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2 Ressourcenschutz in der Landwirtschaft

2.2 Lebensgrundlage Boden

Böden als Grundlage der Land- und Forstwirtschaft
Außerhalb der Gewässer hängt alles Leben vom Boden ab, denn Böden bieten Pflanzen Verankerung und versorgen sie mit Wasser und Nährstoffen. Seit Jahrtausenden erzeugen Menschen auf Böden gezielt Nahrungsmittel und nutzen nachwachsende Rohstoffe. Böden bilden weltweit die Grundlage für über 90 Prozent der erzeugten Nahrung.
 
Der Boden lebt
Allein unter der Fläche einer Schuhsohle tummeln sich mehr Bodenorganismen als es Menschen auf der Erde gibt. Auf nur einem Hektar Ackerboden erreichen alle lebenden Organismen zusammen ein Gewicht von bis zu 5 Tonnen, in Waldböden sogar bis zu 25 Tonnen.
 
Guter Boden ist ertragreich
Die Bodenqualität lässt sich durch verschiedene Eigenschaften definieren. Es existieren stabile Bodeneigenschaften, die sich durch übliche und ordnungsgemäße Bewirtschaftung nicht oder kaum ändern (z. B. die Bodenzusammensetzung oder das Wasserhaltungsvermögen im Wurzelraum), mittelfristig veränderliche Eigenschaften (z. B. Humusgehalt, biologische Aktivität, Regenwurmbesatz, pH-Wert) und kurzfristig veränderliche Bodeneigenschaften infolge von Witterungseinflüssen, Düngung und etwa der Bodenbearbeitung.
Elementares Kriterium für die Bewertung von Bodenqualität ist die Fähigkeit, Pflanzen hervorzubringen und mit diesen Mensch und Tier zu ernähren.
 
Humus – Herz des Bodens
Humus bezeichnet die Gesamtheit der toten organischen Substanz (Kohlenstoff) eines Bodens. Dieser macht auf Ackerböden nur einen geringen Teil der Masse aus, ist aber ein entscheidender Stoff, der dem Boden Struktur und Fruchtbarkeit verleiht. Der Humusstatus der deutschen Ackerböden wird nach aktuellen Untersuchungen als gut eingestuft. Das zeigen sowohl die Bestimmungen in Dauerfeldversuchen als auch die Ergebnisse der Humusbilanzierung. Dies liegt auch daran, dass es schon seit langem erprobte Verfahren der Landwirtschaft zum Humusaufbau und zu dessen Erhalt in Ackerböden gibt: Fruchtfolgerotationen, Einsatz von Wirtschaftsdüngern, Stroh und Kompost sowie Zwischenfruchtanbau.
 
Ökoeffizienz: Mehr Ertrag mit weniger Ressourceneinsatz
Zwischen 1990 und 2014 ist es den Landwirten gelungen, durch verbesserte Pflanzenzüchtung, neuere Technik und genauere Düngung die Ertragsleistung von Getreide um 37 Prozent, von Kartoffeln um 73 Prozent, von Ölfrüchten um 50 Prozent und von Zuckerrüben um 48 Prozent zu steigern. Hinzu kommt, dass diese Leistungssteigerungen mit einer immer umweltfreundlicheren und schonenderen Produktionsweise einhergehen. So sinkt die Nährstoffbilanz zusehends bei gleichzeitig steigendem Flächenertrag.Die landwirtschaftliche Erzeugung findet im „offenen System“ statt, daher können die eingesetzte Energie und die Nährstoffe nicht vollständig ausgenutzt werden. Wirtschafts- und Mineraldünger und Futtermittel können niemals zu 100 Prozent verwertet werden, bestimmte Verluste sind unvermeidlich.
Durch ständige technische Weiterentwicklung werden Düngemittel aber immer pflanzengerechter und punktgenauer und damit sparsamer eingesetzt. So werden Düngemittel eingesetzt, die den Stickstoff langsam und über einen längeren Zeitraum abgeben, so dass er dann den Pflanzen dann zur Verfügung steht, wenn er zum Wachstum benötigt wird. Im sogenannten „Precision Farming“ wird der Düngerbedarf Quadratmeter für Quadratmeter elektronisch ermittelt und der Dünger in jeweils angepassten Mengen ausgebracht.
 
Bodenschutz wird in Deutschland groß geschrieben
Bodenschutz ist in Deutschland im Unterschied zu vielen anderen EU-Staaten sowohl ein eigenständiger Rechtsbereich als auch in einer Vielzahl von anderen Politikbereichen integriert. Neben dem Bundesbodenschutzgesetz sind auch im Wasserrecht, im Naturschutzrecht, in der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung, im Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz, im Düngemittel- und Pflanzenschutzrecht, im Immissionsschutzrecht und im Baurecht Anforderungen vorgegeben, direkt oder indirekt dem Bodenschutz dienen.
 
Bodenschutz und gute fachliche Praxis
Das Bodenschutzgesetz legt die Grundsätze der guten fachlichen Praxis der landwirtschaftlichen Bodennutzung fest und soll damit der nachhaltigen Sicherung der Bodenfruchtbarkeit und Leistungsfähigkeit des Bodens als natürlicher Ressource dienen. So muss etwa jegliche Bodenbearbeitung immer standortangepasst erfolgen, die jeweilige Witterung berücksichtigen und somit den nicht veränderbaren Bodeneigenschaften Rechnung tragen.
 
Pflugeinsatz überwiegt bei der Bodenbearbeitung
Die Bodenbearbeitung erfolgt zur Stoppelbearbeitung, Grundbodenbearbeitung und Saatbettbereitung. Nach zuletzt für 2010 vorliegenden Daten der Agrarstatistik wurden 59 Prozent des Ackerlandes in einer konventionellen wendenden Bodenbearbeitung mit dem Pflug beackert. Der Pflug wurde damit auf 6,6 Millionen Hektar Ackerfläche eingesetzt und ist damit das wichtigste Verfahren bei der Grundbodenbearbeitung in Deutschland.
34 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe verzichten auf ihren Ackerflächen zumindest teilweise auf das Pflügen und setzen auf die konservierende Bodenbearbeitung, z. B. mit oberflächlichem Grubbern oder Eggen. Diese reduzierte Form der Bodenbearbeitung wird auf 40 Prozent der Ackerfläche angewendet. Direktsaatverfahren ohne Bodenbearbeitung sind bisher kaum verbreitet (1 Prozent der Ackerfläche).
 
Bodenbearbeitung hängt auch von der Betriebsgröße ab
Betrachtet man die Bodenbearbeitungsverfahren über verschiedene Betriebsgrößenklassen hinweg, so ist ein klarer Trend erkennbar. Mit zunehmender Größe der Betriebe werden weniger intensive Bearbeitungsverfahren eingesetzt. Werden beispielsweise in Betrieben bis zu einer Größe von 30 Hektar Ackerland 85 Prozent der Flächen mit konventioneller Bodenbearbeitung mit Pflugeinsatz bewirtschaftet, so setzen Betriebe mit einer Größe ab 200 Hektar Ackerland schon auf 54 Prozent ihrer Flächen konservierende und damit auch zeit- und kostensparende Bodenbearbeitungsverfahren ein.
 
81 Prozent des Ackerlandes mit Bodenbedeckung im Winter
Von den 11,8 Millionen Hektar Ackerland im Freiland waren im Winter 2009/10 60 Prozent mit Winterkulturen wie Getreide bestellt. Weitere knapp 22 Prozent der Ackerflächen waren mit Restbewuchs der vorangegangenen Kultur, Schutzbepflanzung, Winterzwischenfrüchten oder mit nicht umgebrochenen Ackerbaukulturen bedeckt. Nur 19 Prozent der Ackerflächen waren im Winter 2009/10 ohne Bodenbedeckung.
38 Prozent aller Ackerbaubetriebe bauen Zwischenfrüchte an. Der Anbau von Zwischenfrüchten zwischen zwei aufeinander folgenden Hauptfrüchten machte 2010 rund 1,3 Millionen Hektar aus (11 Prozent der Gesamt-Ackerfläche). 86 Prozent des Zwischenfruchtanbaus dienen der Gründüngung, 9 Prozent der Futtergewinnung und 5 Prozent der Energiegewinnung. 60 Prozent entfallen auf Winterzwischenfrüchte, 40 Prozent auf Sommerzwischenfrüchte.
 
40 Prozent der Betriebe pflegen Landschaftselemente
Rund 119.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland erhalten und pflegen Landschaftselemente auf ihrer bewirtschafteten Fläche. Das sind 40 Prozent aller Betriebe. Mit steigender Betriebsgröße steigt der Anteil der Betriebe mit Landschaftselementen deutlich an. Zu den Landschaftselementen zählen Hecken, Baumreihen oder Steinwälle/-mauern. Jeder sechste Betrieb, der Landschaftselemente aktiv pflegt, hatte diese nach Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2010 neu angelegt.
 
Nur 2 Prozent der LF werden bewässert
Nach den Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2013 wurden im Jahr 2012 rund 366.000 Hektar tatsächlich bewässert. Das sind 2 Prozent der Gesamt-LF in 13.700 Betrieben (5 Prozent aller Betriebe). Mit 207.000 Hektar liegen die meisten Beregnungsflächen (57 Prozent) in Niedersachsen. Danach folgen Nordrhein-Westfalen (27.000 ha) und Brandenburg (21.000 ha). Jährlich werden etwa 300 Millionen Kubikmeter Wasser für landwirtschaftliche Bewässerungszwecke eingesetzt. Das sind nur 1 Prozent des Wasserverbrauchs in Deutschland.
 
Das Bodengefüge schonen
Das Bodengefüge, also die Struktur des Bodens, beeinflusst maßgeblich wichtige Bodeneigenschaften. Hierzu gehören der Boden- und Lufthaushalt, die Durchwurzelbarkeit und die Verfügbarkeit der Nährstoffe, etwa für Pflanzen. Als Faustregel gilt hierbei: Je dichter ein Boden ist, desto ungünstiger sind dessen Bodeneigenschaften.
Es gibt viele Möglichkeiten, den Boden zusätzlich zu schonen und Verdichtungen vorzubeugen. So sind z.B. breite Reifen oder sogar Raupenfahrwerke für Schlepper und Erntefahrzeuge üblich, die das Gewicht auf eine größere Fläche verteilen. Die gleiche Wirkung erzielen Reifendruckregelanlagen, mit der ein Fahrer auf dem Acker per Knopfdruck den Reifendruck senken kann. Das vergrößert die Aufstandsfläche der Reifen und verringert den Bodendruck.