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2 Umwelt und Ressourcenschutz in der Landwirtschaft

2.1 Flächennutzung und Bodenzustand

Grünes Deutschland 
Die Land- und Forstwirtschaft erhält und pflegt 28,8 Millionen Hektar Acker, Wiesen und Wald. Das sind knapp 81 Prozent der Fläche Deutschlands. Sie erhält die natürlichen Lebensgrundlagen und sichert die Ernährung. Vielfältige Landschaften, darunter auch die von der Landwirtschaft gepflegten Kulturlandschaften, dienen als Freizeit- und Erholungsräume und stellen darüber hinaus einen wichtigen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten dar.
 
Auf den Ackerflächen dominiert Getreide
Auf den 11,7 Millionen Hektar Ackerland wurden 2018 rund 6,2 Millionen Hektar Getreide angebaut, vor allem Weizen (3,0 Millionen Hektar). Ölpflanzen, hauptsächlich Winterraps, wurden auf 1,3 Millionen Hektar angebaut. Der Anbau von Silomais stagniert bei 2,1 Millionen Hektar. Der Anbau von Hülsenfrüchten liegt bei 192.000 Hektar, die Flächenstilllegung bei ca. 360.000 Hektar.
 
Ansatzpunkte zur Minderung des Flächenverbrauchs
 
  • Innenentwicklung und Baulückenschließung statt Bauen auf der „Grünen Wiese“
  • Flächenrecycling und Entsiegelung
  • Naturschutzrechtliche Kompensationsmaßnahmen flexibel und flächenneutral durchführen (in die landwirtschaftliche Produktion integrierte Kompensationsmaßnahmen; Aufwertung vorhandener Biotope)
  • Schutz landwirtschaftlicher Flächen analog zum Bundeswaldgesetz
Quelle: Deutscher Bauernverband

Flächenverbrauch statt Ressourcenschutz
 
Durch den Flächenverbrauch geht die unvermehrbare Ressource Boden als Produktionsgrundlage für den Anbau von Lebens- und Futtermitteln sowie von nachwachsenden Rohstoffen verloren. Auch der Natur- und Landschaftsschutz ist betroffen, denn durch neue Siedlungs- und Verkehrsflächen werden Landschaften zersiedelt und Lebensräume für Tiere und Pflanzen eingeschränkt.
 
Flächenverbrauch rückläufig, aber weiter hoch 
Der Flächenverbrauch durch Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen beträgt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes derzeit 62 Hektar pro Tag (Durchschnitt der Jahre 2014-2017), was der Fläche von 90 Fußballfeldern entspricht. Es werden selbst in Regionen mit Bevölkerungsrückgang mehr Flächen neu versiegelt als entsiegelt. Die für Siedlung und Verkehr genutzte Fläche ist seit 1992 um 920.000 Hektar auf 5,1 Millionen Hektar angewachsen. Die Gebäude- und Freiflächen, also Wohn- und Gewerbegebiete, machen den größten Anteil der überbauten Flächen aus.

1,29 Millionen Hektar Flächenverlust zu Lasten der Landwirtschaft
Den amtlichen Liegenschaftskatastern zufolge hat die Landwirtschaftsfläche von 1992 bis 2017 um etwa 1.293.400 Hektar abgenommen. Im gleichen Zeitraum erfolgte eine Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche um 920.000 Hektar. Das ist fast soviel wie die landwirtschaftlich genutzte Fläche des Landes Schleswig-Holstein (988.000 Hektar).
 
Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen  

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz müssen Eingriffe in Natur und Landschaft durch Baumaßnahmen soweit wie möglich minimiert bzw. ausgeglichen oder kompensiert werden. Die Kompensationsflächen für diese Eingriffe betragen bisweilen das Mehrfache der eigentlich versiegelten Fläche. Häufig werden gerade die fruchtbarsten Böden als Kompensationsflächen für den Natur- und Landschaftsschutz verwendet, weil diesen aus Naturschutzsicht eine geringe Wertigkeit und damit ein großes Aufwertungspotenzial beigemessen werden.
 
Hohe Flächenanteile unter Natur- und Landschaftsschutz
Der Naturschutz in Deutschland geht bis auf den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. Ein Kerninstrument ist die Erhaltung der Lebensräume von Tier- und Pflanzenarten durch die Ausweisung von Schutzgebieten. In den vergangenen Jahren kamen zahlreiche neue Schutzgebiete hinzu. Vorrangiges Ziel ist dabei häufig nicht unmittelbar der Schutz von bestimmten Arten, sondern eine großflächige Unterschutzstellung von Lebensräumen. Im Vergleich zu anderen dicht besiedelten Ländern ist in Deutschland ein vergleichsweise hoher Anteil der Landesfläche unter Schutz gestellt.
  
Bodenzustandserhebung
 
Der Bund hat in den Jahren 2011 bis 2018 erstmals eine repräsentative Erhebung des Bodenzustandes für die deutsche Landwirtschaft durchgeführt. Die Ergebnisse erlauben unter anderem eine fundierte Berechnung der Kohlenstoffgehalte in den Böden für ganz Deutschland.

Humus - über 100 Tonnen organischer Kohlenstoff je Hektar

Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass die Oberböden von Acker- und Grünland (0 bis 30 cm) tendenziell kohlenstoffreicher sind als die Unterböden bis 100 cm Tiefe. Es ergeben sich bei den mineralischen Böden durchschnittliche organische Kohlenstoffvorräte von 96 Tonnen je Hektar Ackerfläche und 135 Tonnen je Hektar Dauergrünland. Auf Moorstandorten (rund 6 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche) sind die Kohlenstoffvorräte mit 507 Tonnen je Hektar um ein Mehrfaches höher.
 
Bodenzustandserhebung
 
  • Repräsentative Beprobung aller Landwirtschaftsflächen im Raster 8 x 8 km mit 3.104 Messpunkten in 2011 bis 2018
  • Bodentiefe 0 bis 100 cm
  • Gemessen wurde u.a. Feinbodenanteil < 2mm, Wurzelmasse, pH-Wert, Gehalte an organischem und anorganischem Kohlenstoff, Stickstoffgehalt
  • Angaben    der Landwirte zu Bewirtschaftung, Fruchtfolge, Düngung, Ernteresten
Quelle: Thünen-Institut
 
5 Milliarden Tonnen Kohlenstoffvorrat
Das Thünen-Institut errechnet für die landwirtschaftlichen Nutzflächen in Deutschland einen Vorrat an Bodenkohlenstoff von etwa 2.400 Millionen Tonnen. Zusammen mit dem Wald ergibt sich ein Kohlenstoffvorrat von geschätzt 5.000 Millionen Tonnen (einschl. der Waldvegetation). Zum Vergleich: Die jährlichen fossilen CO2-Emissionen entsprechen 219 Millionen Tonnen Kohlenstoff.