ökologisch bewirtschaftete Ackerfläche wurde von 510.000 Hektar im Jahr 2016 auf 560.000 Hektar im Jahr 2017 ausgedehnt. Zu diesem Plus haben u.a. die Bio-Milchviehbetriebe, die ihre Ackerflächen zur eigenen Futterversorgung umgestellt haben, beigetragen. Die Ackerflächen machten 2017 rund 41 Prozent der gesamten ökologisch bewirtschafteten Fläche aus. Ein Flächenplus konnte auch bei den Grünlandflächen festgestellt werden, die weiterhin den größten Anteil des Öko-Landbaus ausmachten. Im Vergleich zum Vorjahr wurden diese um 70.000 Hektar erweitert. Sowohl die Flächen für Streuobst als auch für Dauerkulturen wurden ebenfalls leicht ausgedehnt, auf 24.000 bzw. 20.000 Hektar.
 
Die Weidetierhaltung dominiert in den Öko-Betrieben
Mutterkühe, Ziegen und Schafe werden zu relativ hohen Anteilen in ökologischer Bewirtschaftung gehalten. Dagegen ist der Anteil der ökologischen Schweinefleischerzeugung in Deutschland mit unter 1 Prozent gering. Der Anteil der Biomilch liegt bei 3 Prozent; die höchsten Anteile befinden sich in Baden-Württemberg, im Saarland und in Hessen. Etwa die Hälfte der Bio-Milch wird in Bayern erzeugt. Relativ hoch ist der Öko-Anteil mit über 11 Prozent in der Eiererzeugung und mit rund 5 Prozent auch in der Rindfleischerzeugung.
 
Ökologischer Landbau in der EU 
In der EU wurde 2017 eine Fläche von 12,8 Millionen Hektar ökologisch bewirtschaftet, etwa 42 Prozent mehr als noch 2010.  Vom Anbauflächenumfang steht Deutschland mit 1,4 Millionen Hektar (2017) nach Spanien, Italien und Frankreich an vierter Stelle der größten Ökoanbauländer in der EU. Während die Öko-Anbaufläche in Frankreich seit 2010 deutlich zugenommen hat und auch in Deutschland kräftig wächst, ging sie im Vereinigten Königreich und den Niederlanden hingegen zurück. Weltweit betrug die registrierte Ökolandbaufläche in 2016 etwa 57,8 Millionen Hektar.
 
Öko-Landbau braucht höhere Erlöse
Wegen eines niedrigen Ertragsniveaus und eines höheren Arbeitsaufwands sind Öko-Landwirte trotz geringerer Ausgaben für Be-triebsmittel auf höhere Erzeugerpreise angewiesen, um wirtschaftlich bestehen zu können. Während der meist zweijährigen Über-gangsphase eines Betriebes von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft entstehen außerdem hohe Umstellungskosten, die nur teilweise durch staatliche Öko-Förderung aufgefangen werden.
 
Bio-Landwirte stellen 4,9 Prozent der Verkaufserlöse der Landwirtschaft
Die führenden Marktsegmente bei Bioprodukten sind andere als im konventionellen Bereich. Besonders deutlich ist der Unterschied bei Bio-Eiern. Diese stellen 13 Prozent der Bio-Verkaufserlöse, jedoch nur 3 Prozent im konventionellen Bereich. Entgegengerichtet ist das Verhältnis der Verkaufserlöse der Produktgruppe Fleisch, in der Bio einen vergleichsweise geringen Anteil hat.
 
Umsatz mit Öko-Lebensmitteln über der 10 Milliarden Euro-Schwelle
 
Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln ist von 2000 bis 2017 von 2,0 auf 10,0 Milliarden Euro erheblich angestiegen. In 2017 wurden 5,0 Prozent des deutschen Lebensmittelumsatzes mit Öko-Ware erzielt. Davon entfielen auf den allgemeinen Lebensmittel-Einzelhandel etwa 59 Prozent.