© clipdealer.de
2 Ressourcenschutz in der Landwirtschaft

2.3 Bioenergie und Nachwachsende Rohstoffe

Landwirte sind wichtige Investoren bei Erneuerbaren Energien
Landwirte haben in den Jahren 2009 bis 2013 knapp 20 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert, vor allem in Biogasanlagen und Fotovoltaik. Bei Biogas befinden sich rund Dreiviertel aller Anlagen mit einer Gesamtleistung von ca. 3.800 Megawatt im Eigentum von Landwirten. Knapp ein Viertel aller Fotovoltaikanlagen gehren Landwirten. Fr 2015 ist von einem weiteren Rckgang der Investitionen auf noch 1 Milliarde Euro fr Erneuerbare Energien auszugehen.
 
Energiepflanzen mit groer Bedeutung
Landwirtschaftliche Nutzpflanzen zur Energiegewinnung und fr die stoffliche Verwertung nehmen in Deutschland etwa 2,3 Millionen Hektar ein. Das entspricht knapp 20 Prozent der Ackerflche bzw. 14 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzflche. 2,1 Millionen Hektar entfallen auf Energiepflanzen, vor allem Raps und Silomais. Knapp 0,3 Millionen Hektar entfallen auf Industriepflanzen, vor allem Strkekartoffeln und Raps.
Der langjhrige Aufwrtstrend des Energiepflanzenanbaus ist 2013 zum Stillstand gekommen. Marktexperten erwarten in den kommenden Jahren keinen greren Zuwachs im Anbau Nachwachsender Rohstoffe.
 
Raps und Mais sind wichtigste NawaRos
Die flchenmig wichtigste Energie- und Industriepflanze in Deutschland ist mit etwa 760.000 Hektar Anbauflche in 2014 der Raps, bei einer Gesamtflche von 1,4 Millionen Hektar. Mais nimmt zwar im Anbaujahr 2014 eine Flche von 2,6 Millionen Hektar ein, davon entfallen etwa 0,9 Millionen Hektar auf Energiemais. Der weitaus grere Teil dient der Ftterung des Viehs (Maissilage) und der Krnermaisernte. Mais zhlt zu den ertragsstrksten Energiepflanzen fr die Biogasproduktion.
 
Biomase stellt zwei Drittel der Erneuerbaren Energie
Knapp zwei Drittel der Erneuerbaren Energien stammen aus Biomasse. 2013 betrug der Anteil der Bioenergie am Endenergieverbrauch Deutschlands etwa 8 Prozent. Bei der Mobilitt gibt es zu Biokraftstoffen kaum eine wirtschaftliche Alternative, wenn man auf Erneuerbare setzen will. In der Wrmenutzung ist Biomasse ohne staatliche Frderung konkurrenzfhig. Bei der Stromerzeugung ist Biomasse im Vergleich zu Wind und Sonne besser regelbar, speicherbar und damit verlsslicher.
 
Ein Viertel Strom aus Erneuerbaren Energien
Der Strom aus Erneuerbaren Energien deckte im Jahr 2013 mit einer Produktion von 153 Milliarden Kilowattstunden bereits 24 Prozent des deutschen Stromverbrauchs, Tendenz steigend. 48 Milliarden Kilowattstunden und damit etwa 31 Prozent des erneuerbaren Stroms wurden in 2013 aus Biomasse gewonnen.
 
Biogas liefert 4 Prozent der Stromerzeugung
In 2013 waren in Deutschland insgesamt 7.720 Biogasanlagen mit einer elektrischen Gesamtleistung von etwa 3.550 Megawatt installiert. Fr 2014 wird ein Zuwachs auf ca. 3.800 Megawatt erwartet. 2013 wurden etwa 27 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert, was 4,3 Prozent des deutschen Stromverbrauches entspricht. Die durchschnittliche Leistung der Biogasanlagen lag bei rund 250 Kilowatt. Etwa 130 Biogasanlagen bereiten das Biogas zu Biomethan auf und knnen jhrlich bis zu 665 Millionen Kubikmeter Biomethan ins Gasnetz einspeisen. Seit 2012 hat sich das Ausbautempo von Biogasanlagen stark verlangsamt.
 
Wrme aus Biomasse
Im erneuerbaren Wrmemarkt ist die Biomasse der mit Abstand wichtigste Energie-
trger. Der Anteil am Gesamtwrmeverbrauch liegt bei 9 Prozent. Dabei stammen etwa 80 Prozent aus der Verbrennung fester Biomasse. Reststoffe aus Land- und Forstwirtschaft (Stroh, Industrierestholz, Waldrestholz, Rinde, organischer Mll etc.) leisten damit einen sprbaren Beitrag zur klimafreundlichen Wrmeerzeugung. Besonders effizient ist die so genannte Kraft-Wrme-Kopplung, bei der aus den biogenen Energietrgern gleichzeitig Strom und Wrme gewonnen werden.
 
Biokraftstoffbranche mit 5,5 Prozent Marktanteil
2013 wurden 2,2 Millionen Tonnen Biodiesel, 1,2 Millionen Tonnen Bioethanol sowie nur 1.200 Tonnen Pflanzenl als Kraftstoff verwendet. Auerdem wurden auch 35 Millionen Kubikmeter Biomethan im Verkehr eingesetzt. Zusammen entspricht das 5,5 Prozent des gesamten Energieverbrauches incl. Verkehrssektor. Biokraftstoffe ersetzen nicht nur fossile Energietrger, sie lassen sich auch mit einem vergleichsweise geringen (fossilen) Primrenergieaufwand herstellen.
 
EU debattiert ber Rahmenbedingungen fr Biokraftstoffe
Die EU-Kommission hatte im Oktober 2012 vorgeschlagen, die Produktion von Biokraftstoffen aus Nahrungsmittelfrchten bis zum Jahr 2020 auf einen Anteil von 5 Prozent am Kraftstoffverbrauch zu begrenzen, darber hinaus sollen die Biokraftstoffe aus Rest- und Abfallstoffen stammen. Das Europische Parlament hat im September 2013 hierzu abweichend Position bezogen und 6 Prozent Biokraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen gefordert. Eine endgltige Entscheidung wird 2015 erwartet.
Der Europische Rat hat bei der Festlegung seiner Klimaziele bis 2020 im Oktober 2014 keine verpflichtenden Vorgaben fr Biokraftstoffe getroffen. Die EU-Vorgaben von 10 Prozent Biokraftstoffen fallen damit ab 2021 weg. Als Ziel soll der Anteil der Erneuerbaren Energien bis 2030 auf 27 Prozent ansteigen.
 
Deutschland fhrt Treibhausgasminderungspflicht ein
Ab 2015 wird in Deutschland die Biokraftstoffquote durch eine Treibhausgasminderungsverpflichtung ersetzt. Diese ist durch den Inverkehrbringer, also die Minerallwirtschaft bzw. Tankstellen-Unternehmen zu erfllen. Damit erhalten Biokraftstoffe, die eine besonders hohe Treibhausgasminderung erbringen, einen Vorteil im Markt.
Fr 2015 und 2016 ist eine THG-Minderung von 3,0 Prozent vorgesehen. Diese wird ab 2017 auf 4,0 und ab 2020 auf 6,0 Prozent angehoben.
 
Biokraftstoffe mit neuen Marktchancen in der Landwirtschaft?
Preisrckgnge bei Pflanzenlen sorgen dafr, dass Biokraftstoffe in der Landwirtschaft im Vergleich zum Diesel wieder wirtschaftlich attraktiv werden. Auch unter Bercksichtigung der Agrardiesel-Steuererstattung und des geringeren Brennwertes von Biodiesel bzw. Pflanzenl ist ein deutlicher Preisvorteil entstanden. Einige Traktorenhersteller haben inzwischen so genannte Multifuel-Motoren zur Marktreife entwickelt. Diese knnen vollelektronisch zwischen verschiedenen Kraftstoffen umschalten. Die Markteinfhrung dieser Innovation steht aber noch aus.
 
Heizen mit Holz bleibt preislich attraktiv
Seit 2011 bewegen sich die Heizlpreise im Bereich zwischen 75 und 90 Cent pro Liter (einschlielich Mehrwertsteuer). Im Oktober 2014 lag der Heizlpreis bei 75 Cent/Liter. Der Erdgaspreis liegt zwischen 6 und 7 Cent je Kubikmeter. Aus Biomasse erzeugte Wrme ist im Vergleich deutlich gnstiger. Deswegen bleiben Holz- oder Pelletheizungen fr viele Hausbesitzer attraktiv.
 
Biogas kann neue Rolle in der Stromversorgung bernehmen
Biogasanlagen sind entsprechend der Anreizstruktur des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) bislang auf Dauerbetrieb unabhngig von der jeweiligen Stromnachfrage ausgelegt. Das wachsende und stark schwankende Angebot von Wind- und Solarstrom im Netz wird knftig einen strker bedarfsorientierten Betrieb von Biogasanlagen erfordern bzw. wirtschaftlich attraktiv machen. In Politik und Energiewirtschaft wird derzeit errtert, wie knftig bessere wirtschaftliche Anreize fr Versorgungssicherheit und bedarfsorientierte Stromerzeugung gegeben werden knnen. Das Bundeswirtschaftsministerium will Anfang 2015 ein Grnbuch fr die Neugestaltung des Strommarktes vorlegen.
 
Energiewende: Suche nach dem Energiemix der Zukunft
Der Ausbau der Stromproduktion durch Wind und Fotovoltaik fhrt zu einer anderen Energieversorgungsstruktur. Dazu gehrt zum einen der Aus- und Umbau der Stromnetze. Zum anderen mssen abgngige Grundlastkraftwerke, vor allem Kern- und Kohlekraftwerke, durch flexible Kraftwerke ersetzt werden. Dazu gehren vor allem Gas- und Pumpspeicherkraftwerke. Biogas kann hierbei eine dezentrale Ergnzung zu oft diskutierten neuen Erdgaskraftwerken leisten.
 
Biogas Vernderter Rohstoffmix in Sicht
Landwirte, Anlagenbetreiber, Berater und Pflanzenzchter sind auf der Suche nach dem Rohstoffmix der Zukunft. Momentan erzielt Silomais an vielen Standorten die hchsten Ertrge. Doch alternative Biogas-Kulturen wie die Zuckerrbe oder die Durchwachsene Silphie bieten ebenfalls ein hohes Ertragspotential. Ergnzend dazu werden auch Glle und Mist aus der Tierhaltung zunehmend in Biogasanlagen genutzt.
 
Bioenergie bringt positive Klimabilanz der Landwirtschaft
Durch den Einsatz von Bioenergie fr Strom, Wrme und Kraftstoffe werden in Deutschland (2013) rund 64 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen vermieden. Dies entspricht fast der Menge an Klimagasen, die direkt in der Landwirtschaft durch Methan und Lachgas freigesetzt wird (72 Millionen Tonnen CO2-quivalent).
In der offiziellen Klimastatistik werden die durch Bioenergie erreichten Emissionsminderungen aber nicht der Land- und Forstwirtschaft zugeschrieben, sondern dem Energie- und Verkehrssektor.