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2 Umwelt und Ressourcenschutz in der Landwirtschaft

2.5 Naturgefahren und Wetterrisiken

Extreme Wetterereignisse nehmen zu
 
Naturkatastrophen und extreme Wetterlagen gibt es seit Menschengedenken. Fluten, Erdbeben und Drreperioden finden schon in der Bibel Erwhnung. Deutschland ist in dieser Hinsicht ein vergleichsweise sicheres Land, wie der Wetterrisikoindex der Vereinten Nationen belegt (Rang 147 von 171 bewerteten Staaten). Wetterlagen wie extreme Drre, Hitze, Dauer- und Starkregen, Sturm, Frh-, Spt- und Kahlfrost knnen aber auch die deutsche Land- und Forstwirtschaft vor enorme Herausforderungen stellen. Angesichts des Klimawandels wird erwartet, dass derartige extreme Wetterereignisse zunehmen. Nach den bisherigen Beobachtungen ist die Intensitt solcher Schadereignisse in Deutschland regional stark unterschiedlich und daher im Einzelfall kaum vorhersehbar. 
 
Hhere CO2-Konzentration frdert das Pflanzenwachstum
 
Der Anstieg der atmosphrischen CO2-Konzentration fhrt nicht nur zu einer Erderwrmung, sondern hat auch Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum. Tendenziell steigen die Photosynthese und die Wachstumsraten. Neben dem CO2-Dngeeffekt kommt es zu einer verbesserten Wassernutzungseffizienz. 

Auch lngere Vegetationszeit bringt Vorteile
Wetteraufzeichnungen fr Deutschland zeigen einen ungebrochenen Trend der Erwrmung. Seit 1881 ist die Jahresmitteltemperatur nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) um 1,4 Grad Celsius angestiegen. Gleichzeitig hat die Zahl der Sommertage zugenommen und die der Frosttage abgenommen. Damit verbunden ist eine lngere Vegetationszeit.
 
Aber Risiken durch Sptfrste wachsen
Der Temperaturanstieg fhrt tendenziell zu einer Verfrhung der Pflanzenentwicklung. Es kommt zu einer Verschiebung der phnologischen Jahreszeiten. Die Vegetationszeit beginnt frher. Der frhere Austrieb ist allerdings mit starken Schwankungen von Jahr zu Jahr verbunden. Durch den frheren Vegetationsbeginn wchst zugleich die Gefahr von Schadereignissen durch Sptfrste. Insbesondere Obst, Wein und andere Sonderkulturen sind betroffen.
 
Wrmere Winter stellen geringere Hrteanforderungen an die Pflanzen
 
Mit dem Temperaturanstieg verbunden ist aber auch eine frhere Ernte im Herbst infolge beschleunigter Wachstumsentwicklung. Die Frostgefahr im Winter nimmt ab, die Anzahl der Frosttage und die Frosthrte gehen zurck. Pflanzen kommen auch mit einer geringeren Frosthrte zurecht. Warme Winter knnen aber auch teilweise zu fehlenden Vernalisationsanreizen fhren. Die Vernalisation bezeichnet den Blhimpuls bei Pflanzen nach einer lngeren Klteperiode. Diese ist art- und sortenspezifisch. Der Kltereiz muss ber einen lngeren Zeitraum zwischen 0 und 10C liegen.
 
Mehr Niederschlge, aber nicht dann, wenn die Pflanzen darauf angewiesen sind
 
Nicht nur bei den Temperaturen sondern auch bei den Niederschlgen ist langfristig eine deutliche Zunahme der Jahresniederschlagsmengen zu beobachten, seit 1861 um etwa 10 Prozent bei regionalen Unterschieden. Gleichzeitig treten extreme Niederschlagsereignisse wie Starkregen hufiger auf. Der Niederschlagsanstieg wird vor allem im Winter und auch Herbst registriert, im zeitigen Frhjahr und Sommer aber gehen die Niederschlagsmengen zurck. Das fhrt zu geringerer Bodenfeuchte und damit zu mehr Frhjahrs- und Sommertrockenheit. Die greren Niederschlagsmengen im Winter (Herbst) dagegen knnen zu Bodenerosion und verstrkter Nhrstoffauswaschung fhren.
 
Mehr Hitzestress bei Pflanzen und Tieren
Weniger Sommer-Niederschlge und hhere Verdunstung durch grere Sommerhitze und mehr Sommertage fhren tendenziell zu mehr Hitzestress bei Pflanzen und Tieren. Bei Pflanzen kann dies vermehrt zu frherer Abreife, Notreife und Sonnenbrand, zum Beispiel bei pfeln, fhren. Fr viele Nutzpflanzen-Schdlinge werden dagegen die berlebenschancen besser. Der Obst-, Wein- und Waldbau zum Beispiel hat zunehmend mit invasiven Arten wie der Kirschessigfliege oder dem Asiatischen Laubholzbockkfer zu kmpfen, die in hiesigen Gefilden keine natrlichen Feinde haben. Folgeschden durch Extremwetterlagen entstehen durch Insekten, Pilze und Bakterien (zum Beispiel Borkenkfer im geschdigten Wald). Es gibt auch Nutzpflanzen, die mit den hheren Temperaturen und wenig Niederschlgen gut zurechtkommen. Dazu gehren zum Beispiel tiefwurzelnde Rebstcke, wie der Weinjahrgang 2018 aufzeigt.
 
Hitze ist fr landwirtschaftliche Nutztiere das grte Wetterrisiko
 
Auch landwirtschaftliche Nutztiere knnen durch hohe sommerliche Temperaturen gestresst sein. Zunehmend lngere Phasen mit steigenden Temperaturen wirken sich damit unmittelbar auf das Tierwohl aus. Wenn die im Stoffwechsel der Tiere erzeugte Wrme nicht abgefhrt wird, steigt die Krpertemperatur. Das beeintrchtigt nicht nur die Leistungsfhigkeit der Tiere, sondern erhht auch ihre Anflligkeit fr Krankheiten. Eine Vielzahl von Manahmen ist gefragt. Besonders in der Schweine- und Geflgelhaltung knnen Ventilatoren die natrliche Thermoregulation der Tiere untersttzen und die negativen Auswirkungen von Hitzestress reduzieren.
 
Starke Schwankungen von Jahr zu Jahr
Die Variabilitt der Witterung nimmt tendenziell zu. Trockenperioden wechseln mit Starkregen, besonders im Sommer. Bezglich anderer Extremwetterereignisse wie Tornados und Hagel knnen die Wetterforscher, was Deutschland anbelangt, keine eindeutigen Tendenzen ausmachen. Wetterforscher weisen ausdrcklich darauf hin, dass die Feststellung von Wettertrends mindestens einen Beobachtungszeitraum von 40 Jahren umfassen sollten. Nicht jedes Extremwetterereignis ist somit auf den Klimawandel zurckzufhren. 
  
 
Mgliche landwirtschaftliche Anpassungsstrategien
  • Risiko streuen durch Anbaudiversifizierung
  • Zchtung trocken-, hitzetoleranter und widerstandsfhiger Pflanzen
  • Wasserhaltefhigkeit der Bden u.a. ber konservierende Bodenbearbeitung steigern
  • Effiziente Be- und Entwsserungstechnik
  • Geeignete Frost- und Hagelschutztechnik
  • Klimagerechte Stallbauten
  • Versicherungslsungen
Quelle: DLG (Merkblatt 434 Mehrgefahrenversicherungen in der Landwirtschaft)
 
Quellenangabe zu den Grafiken des Potsdam-Institut fr Klimafolgenforschung (PIK):
 
Johanna Hemetzberger, Sandra Krengel, Bernd Freier, Daniel Eberz, Frank Wechsung, Tobias Conradt, Michael Glemnitz, Claudia Bethwell. Christine von Buttlar (2016): Konsequenzen des Klimawandels fr die Nachhaltigkeitsziele beim Pflanzenschutzmitteleinsatz − Effizienz und Zulnglichkeit der Instrumente und Manahmen der Bundesregierung zur Erreichung der Umweltziele zum nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (Abschlussbericht). Julius Khn-Institut, Kleinmachnow; Potsdam-Institut fr Klimafolgenforschung, Potsdam; Leibniz-Zentrum fr Agrarlandschaftsforschung, Mncheberg; IGLU Ingenieurgemeinschaft fr Landwirtschaft und Umwelt, Gttingen; Herausgeber: Umweltbundesamt, Dessau-Rolau.