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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.7 Bioenergie und Nachwachsende Rohstoffe

Wirtschaftliche Impulse durch Bioenergie
Die größten wirtschaftlichen Impulse der Erneuerbaren Energien kommen aus der Erzeugung von Bioenergie. Biomasse für Strom, Wärme und Biokraftstoffe machten 2017 mit etwa 10,5 Milliarden Euro knapp zwei Drittel der Umsätze von Erneuerbaren-Energien-Anlagen aus. Energiemäßig stellte Bioenergie 2017 54 Prozent der Erneuerbaren Energien in Deutschland bereit, weitere 8 Prozent stammen aus biogenen Abfällen.
 
Nachwachsende Rohstoffe mit großer Bedeutung
Landwirtschaftliche Nutzpflanzen zur Energiegewinnung nehmen in Deutschland 2,35 Millionen Hektar ein. Das entspricht 20 Prozent der Ackerfläche bzw. 14 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Hauptenergiepflanzen sind Silomais und Raps. Weitere 0,3 Millionen Hektar entfallen auf Industriepflanzen, vor allem Stärkekartoffeln und Raps. Der langjährige Aufwärtstrend des Anbaus nachwachsender Rohstoffe ist seit 2014 zum Stillstand gekommen, bei Raps sogar leicht rückläufig.
 
Mais und Raps sind wichtigste „NawaRos“ 
Mais nimmt im Anbaujahr 2017 eine Fläche von 2,5 Millionen Hektar ein, davon entfallen etwa 0,9 Millionen Hektar auf Energiemais. Der deutlich überwiegende Teil dient der Fütterung des Viehs (Maissilage) und der Körnermaisernte. Mais zählt zu den ertragsstärksten Energiepflanzen für die Biogasproduktion. Die flächenmäßig zweitwichtigste Energie- und Industriepflanze in Deutschland ist mit etwa 844.000 Hektar Anbaufläche in 2017 der Raps, bei einer Raps-Gesamtfläche von 1,3 Millionen Hektar.
 
Erneuerbare Energie für Wärme und Verkehr zu fast 90 Prozent aus Biomasse
 
Knapp zwei Drittel der Erneuerbaren Energien stammen aus Biomasse. Bei der Mobilität gibt es zu Biokraftstoffen unter den Erneuerbaren Energien kaum eine wirtschaftlichere Alternative. In der Wärmenutzung ist Biomasse ohne staatliche Förderung konkurrenzfähig. Bei der Stromerzeugung ist Biomasse im Vergleich zu Wind und Sonne besser regelbar, speicherbar und damit verlässlicher. 
 
Ein Drittel Strom aus Erneuerbaren Energien
 
Der Strom aus Erneuerbaren Energien erreichte im Jahr 2017 mit einer Produktion von 218 Milliarden Kilowattstunden 33 Prozent der deutschen Stromerzeugung. Die erneuerbare Stromerzeugung ist 2017 deutlich um etwa 15 Prozent bzw. 28 Milliarden Kilowattstunden gewachsen, vor allem wegen höherer Windstromerzeugung. 51 Milliarden Kilowattstunden und damit etwa 23 Prozent des erneuerbaren Stroms wurden in 2017 aus Biomasse gewonnen. 
 
Biogas liefert 5 Prozent der Stromerzeugung
In 2018 waren in Deutschland 9.500 Biogasanlagen mit einer elektrischen Gesamtleistung von etwa 4.800 Megawatt installiert. Ein Zubau findet derzeit fast ausschließlich für die Flexibilisierung, das heißt, für den Zubau weiterer Generatoren bzw. bei Gülle-Kleinanlagen statt. 2017 wurden etwa 33 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert, was 5 Prozent des deutschen Stromverbrauchs entspricht. Weitere 12 Milliarden Kilowattstunden werden als Wärme genutzt. Etwa 200 Biogasanlagen bereiten das Biogas zu Biomethan auf und speisen es ins Gasnetz ein. Seit 2014 ist der Ausbau der Stromerzeugung von Biogasanlagen nahezu zum Stillstand gekommen.
 
Bioenergie als flexibler Strom- und Wärmeanbieter
 
Biogasanlagen sind entsprechend der Anreizstruktur des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) bislang auf Dauerbetrieb ausgelegt. Das wachsende und stark schwankende Angebot von Wind- und Solarstrom im Netz macht künftig einen stärker bedarfsorientierten Betrieb von Biogasanlagen erforderlich. Im EEG werden entsprechende Anreize dazu gegeben.
 
Wärme aus Biomasse 
Im erneuerbaren Wärmemarkt ist die Biomasse der mit Abstand wichtigste Energieträger. Der Anteil am Gesamtwärmeverbrauch liegt bei 13 Prozent. Dabei stammen etwa 87 Prozent aus der Nutzung von Biomasse. Der Löwenanteil von 66 Prozent wird als Holzenergie zur Wärmeerzeugung genutzt. Besonders effizient ist die so genannte Kraft-Wärme-Kopplung, bei der aus den biogenen Energieträgern gleichzeitig Strom und Wärme gewonnen werden. 
 
Biokraftstoffbranche mit 4,7 Prozent Marktanteil 
2017 wurden 2,05 Millionen Tonnen Biodiesel, 1,16 Millionen Tonnen Bioethanol, 0,16 Millionen Tonnen hydrierte Pflanzenöle sowie nur 4.000 Tonnen Pflanzenöl als Kraftstoff verwendet. Außerdem wurden auch 28.000 Tonnen Biomethan im Verkehr eingesetzt. Zusammen entspricht das 4,7 Prozent des gesamten Energieverbrauches im Verkehrssektor. Biokraftstoffe ersetzen nicht nur fossile Energieträger, sie lassen sich auch mit einem vergleichsweise geringen (fossilen) Primärenergieaufwand herstellen. 
 
Erneuerbare Energien-Richtlinie der EU – Veränderte Rahmenbedingungen
  • Gesamtziel von 32 Prozent Erneuerbare Energien am Energieverbrauch bis 2030
  •  Ziel von mind. 14 Prozent Erneuerbare Energien im Verkehrssektor
  • Vorrang für „fortschrittliche“ und reststoffbasierte Biokraftstoffe, u.a. aus Stroh oder Tierdünger
  • Hürden für Eigenverbrauch abbauen – keine überzogene Abgabenbelastung
  • Nachhaltigkeitszertifizierung als Fördervoraussetzung für alle Bioenergiearten
Quellen: EU-Kommission, Deutscher Bauernverband

Treibhausgasminderung von 81 Prozent bei Biokraftstoffen 
 
In Deutschland wird die Biokraftstoffquote im Wege einer Treibhausgasminderungsverpflichtung umgesetzt. Damit erhalten Biokraftstoffe, die eine besonders hohe Treibhausgasminderung erbringen, einen Vorteil im Markt. Diese Quote ist für 2017 bis 2019 auf 4,0 und ab 2020 auf 6,0 Prozent festgelegt. Im Vergleich zu Diesel und Benzin fallen bei den Biokraftstoffen durchschnittlich 81 Prozent weniger Treibhausgase an. 2015 lag diese Minderung noch bei 70 Prozent.
 
Heizen mit Holz vergleichsweise günstig
Von 2015 bis 2017 lagen die Heizölpreise vorübergehend auf einem niedrigen Niveau. In 2018 sind diese wieder deutlich über den Preisen für Holzpellets und Scheitholz. Hackschnitzel sind noch günstiger. Aus Biomasse erzeugte Wärme ist somit vergleichsweise günstig. Deswegen bleiben Holz- oder Pelletheizungen für viele Hausbesitzer attraktiv. Die Preise für Wärme aus Biomasse sind deutlich geringeren Schwankungen unterworfen als für Heizöl oder Erdgas.
 
Bioenergie führt zu einer positiven Klimabilanz der Landwirtschaft
 
Durch den Einsatz von Bioenergie für Strom, Wärme und Kraftstoffe werden in Deutschland (2016) rund 61 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen vermieden. Dies entspricht fast der Menge an Klimagasen, die die Landwirtschaft selbst verursacht (65 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent in 2016). In der offiziellen Klimastatistik werden die durch Bioenergie erreichten Emissionsminderungen aber nicht der Land- und Forstwirtschaft zugeschrieben, sondern dem Energie- und Verkehrssektor (siehe Kapitel 2.4 Klimaschutz).
 
EU will Erneuerbare Energien weiter ausbauen
 
Die neue Erneuerbare Energien-Richtlinie der Europäischen Union („RED II“) macht für die Jahre 2021 bis 2030 neue Vorgaben. Die Mitgliedstaaten müssen diese EU-Vorgaben nun ausfüllen und umsetzen.